Bild: Annie Spratt/Unsplash

Als ich fünf Jahre alt wurde und noch nicht zur Schule ging, lernte ich, wie man Großbuchstaben liest. Ich las Überschriften und Drucke auf Plastiktüten, Schilder und Plakate. Dann schenkten mir meine Eltern ein Buch von Felix, dem Hasen, der am Flughafen verlorengegangen war und Briefe aus der ganzen Welt an seine Freundin Sophie schrieb. 

Das Buch sah so aus, wie Kinderbücher nun mal aussehen. Die Briefe aber, die man aus Umschlägen, die ins Buch hineingeklebt waren, herausnehmen konnten, waren in Großbuchstaben geschrieben. Ich las sie alle. Immer und immer wieder.

Das war der Beginn der Liebesgeschichte zwischen Büchern und mir. Ohne diese Liebe zum Lesen wäre ich heute nicht der Mensch, der ich bin. Denn – außer vielleicht meiner Familie und meinen Freunden – hat fast nichts meine Kindheit so sehr geprägt wie die Autorinnen und Autoren meiner Lieblingsbücher.

Cornelia Funke, Michael Ende, oder J. K. Rowling schrieben sich mit ihren Figuren direkt in meinen Kopf und – so kitschig es auch klingt – in mein Herz.

Am meisten Eindruck hinterließen aber zwei andere: Astrid Lindgren und Erich Kästner.  

Von Kästner, der mir in seinen Vorworten erklärte, wie wenig die Erwachsenen verstanden, hielt ich viel. Von den mutigen Zwillingen, die heimlich ihre Identitäten tauschten, noch viel mehr. Durch die Fragen nach Moral und Gerechtigkeit, die Kästner mir durch seine Bücher stellte, fühlte ich mich ernst genommen.

Astrid Lindgren schaffte es, dass ich mich als Kind von ihr verstanden fühlte. Besonders in Momenten, in denen ich den Eindruck hatte, von jemandem ungerecht behandelt zu werden. Die Kinder aus Schweden lebten wie ich auf dem Land, hatten viele Freunde, sagten ihre Meinung und hatten eine blühende Fantasie.

(Bild: imago/Westend61)

Die Geschichten entführten mich, die Charaktere beeindruckten mich. Ich nahm mir vor, unabhängig zu sein wie Pippi Langstrumpf, mutig wie Ronja Räubertochter und gerissen wie Pünktchen – Luise – Pogge.

„Die Geschichten gaben mir das Gefühl, dass alles möglich ist. Dass Gerechtigkeit am Ende immer siegt. Dass Freundschaft und Liebe das Wichtigste auf der Welt sind. Und dass ich alles schaffen kann.“

Ein Problem hatte ich aber: Wenn mich ein Buch fesselte, ließ es mich wirklich nicht mehr los. Ich stellte mir meinen Wecker eine halbe Stunde früher, damit ich noch vor der Schule im Bett lesen konnte, nahm das Buch mit an den Frühstückstisch, las heimlich, wenn ich Hausaufgaben machen sollte und weigerte mich, abends das Licht auszumachen. Mein Vater drohte mir irgendwann einmal damit, die Glühbirnen abends in meinem Kinderzimmer herauszudrehen – was er dann aber doch nicht tat. Wahrscheinlich befürchtete er, ich würde unbemerkt Kerzen in mein Zimmer schmuggeln und nachts versehentlich das ganze Haus abbrennen.

Mit meiner Büchereikarte tauschte ich jeden Donnerstag nach dem Musikunterricht die gelesenen Exemplare in neue um. Die alten Kinderbücher meiner Eltern hatte ich mir schon lange unter den Nagel gerissen und wurde von ihnen und allen anderen Verwandten fleißig mit Nachschub beschenkt. 

Und dann wurde ich erwachsen.

Mit den Jahren las ich weniger. Die immer größeren Anforderungen in der Schule, mehr Hobbys, die mich Zeit und Energie kosteten, Zeit mit Freunden und ein erster Freund wurden wichtiger als jeden Abend mit Büchern zu verbringen.

In ein paar Jahren las ich so viel wie früher in wenigen Monaten. Bücher mehrmals zu lesen, wie ich es früher oft getan hatte, kam gar nicht mehr in Frage. 

Ich glaube, damit bin ich nicht alleine. Ich kenne viele Menschen, die als Kinder Bücher regelrecht verschlungen und heute kaum noch Zeit zum Lesen haben – oder glauben, keine Zeit zu haben.

Aber mir fehlte etwas. Das merkte ich in schwierigeren Lebensphasen. Dann verkroch ich mich plötzlich wieder für wenige Stunden mit ihnen, verschwand in anderen Geschichten, statt in meiner eigenen. Verbrachte Nachmittage in Buchhandlungen, einfach, weil sie sich irgendwie wie ein Zuhause anfühlen – egal wo ich gerade war. 

Oder als ich mich von meinem Freund trennte, die Bettseite neben mir leer und das Bett ungewöhnlich groß war. Dann lagen Bücher dort, mit denen ich nachts einschlief. "Klingsors letzter Sommer" und "Anna Karenina", "Rumo" und eine Gedichtsammlung von Erich Kästner. 

„In solchen Momenten waren meine Bücher genauso für mich da wie meine Freunde und meine Familie.“

Bei Liebeskummer in einem geliebten Buch zu verschwinden, war dann genauso effektiv wie mit Schokolade, Wein und einer besten Freundin einen schlechten Film zu sehen – ich weiß das. Ich habe beides getestet.

Wenn ich mich dann aber genug in fremden Welten ausgeruht hatte, meine Zeit für andere Dinge nutzte, meinen Fokus neu setzte, verschwanden die Bücher wieder in den Regalen. Anstatt über andere zu lesen, erlebte ich in diesen Zeiten meine ganz eigenen Abenteuer. Neben den Büchern, die ich für meine Seminare lesen musste, las ich dann manchmal wochenlang nicht. Trotzdem war es schön zu wissen, dass sie da waren. Dass, wenn ich mich schlecht fühlte oder Ruhe brauchte, ganze Welten griffbereit auf mich warteten.

Seit einiger Zeit nehme ich mir wieder wirklich viel Zeit zum Lesen. Dann schalte ich mein Smartphone in den Flugmodus und verkrieche mich mit einem Tee aufs Sofa. Versinke in eine fremde Welt und in eine neue oder bekannte Geschichte. Nicht, weil ich irgendwo hinfliehen möchte. Sondern, weil ich Lust habe, etwas Neues oder Bekanntes zu sehen. Wenn ich mal an mir selbst zweifle, denke ich an die kleine Lotta, die alles kann – außer Rad fahren –, wenn ich gute Laune haben will, blättere ich durch die großen Seiten von "Pettersson und Findus". 

Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch, sagt Kästner. Die Heldinnen und Helden aus meinen Kinderbüchern machen es mir leicht, mein inneres Kind nicht zu vergessen. Und sie geben mir noch heute das Gefühl, das alles irgendwie möglich ist. 

Wenn ich ab und zu im Internet über einen Harry-Potter-Post scrolle, den Tausende gelikt haben, weiß ich, dass ich nicht die Einzige bin, die von den Büchern, die sie früher gelesen hat, geprägt wurde. Die sich immer noch ein bisschen wünscht, Teil der Geschichte zu sein. Und gemeinsam mit allen anderen immer noch ein kleines bisschen auf ihren Brief aus Hogwarts wartet. 

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Always ready 🙁

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Eine Sache hat sich seit meiner Kindheit übrigens gar nicht geändert: 

Wenn mich ein Buch einmal gefesselt hat, kann ich es nicht mehr aus der Hand legen. Ich lese abends viel zu lange, blättere beim Frühstück kurz durch die Seiten und nehme es mit in die Bahn. Aber jetzt kann es mir niemand mehr verbieten. Niemand schickt mich ins Bett. Und ich lasse meine Nachttischlampe so lange brennen wie ich will.


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Kandidat macht bei "Wer wird Millionär" seiner Freundin einen Antrag, der läuft aber nicht ganz nach Plan

Ob am Set der Lieblingsserie oder auf dem Konzert des Lieblingsrappers – Möglichkeiten, seiner Partnerin oder seinem Partner einen (öffentlichen) Heiratsantrag zu machen, gibt es viele. Auch das Fernsehen bietet Liebenden die Möglichkeit, ihre Gefühle und diesen schönen Moment mit der Welt zu teilen.

"Wer wird Millionär"-Kandidat Benjamin, ein Hotelfachmann aus Bad Zwischenahn, hielt es für eine gute Idee, seiner Freundin Svenja per "Telefonjoker" einen Antrag zu machen. 

Er ist der erste Kandidat der Sendung. Die Fragen beantwortet er ganz easy, scheint sogar sehr entspannt zu sein. Langsam macht sich aber eine Nervosität bemerkbar. Was dahinter steckt, wissen die Zuschauerinnen und Zuschauer zu Hause aber noch nicht. 

Irgendwann ist es dann so weit: Benjamin ruft an und stellt die Frage.

"Svenja, ich liebe dich – willst du mich heiraten?"

Svenjas Antwort:

"Verarsch mich nicht."

Das Publikum fängt an zu lachen, Benjamin springt von seinem Stuhl auf, seine Freundin schreit fast schon panisch: "Ich hör' dich nicht, ich hör' dich nicht..." Benjamin stellt die Frage nochmal, diesmal schreit er sogar. Irgendwann greift sogar Moderator Günther Jauch ein und sagt: "Zurück zum Heiratsantrag..."

Dann bekommt Benjamin endlich die Antwort, die er sich – vielleicht nicht ganz in dieser Form – erhofft hatte: "Ja, gerne. Ziehen wir durch, Benny."

Die Zuschauer waren etwas peinlich berührt.