Weißt du noch, Sommerferien?

Nach der Party erst mal ein Platsch! Wir haben gefeiert, getrunken, geraucht, sind verschwitzt – jetzt wollen wir nur noch ins Nass, alle zusammen, vielleicht nackt, vielleicht knutschen. Es ist Jahre her.

Wer ist schon mal nachts ins Schwimm- oder Freibad eingebrochen? Wer hat zwischen Zaun und Wiese seinen Geldbeutel verloren, ist einfach nackt reingesprungen? Wer wurde erwischt? Wir!

Unsere Redaktionsmitglieder erinnern sich an aufregende Schwimmbadmomente von damals. Give us the good old times back!
(Bild: Eryne! )
Basti: Springt ins Wasser, ist direkt schwer erregt

Es ist 2010, als ich mich mit Freunden aus meinem Abi-Jahrgang in der Stadt verabrede. Wenn man "in die Stadt" geht, heißt das eigentlich immer, dass man – mal wieder – in einem der beiden einzigen Klubs endet.

Acht Rum-Cola später, morgens um halb vier, überkommt uns dann wieder die übliche Langeweile, wegen der man der Heimat kurz nach dem Abi den Rücken gekehrt hat.

Der stadtpolitische Aufreger ist gerade der Bau eines neuen Schwimmbades, mitten auf dem Uni-Campus. Trotz der Nähe zur Uni sind die Preise gewaltig und für Studis viel zu hoch. Der Smalltalk darüber kocht hoch, gemischt mit Schnaps erwacht eine Idee zum Leben: Wir zeigen es den Stadtbonzen und brechen in das Freibad ein.

Es ist viel zu einfach.

Der komplette Außenbereich ist neu gebaut und in Betrieb, nur haben die Bauarbeiter scheinbar vergessen, das Gebiet anständig abzuriegeln. Stattdessen: wackeliger Bauzaun mit mannsgroßen Lücken.

Wir, zwei Jungs und zwei Mädels, klettern durch den Zaun. entledigen uns unserer Klamotten und springen in einen in der Sommernacht dampfenden Whirlpool.

Obwohl wir alle alte Freunde sind und nie etwas zwischen uns lief, ist die Stimmung plötzlich aufgeheizt – zumindest in meinem Suffkopp – und ich sitze verstrahlt mit einer Latte im Pool, während die Brüste unserer besten Freundinnen auf der Wasseroberfläche wippen. Leider sind beide in sehr langen Beziehungen, was die Sache dann irgendwie traurig und frustrierend macht.

Nach dieser Nacht war "Willst du mit mir ins Freibad einbrechen?" mehrere Jahre mein Standardspruch, wenn ich eine nette Frau angesprochen habe.

Er hat nie funktioniert.

(Bild: Jon Verive )
Nike: Klettert durch ein Fenster, schreit los

Die Luft riecht nach Grillfleisch und Alkopops, wir sitzen im Stockdunkeln auf dem Spielplatz, Mitternacht ist lange durch. Komm, lass uns doch mal schauen, ob wir einsteigen können in das Bad, das doch eh bald abgerissen werden soll, sagt jemand. Das Gebäude ist aus den Fünfzigern, hier soll was Neues gebaut werden.

Einsteigen. Wir finden die Idee gut. Mal gucken, ob noch Wasser drin ist in den Becken. Und stand nicht in der Zeitung, dass Schwerverbrecher sich nachts in den alten Umkleiden treffen, um Gestohlenes zu verkaufen? Krass, sagt jemand.

(Bild: olle svensson )

Wir finden ein Erdgeschoss-Fenster mit zersplitterter Scheibe. Jemand wirft zwei Steine nach. Drinnen regt sich nichts.

In der Ferne scheint eine Laterne, wir stehen schon hinter der Absperrung. Wir müssen uns beeilen, wenn das hier echt keiner mitkriegen soll, flüstert jemand.

Zuerst klettern die Jungs. Dann die Mädchen. Ich bin die Letzte. Panik!

Na gut. Ich hebe mein Bein, der Flatterrock fällt zurück, ich stelle meinen Fuß auf die Fensterbank – und jetzt bohrt sich ein kirchturmspitzer Scheibensplitter so tief in mein Kniefleisch, dass ich grell aufschreie.

(Bild: John Verive )

Wir müssen ins Krankenhaus. Die anderen klettern wieder raus: Danke Nike, deinetwegen kommt wahrscheinlich gleich die Polizei. Alle sind aufgekratzt. Mama, sage ich am Telefon, sorry, aber kann man einfach so ins Krankenhaus, mitten in der Nacht? Ich glaube, ich habe eine Wunde, die genäht werden muss. Ich ruf dich später zurück, ja?

Ich hake mich bei meiner Freundin ein, wir laufen los. Lass uns doch morgen noch mal versuchen, sagt jemand.

Helene: Durchatmen, dann weg mit allem

Feiern mit 16, im Hochsommer: Es dauert nie lange, bis jemand die Frage stellt, die selbst die besoffenste Truppe motiviert: "Nachtschwimmen?"

Nachtschwimmen!

Freibäder sind schlecht abgesichert, immer. Die Lücke im Zaun, das verrostete Drehkreuz: Ein Einbruch ist eigentlich viel zu leicht, um sich wie ein Verbrechen anzufühlen. Selbst mit betrunkenem Kopf. Und trotzdem: Der Puls steigt, sobald wir den Zaun überwunden haben. Kichernd bewegen wir uns vorwärts. Einer lässt seine Bierflasche fallen, ein anderer ermahnt panisch.

Auf dem Gelände ist es stockduster, aber den Weg zum Becken kennen wir auswendig, von zahllosen Besuchen bei Tageslicht. Auf einmal hören wir Stimmen, kurz stockt uns der Atem. Dann: der durchdringende Geruch von Joints, Erleichterung. Wir sind mal wieder nicht die einzigen, die ihre Party hier ausklingen lassen.

Also raus aus den Klamotten, erst bis auf die Unterwäsche, dann, nach dem verstohlenen Blick zu den anderen, weg mit allem. Durchatmen, Anlauf nehmen, springen. Das Wasser wäscht den Schweiß ab, die Alkohol-Müdigkeit und die Enge der Stadt. Ich tauche prustend wieder auf und finde: Das hier ist der beste Moment des Sommers. Und jedes Risiko einer Anzeige wert.

Falls die Polizei doch vorbei kommt: Wir kennen die Fluchtwege.

Und du?

Noch mehr Früher:


Today

Melania Trump: Fünf Fakten über die Frau an Donalds Seite
"Er wird das tun, was er für richtig hält."

Melania Trump und ihr Ghostwriter hatten wohl keine große Lust darauf, eine originelle Rede vorzubereiten: Ihre Sätze auf dem Parteitag der Republikaner am Montag glichen an manchen Stellen fast eins zu eins einer Rede der jetzigen First Lady Michelle Obama.

Seht selbst: