Bild: Unsplash/Benjamin Robyn Jepsersen
Eine Analyse zeigt: Damit bin ich nicht allein.

Ich liege auf dem Bett, starre an die Decke. Alles tut weh, aber von innen. Ich bin 14 und habe das erste Mal in meinem Leben Liebeskummer. Mit dabei: Tom DeLonge von Blink-182. "Come on let me hold you, touch you, feel you", singt er in mein Ohr, und ist in diesem Moment der einzige, der mich wirklich versteht. 

"Always", der Song von Blink-182, und das dazugehörige Album erschienen im Jahr 2003. Damals war ich 12. Und trotzdem gibt es bis heute kaum eine andere Musik, die mich so berührt wie diese.

Pop-Punk war die Musik meiner Jugend. Seitdem hat sich mein Musikgeschmack weiterentwickelt, ich mag ruhigere Töne, komplexere Kompositionen, poetischere Texte. Die Musik, die ich im Alltag höre, hat mit dem trotzigen Geschrabbel von Blink und anderen nicht mehr viel zu tun. Und trotzdem bewegt mich kein einziges Lied von "The War on Drugs" so sehr wie "Always".

Dass ich damit nicht allein bin, hat jetzt eine Datenanalyse eines NY Times-Journalisten gezeigt. Er wertete Nutzerdaten aus, die Spotify ihm zur Verfügung gestellt hat. Dabei prüfte er, wie oft bestimmte Songs von Menschen aus bestimmten Altersgruppen gehört wurden – um zu sehen, wie alt die Nutzer waren, als ihre Lieblingslieder herauskamen. (NY Times)

Das Ergebnis: Am liebsten hören Menschen Lieder, die aus ihrer Pubertätszeit stammen. Bei Männern ist die prägendste musikalische Phase die zwischen 13 und 16 Jahren, bei Frauen zwischen 11 und 14 Jahren

Sicherlich ist der Grund dafür nicht, was Kulturpessimisten hin und wieder gern behaupten: Dass die Musik früher einfach besser war. Denn wenn ich ehrlich bin, waren die meisten Songs, die ich früher mochte, nach relativ einfachen Mustern gestrickt: Einfache Melodien, laute Gitarren und irgendein Mitte-20-jähriger Typ, der immer noch darüber singt, dass seine Mitschüler ihn nicht auf Partys einladen.

(Bild: imago/UPI Photo)

Wahrscheinlich liegt es eher an den Gefühlen. Denn diese Musik erinnert eben an den ersten Liebeskummer, bei dem man wirklich glaubte, man könnte daran sterben. Und an eine Zeit, die uns emotional prägt wie kaum eine andere.

Es ist die Zeit, in der man langsam vom Kind zum Erwachsenen wird. Vorher erstreckte sich unser Universum gerade so vom Pausenhof, Stadtpark und bis zum Abendbrottisch. In der Zeit zwischen 11 und 14 begreift man so langsam, dass das nur ein Bruchteil dessen ist, was wir Leben nennen. Man begreift, dass die Welt da draußen um einiges komplizierter ist, als wir bis dahin angenommen hatten. Und gleichzeitig steht man auf einmal vor der Aufgabe, in ihr einen Platz finden zu müssen.

Wie möchte ich leben? Wie möchte ich denken, wie möchte ich aussehen? Mit diesen Fragen setzt man sich vor und während der Pubertät das erste Mal wirklich auseinander. Und weil der eigene Erfahrungsschatz außer Hausaufgaben und Kindergeburtstagen zur Beantwortung dieser Frage im Zweifel nicht so viel hergibt, und weil die Gleichaltrigen in etwa genau so schlau sind wie man selbst, sucht man die Antworten eben woanders. Zum Beispiel in der Musik.

Und so schaute ich in dieser Zeit auf Avril Lavigne – die eine Krawatte über einem Unterhemd trug, nur mit Jungs rumhing und mal wütende, mal traurige Lieder darüber sang, wie kompliziert es manchmal mit anderen Leuten ist. Ich hörte Tom, Mark und Travis zu, wenn sie sangen, dass sie niemals zu den coolen Kids gehören würden – und dass sie das auch gar nicht wollen. Und wenn Chester Bennington sang, verstand ich, dass auch andere Menschen manchmal von Traurigkeit überwältigt werden.

Dass ihre Lieder mich so nachhaltig geprägt haben, liegt mit Sicherheit auch daran, dass ich in dieser Zeit viele Gefühle zum ersten Mal hatte.

  • Bright Eyes besangen den "First Day of my Life" nach einer Party im Jugendraum, wo ich das erste echte Herzklopfen wegen einer anderen Person hatte.
  • Dann die ersten richtigen Wutanfälle, bei denen es sich so anfühlt, als ob Green Day mit "American Idiot" eigentlich meine idiotischen Eltern meinen.
  • Und eben "Always", wenn es mit dem Typen aus dem Jugendraum doch nicht so läuft – und man das erste Mal erlebt, wie Liebeskummer einem das Herz zersetzt.

Auch wenn ich seitdem noch oft verliebt, wütend oder traurig war – die Momente, in denen diese Gefühle mich das erste Mal trafen, werde ich niemals vergessen. Und auch nicht die Lieder, die in diesen Momenten bei mir waren.

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Manchmal finde ich es ein bisschen traurig, dass ich heute keine Musik mehr finde, die mich so sehr bewegt wie mit 14. So, wie ich es manchmal auch ein bisschen traurig finde, dass sich Verliebtsein mit den Jahren nicht mehr ganz so aufregend anfühlt wie beim ersten Mal.

Aber 14 zu sein kann auch ganz schön anstrengend sein. Ich bin heilfroh, heute emotional gefestigter zu sein. Und wenn ich es doch mal möchte, kann ich die Gefühle von damals ja ganz einfach zurückholen – mit einem einzigen Druck auf "Play".


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