Es gibt neue Bücher mit neuen Abenteuern – aber anders, als du denkst.

Was wurde eigentlich aus Julian, George, Anne, Dick und Timmy, dem Hund?

76 Jahre ist es her, da erschien in Deutschland der erste Band der Jugendbuchreihe "Fünf Freunde", geschrieben von Enid Blyton. Sie gehört mit rund 700 Werken, darunter auch "Hanni und Nanni" und über 600 Millionen verkauften Büchern zu den kommerziell erfolgreichsten Jugendbuchautorinnen der Welt.

Doch Blyton starb 1968 – und die Freunde sind erwachsen geworden. 

(Bild: Riva-Verlag)

Der britische Autor Bruno Vincent erzählt ihre Abenteuer nun weiter. Sie sind nicht mehr ganz so aufregend, aber treffen genau das, womit sich alle auseinandersetzen, die gemeinsam mit den Freunden älter geworden sind: Jetzt sorgen sich die Fünf um den Brexit, um die Erziehung von Kindern, um den perfekten Lebensstil. 

"Fünf Freunde essen glutenfrei" und "Fünf Freunde werden Helikoptereltern" sind gerade auf Deutsch erschienen.

Wir haben Bruno Vincent gefragt, was sich bei den Fünf Freunden seit der Pubertät alles getan hat.

Hast du die "Fünf Freunde" schon als Kind verschlungen? 

Ich habe die Bücher als Kind mal gelesen, war aber kein großer Fan. Mit diesen fleißigen, redlichen und moralisch einwandfreien Charakteren konnte ich mich irgendwie nicht so identifizieren. Als Erwachsener versuche ich sie jetzt etwas weniger perfekt und realistischer darzustellen.

Wieso schreibst ausgerechnet du die neuen Bücher?

Ich könnte jetzt eine große Geschichte erzählen, wie mich edlem Künstler auf irgendeinem Berggipfel die Inspiration wie der Blitz getroffen hat. Wäre aber gelogen. In Wahrheit ist es in Großbritannien einfach gerade in Mode, alte Buchserien mit einem humoristischen Twist ins 21. Jahrhundert zu holen. Und weil ich ganz lustig schreiben kann, hat mich der Verlag gefragt.

Vincent Bruno

(Bild: Benjamin Brook)


War es schwierig Julian, Georgina, Anne und Dick in die Erwachsenenwelt zu holen?

Weil die Deadlines so knapp waren und ich die ersten fünf Bücher gleichzeitig abgeben musste, habe ich einfach die ursprünglichen Charakterzüge als Grundlage genommen und losgelegt. Nur Julian musste ich verändern. Ich glaube, Frau Blytons Julian wäre ein unglaublicher Langweiler geworden. Wahrscheinlich ein Banker, der ein Supermodel datet oder so. Das wollte ich mir dann doch nicht antun. Also habe ich ihn etwas weniger selbstsicher gemacht. 

Mein Julian ist ganz schön aufgeblasen, fühlt sich schnell angegriffen, ist schrill und äußerst fehlbar.

Also ungefähr so wie ich, wie mein Herausgeber kommentierte.

Ist Timmy, der Hund, auch noch dabei? 

Er ist sicher nicht mehr der Jüngste. Aber ich habe mal nachgerechnet und es passt: Wenn Timmy ein knappes Jahr alt war, als die Kinder zehn bis zwölf waren, könnte er durchaus noch am Leben sein, wenn die fünf Freunde in ihren Mittzwanzigern sind.

Brexit, glutenfreie Ernährung und Helikoptereltern – übst du mit den Büchern auch Sozialkritik?

Unser Ziel war es immer, die Absurditäten des Erwachsenenlebens durch die Augen dieser Charaktere zu sehen, die wir alle kennen. Ich sage bewusst 'unser', weil meine Herausgeber und ich uns die Themen gemeinsam ausgedacht haben. Ein paar Ideen kamen auch von meinen Eltern. Ich glaube, ich selbst habe mir nur einen oder zwei Titel ausgedacht!

Sich über das Erwachsenenleben lustig machen fällt leicht, oder?

Aber sicher! Gerade in düsteren Zeiten wie diesen kann das Lachen ungemein tröstlich sein. Hier in Brexit-Britain fühlt es sich manchmal so an, als wäre es das Letzte, was uns geblieben ist.

Gab es Reaktionen der alten "Fünf Freunde"-Fangemeinde?

Also, Hassbriefe habe ich nicht bekommen. Ich hoffe, die Fans waren dankbar dafür, dass Frau Blytons alte Werke neue Aufmerksamkeit bekommen haben.


Haben sich die Erben von Enid Blyton denn bei dir gemeldet?

Soweit ich weiß, hat eine Tochter kommentiert, die neuen Bücher klängen "herrlich grauenvoll". Das klingt nur fair. An ihrer Stelle hätte ich dasselbe gesagt.

Ist es schwierig, Enid Blytons Schreibstil nachzuahmen?

Überhaupt nicht. Weil sie gar keinen hat. Oder sagen wir lieber: Ihr Stil ist total schlicht und schnörkellos. Ganz bewusst übrigens, damit sich möglichst viele Kinder angesprochen fühlen. In ihren Büchern beschränkt sie sich nur auf Charakterbeschreibungen und Handlung. Ich habe versucht, bei dieser Formel zu bleiben und Comedy hinzuzumischen. Außerdem habe ich versucht, die Charaktere etwas weniger moralisch rüberkommen zu lassen, sie also nicht nur älter, sondern auch etwas gereifter darzustellen.

In Großbritannien sind bereits 13 "FF"-Bücher von dir in weniger als zwei Jahren erschienen. Kommt da noch mehr?

Das war es erst einmal. Die Arbeit war aufregend und lustig, aber nachdem ich 36 Buchentwürfe in anderthalb Jahren eingereicht habe, ist mein Gehirn Grütze. Das muss jetzt wieder entgrützt werden!

Die Bücher sind im Riva-Verlag erschienen: "Fünf Freunde essen glutenfrei" und "Fünf Freunde werden Helikoptereltern". Wenn du die Bücher über die Links bestellst, bekommt bento eine Provision.


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