Bild: Benjamin Eckert
Alle Puzzle fertig? Zeit für den nächsten Klassiker aus dem Spieleregal.

Freuzeit

Wer sich selbst und seine Mitmenschen nicht gefährden möchte, geht zur Zeit nur nach draußen, wenn es sein muss. Aber was macht man eigentlich, wenn man alle Serien durchgeguckt hat? In dieser Reihe sammeln wir Tipps und Hinweise, für die Freizeitgestaltung zu Hause. Ein unterschätzter Podcast, ein DIY-Projekt, ein Spiel, eine Buchreihe? Du hast eine gute Idee? Schreib uns an fuehlen@bento.de.

Heute empfiehlt Benjamin: endlich Doppelkopf lernen

Worum geht es?

Vier Spieler, ständig eine andere Partnerin und manchmal wird geheiratet: Keine neue Dating-App, sondern ein altes Kartenspiel, das eure vom Homeoffice geplagte WG wieder munter machen könnte. Das heutige Doppelkopf ist verwandt mit Skat, kommt ursprünglich aber vom Spiel "Schafskopf".

Auch heute noch lohnt es sich, den Tisch in der WG-Küche zur Spielarena zu erklären: Doppelkopf ist ein abendfüllendes Spiel für vier Spieler, notfalls geht es auch zu fünft. Nachdem ihr die ersten Hürden des Regelwerks genommen habt, werdet ihr mit Sicherheit den Reiz von "Hochzeiten", "Ansagen" und "Fleischlosen" erkennen. Und vielleicht ist das der Beginn einer wunderbaren Doppelkopfrunde, die auch nach dem Studium noch regelmäßig zusammen spielt.

Ein gar nicht so schlechtes Doppelkopf-Blatt.

(Bild: Benjamin Eckert)

Wie funktioniert das?

In jedem Spiel tun sich zwei Spieler in einer "Partei" zusammen. Die beiden Spieler mit der Kreuz-Dame bilden die "Re"-Partei, die anderen die "Kontra"-Partei. Das besondere am Doppelkopf: am Anfang wisst ihr nicht, wer euer Mitspieler ist. Erst im Verlauf stellt sich heraus, wer mit wem und gegen wen spielt – und das ändert sich in jedem Spiel aufs Neue.

Ihr benötigt ein doppeltes Kartenspiel mit französischem Blatt, also 48 Karten mit den Farben Kreuz, Pik, Herz und Karo. Jede Spielkarte (9, 10, Bube, Dame, König, As) ist dabei doppelt vorhanden – daher der Name Doppelkopf. Seid ihr zu fünft, setzt einer von euch immer eine Spiel aus und ist der "Geber". Das Blatt wird gut gemischt und dann kann es losgehen: Jeder von euch erhält 12 Karten.

Die Vorlage für den Doppelkopf-Spickzettel, eingerahmt für die Doppelkopfrunde des Autors.

Ein rudimentärer Doppelkopf-Spickzettel, eingerahmt für die Doppelkopfrunde des Autors.

(Bild: Jannick Fischer)

Jetzt kommt der Punkt, an dem ihr euch mit den Regeln vertraut machen solltet. Es gibt unzählige Regelvarianten und regionale Eigenarten. Die Turnierregeln des Deutschen Doppelkopf-Verbandes (DDV) sind sehr umfangreich, aber beinhalten alles was ihr wissen müsst.

Wir haben Spickzettel für euch gebastelt, die euch den Einstieg in das Spiel erleichtern. Ihr findet sie am Ende dieses Artikels. Ladet die Bilder einfach auf eure Handys oder druckt sie aus.

(Bild: Benjamin Eckert)

Das macht dir Spaß, wenn du ...

… dich mit deiner WG gerne in neue Spiele reinfuchst. Doppelkopf kommt zwar als altbackenes Kartenspiel daher, die erforderliche Taktik kann es aber mit modernen Brettspielen aufnehmen. Noch mehr Spaß habt ihr, wenn ihr schon Skat beherrscht. Dann ist der Einstieg nämlich ganz leicht. 

Wie lange kann ich mich damit beschäftigen?

Für immer. Nach ein bis zwei Abenden habt ihr die Grundlagen drauf. Später geht’s dann schneller: Doppelkopf kann beliebig viele Runden lang gespielt werden, aber zwei bis vier Stunden sollten es schon sein. 

Hilft es gegen Einsamkeit?

Ja – wenn ihr euch als WG noch ertragen könnt. Möchtest du lieber von deinem Zimmer aus mit Freunden außerhalb des Haushalts spielen, gibt es ausgereifte Apps für Smartphone und Tablet. Nach etwas Training kannst du dann nach der Corona-Krise selbstbewusst an den Doppelkopf-Turnieren in der Kneipe um die Ecke teilnehmen.

Die App "Doppelkopf HD" auf einem iPad.

Doppelkopf-Apps gibt es für Tablets und Handys.

(Bild: Benjamin Eckert)

Abschließende Punktebewertung:

Spaß: 5/5 – wenn ihr etwas Geduld mitbringt

Lernfaktor: 4/5 – endlich wisst ihr, dass die Trumpf-spielende Armutspartei immer mittel-hoch-tief rauskommt

Gemeinschaftsgefühl: 4/5 – vorausgesetzt ihr könnt alle gut verlieren

Social-Media-tauglich: 1/5 – euren Followern ist der Kult um Doppelkopf vermutlich noch nicht bewusst

Der bento-Spickzettel für Doppelkopf 1
Der bento-Spickzettel für Doppelkopf 2

Food

Widerstand snacklos: Solo-Grillen als Selbstermächtigung
Der Inbegriff der sozialen Distanz: ein Mensch, allein in der Wildnis, mit scharfem Metallwerkzeug und Feuer bewaffnet.

Wer älter als sechs Jahre und nicht gerade im Wahlkampfmodus ist, hat inzwischen wahrscheinlich anerkannt, dass die sozialen Isolierungsmaßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus zwar leidig, aber eben auch sinnvoll sind. 

Trotzdem tut es weh, Ausflüge, Familienbesuche, Partys und Dates absagen zu müssen. Und sich stattdessen vor keuchenden Joggern und hustenden Supermarktbesuchern in den eigenen vier Wänden zu verstecken und so die meiste Freizeit aus Furcht vor der Außenwelt drinnen zu verbringen. Mit Covid-19 zeigt die Natur – für viele Westler das erste Mal seit Langem – ihre gefährlichen Zähne. Und wir bleiben zurück: machtlos, verwundbar ausgeliefert. (bento)

Zum Glück gibt es ein uraltes Ritual, das dem Menschen schon seit Jahrtausenden ein Gefühl der Überlegenheit über seine direkte Umwelt gibt. Ein Ritual, das Machtgefühle nährt, Aggressionen abbaut, Raubtiere verscheucht, Wärme spendet und gleichzeitig einen ganzen Stamm mit Nahrung versorgen kann: Sachen anzünden und dann über den Flammen Essen rösten.