Bild: Imago Montage: bento
Und natürlich über den verschollenen Boris.

Die Hörspiele von Bibi Blocksberg gehören zu Deutschland wie Autobahnen ohne Tempolimit, Vollkorntoast oder ernstgemeinte Antworten auf Smalltalkfragen. Wir sind mit ihnen aufgewachsen. Eine ganze Generation hat mit den Geschichten von Familie Blocksberg gelernt, alleine einzuschlafen. 

Doch einer war nur kurz dabei: Boris, der kleine Bruder von Bibi. Nach sieben Folgen verschwand er.

Was ist mit ihm passiert? Bis heute blieb das Rätsel ungelöst.

Seit einigen Wochen gibt es neue Spuren von Bibis verschwundenem Bruder. Erst suggerierte ein mysteriöser Twitter-Account, neues über den verlorenen Sohn der Familie Blocksberg zu wissen. Selbst ein fiktives Jugendamt Neustadt brachte sich plötzlich ins Spiel. (bento)

Dann tauchte vergangene Woche ein neues Hörspiel auf (Folge 666), in dessen Verlauf engagierte Blocksberg-Fans aufgedecken wollen, was damals wirklich geschah. (bento)

Früher hätte "Aktenzeichen XY" oder die Sat1-Sendung "Bitte melde dich" nach Boris gesucht. Aber bislang ist einfach nichts passiert.
Jens Wiesner, Blocksberg-Fan und Journalist

Doch mit dem neuen Interesse an Boris tauchten auch dunkle Gerüchte auf. Was, wenn Bibis Bruder nicht, wie in den Hörspielen erzählt, an der Nordsee gelandet wäre, sondern in der Betty-Ford-Entzugsklinik oder auf einem dubiosen Krabbenkutter in Richtung China? (Nachzulesen auf borisraechtsich.de

Wir haben die Erfinderin von Bibi Blocksberg, Elfie Donnelly, gefragt, was sie von den vielen Ideen der Fans hält - und wie sie ihre Arbeit heute findet.

Wer ist Elfie Donnelly?

Elfie Donnelly wurde 1950 in London geboren. Die deutsch-österreichische Autorin ist vor allem für ihre bekanntesten Figuren Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen bekannt. Beide Serien erfand sie in den 70ern und 80ern. Die Hörspiele wurden bis heute millionenfach verkauft. 

Als Donnelly Ende der Siebziger die ersten Geschichten schrieb, war sie Ende zwanzig und lebte mit ihrem damaligen Mann, dem Löwenzahn-Moderator Peter Lustig, in Westberlin. Beide waren geprägt von den Nachwellen von 1968. Eine Zeit lang lebten sie ihre Ehe als offene Beziehung mit unterschiedlichen Partnern und Partnerinnen, beide suchten nach Spiritualität. 

Details, die vielen Bibi-Fans unklar sein dürften. 

Die ersten Folgen entstanden irgendwo zwischen Uni und autonomer Szene. Donelly sagt, ihre Geschichten hätten "immer politische Spitzen" gehabt. Es ging um militante Naturschützer und einen korrupten Bürgermeister. 

Davon ist heute wenig geblieben, längst schreiben Auftragsautoren die Serie fort, es geht eher um Pferdeferien als um Tierrechte. Und Donelly? Sie lebt heute auf Ibiza und arbeitet noch immer als Autorin.

Die Bibi-Blocksberg-Reihe würde sie heute übrigens anders gestalten – sie würde Bibi noch selbstbewusster machen.

Ddie Geschichte habe vor allem bewusst ein starkes Mädchen zeigen sollen, das sich Dinge traut. "Wir lebten damals in einer wilden Zeit und waren politisch sehr bewegt, aber im Rückblick finde ich Bibi Blocksberg fast ein bisschen zu zahm", erzählt Donnelly rückblickend. Das Rollenverständnis der damaligen Zeit würde sie heute nicht mehr vertreten.

Am Ende hat Bibi ihrem Vater doch noch oft zugestimmt.
Elfie Donnelly

Dabei ist der Vater, Bernhard Blocksberg, in Donnellys Geschichten ein "ziemlicher Versager", wie sie selbst sagt. Die ersten Folgen, die sie schrieb, sind davon geprägt, dass Bibi und ihre Mutter Fähigkeiten besitzen, die den beiden Männern der Familie fehlen. Allgemein können meist nur Frauen hexen. Kein Zufall, wie die Autorin immer wieder betont hat. Wenn man Donelly so sprechen hört, erinnert einen Bibi Blocksberg fast an eine andere Größe der Kinderliteratur: Pippi Langstrumpf, das stärkste Mädchen der Welt.

Auch deshalb gab es für Boris damals vielleicht nur wenig Platz.  

Mit ihrem heutigen Wissen würde sie die Serie anders schreiben, sagt die 68-jährige Autorin. Die Themen, mit denen sie die "Bibi Blocksberg"-Reihe begann, Fantasie, Engagement und Abenteuerlust, sind ihr bis heute wichtig.

Wie sie die Hauptfigur ihrer bekanntesten Reihe dann gestalten würde?

Junge Menschen heute haben viele Freiheiten und stehen doch viel stärker unter Druck als früher. Wenn ich so überlege, glaube ich, es gäbe immer noch viel zu erzählen.
Elfie Donnelly

Und wie sieht Donelly den Hype um Boris, so viele Jahre nach seinem Verschwinden? 

Die Geschichte des Fan-Hörspiels hat sie noch nicht gelesen, will es aber nach dem Gespräch bald nachholen. Die neuen Ideen interessieren sie. In vielen ihrer Sätze schwingt mit, dass sie die Aufregung und Detailversessenheit einiger Fans heute gleichermaßen erfreut wie belustigt. 

"Ich finde diese Kreativität der Fans großartig", sagt Donnelly. Von ihrer Seite haben sie keinen Ärger zu befürchten:

Ich werde ganz sicher keine Fans von Boris und Bibi Blocksberg abmahnen, die die Geschichte weiter schreiben, nein.
Elfie Donnelly, Erfinderin der Reihe

Dass Boris nach wenigen Folgen verschwand, sei eine kurzfristige Entscheidung gewesen, versichert Donnelly: "Boris und Bibi klangen einfach zu ähnlich. Außerdem sollte es in der Serie um ein starkes Mädchen gehen, deshalb entschieden wir uns gemeinsam kurzerhand dazu, die Geschichte noch einmal etwas zu ändern."

Heute könnte Donnelly eine solche Entscheidung gar nicht mehr selbst treffen. Die Rechte für die Reihe liegen seit Jahren nicht mehr bei ihr, sondern beim Verlag. Auch deshalb kann sie heute nur die Empfehlung aussprechen, die Fan-Geschichten als Kompliment anzunehmen und den Hörern und Lesern ihre Kreativität zu lassen:

Als Boris die Familie verließ, war er ja noch ganz klein. Er wäre heute ein ganz anderer, da bin ich mir sicher. Wer weiß, was den Fans noch alles einfällt...
Elfie Donnelly

Wie würde Boris heute leben? Wäre er Feminist? Hätte er einen Bierbauch? Und was wäre eigentlich sein Pendant zu Bibis "Hex-hex" und Benjamin Blümchens "Törööö"? 

Auch darüber haben wir mit Elfie Donnelly gesprochen. Was sie auf unsere Fragen geantwortet hat und wie sie sich das weitere Leben von Boris vorstellt, erzählen wir in Kürze.


Gerechtigkeit

Was Trumps Raketen-Drohung gegen Syrien bedeutet

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch einen Militärschlag gegen Syrien und seine Verbündeten Russland und Iran angekündigt. Nach der mutmaßlichen Giftgasattacke des syrischen Regimes auf die Stadt Duma hat Trump dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad zunächst verbal gedroht. (SPIEGEL ONLINE)