Bild: Capelight Pictures

Pfannenschläge, Babybrüllen und ein Familienoberhaupt, das immer mal wieder aus Versehen jemanden frisst: Wenn "Die Dinos" im Röhrenfernseher lief, wurde man im schlimmsten Fall ein wenig verstört, im besten Fall aber herrlich absurd unterhalten. Nun will eine Petition die US-Serie aus den Neunzigern zurückbringen (bento).

Die Geschichte spielt im Jahr 60.000.003 v. Chr., doch die Familie Sinclair hat alle modernen An- und Unannehmlichkeiten: Fernsehen, Make-up, Teenager-Problemen.

Klingt albern, aber die großen, grünen Puppen haben unserer Gesellschaft in fast jeder Folge den Spiegel vorgehalten.

Hier kommt zehnmal Gesellschaftskritik aus der Urzeithöhle:

1. Ein Vater kann keine Mutter sein.

Earl läutet im Vorspann jede Folge mit der Frage "Bin da – wer noch?" ein. Er ist der abwesende Versorger, der durch die moderne Lohnarbeit vom Leben seiner Familie abgeschnitten ist. Mit dem Zusatz "Wer noch?" versucht Earl nach jedem Arbeitstag, wieder Kontakt zu seiner Familie herzustellen. Doch das ist unmöglich: Er bleibt auf seine ökonomische Leistung reduziert und eine soziale Leerstelle in der Familie. Genial gefasst wird das im berühmten Satz des Babys, das Earl nicht als "Papa" benennen will, sondern bloß die Negation "Nicht die Mama" verwendet.

In der Slideshow – So feiern Fans "Die Dinos":

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2. Stereotype Werbung

Der Fernseher in der Küche ist bei den Dinos Leinwand für bissige Medien- und Gesellschaftskritik. Oft läuft die Glotze im Hintergrund, Hauptkonsument ist das Baby, das bald eine entsprechend unreflektierte Weltanschauung präsentiert: "Nicht die Mama" – das Fernsehen hat es gelehrt, was Mann und Frau sein können und müssen.

(Bild: Giphy )

3. Fortschritt bis in den Untergang

Earl arbeitet als Baumschubser bei dem Riesen-Konzern Treufuß. Der sorgt als Mega-Monopolist nicht nur für die Abholzung natürlichen Lebensraums, sondern baut auch Vergnügungsparks und kontrolliert die Energiegewinnung. Im Namen der Gewinnmaximierung ignoriert er soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit. In der finalen Staffel sorgt weder ein Komet noch eine natürliche Eiszeit für das Aussterben der Dinos – sondern eine Treufuß-Fabrik, die das Ökosystem ins Wanken bringt. Die Dinos reißen sich selbst in den Abgrund – lange bevor der Klimawandel zum Politikum wurde.

4. Der Herr und sein Lohnsklave

Die wohl eindrücklichste Figur der Dinos ist Earls cholerischer Chef: Mr. Richfield ist das einzige Gesicht, das die Angestellten mit dem Konzern Treufuß verbinden können. Und dieses Gesicht ist fürchterlich: Richfield brüllt, tobt und droht mit körperlicher Gewalt. Die modernen Lohnsklaven unter ihm haben jedes Recht auf Privatsphäre verloren – durch das Fenster in seinem Wohnwagen lauscht Richfield jedem Gespräch.

Dabei hat Richfield seine Position nicht durch Kreativität und fachliche Qualifikationen errungen, erklärt Earl: "Er hat seinen Chef gefressen." Sozialdarwinismus par excellence. Und die Löcher, die Richfields Hörner bei jedem Wutanfall in die Decke seines Wohnwagens bohren, zeigen an: Für den brutalen Triceratops geht es in diesem System nur weiter nach oben.

Auch deswegen macht derzeit ein durchaus treffender Vergleich die Runde:
Donald Trump is a Dinosaur!

I am personally not a fan. But whether you love him or hate him. You gotta admit Trump's resemblance to this triceratops is bizarre. #Trump #Dinosaurs #TheRealDonaldTrump Pls like & share on Yt too: https://www.youtube.com/watch?v=LQmbttoxUeE ---UPDATE 1) Glad to see people are enjoying my Trump/Dino vid! 2) Are we allowed to start our own hashtag? #DINOTRUMP 3) Please support my work: https://www.patreon.com/Orf

Posted by Matt Orfalea on Friday, October 21, 2016

5. Perfide Ausbeutung

Immer wieder werden bei den Dinos vermeintliche Verbesserungen eingeführt, die das Leben der Arbeiterklasse erleichtern sollen: Weil zu viele Dinos an Burnout leiden, erfindet der Staat zum Beispiel den Urlaub. Doch Earls zwei freie Wochen muss die Familie Sinclair im Treufuß-Vergnügungspark verbringen, in dem sogar der Toiletten-Gang zusätzliches Geld kostet. Ausspannen kann Earl außerdem vergessen – von allen Bildschirmen im Park brüllt ihm das Gesicht seines Chefs entgegen. Am Ende profitiert nur das Unternehmen von der Auszeit der Arbeiter.

6. Fatale Schönheitssymbole

Allen Mädchen in Charlenes Klasse wächst ein Schwanz – nur Charlene hat noch einen kleinen Stummel. Mit den mager ausgeprägten sekundären Geschlechtsteilen fühlt sich die oberflächliche Dino-Teenagerin unzulänglich, als heranwachsende Frau minderwertig - und bestellt sich kurzerhand eine Schwanzprothese. Wer denn behaupte, dass Aussehen so wichtig sei, fragt ihre Mutter. "Ja, die ganze Welt! Zeitschriften, Filme, das Fernsehen!", ruft Charlene verzweifelt.

(Bild: Giphy )

7. Technik statt Religion

Die Dinos feiern nicht Weihnachten, sie feiern das Eisschrankfest. An diesem Tag zelebrieren sie die Erfindung des Kühlschranks, die ihnen erstmals ermöglicht hat, sesshaft zu werden. Technischer Fortschritt tritt an die Stelle der Religion, Konsum ersetzt das Beten zu einer höheren Macht. Da Earls Chef aber die Festtagszulage streicht, wird ausgerechnet der Kühlschrank der Familie gepfändet – und die Sinclairs sind gezwungen, ihre Geschenke einzutauschen. Trotz ständiger Plackerei bleibt Selbstverständliches für die Dino-Familie Luxus, ihr Leben spielt sich immer am Rand des Existenzminimums ab – eine Lebensrealität, die viele Menschen-Familien teilen.

8. Tiefe Depressionen

Earl leidet mehr als einmal unter Depressionen, weil er seine Rolle als Versorger nicht erfüllen kann. Dann läuft er tagelang im Bademantel rum und bricht heulend in der Küche zusammen. Er erniedrigt sich selbst ("Ich bin ein Nichts, ich bin das Allerletzte") und fordert die Bestrafung durch seine Familie in Form von Bratpfannen-Schlägen durch das Baby: "Papa hat dir deinen ersten Eisschranktag versaut – schlag mich!" Earl verzweifelt an den Erwartungen der Gesellschaft, am klassischen Rollenbild – und ein einziges Mal hat sogar das Baby Mitgefühl und lässt die Bratpfanne stecken.

(Bild: Giphy )

9. Protestierendes Essen

Das Essen der Dinos lebt – und spricht mit ihnen. Dadurch entspinnen sich immer wieder Situationen, in denen die Dinos über ihre Ernährung und ihr Konsumverhalten nachdenken. Sohn Robbi wird durch das Schicksal der vom Aussterben bedrohten Appetitäffchen zum Vegetarier. Und sogar Vielfresser Earl stellt seinen sprechenden Mitternachtssnack mehr als einmal mitleidig zurück in den Kühlschrank.

10. Die Macht der Macho-Kultur

Chancengleichheit und Sexismus werden bei den Dinos immer wieder diskutiert. Am konsequentesten übt die Folge "Beruf Baumschubserin" Kritik am patriarchalen System – und zwar auf allen Ebenen: Nachbarin Monica hat Geldprobleme. Als sie sich als Baumschubserin in Earls Unternehmen bewirbt, stößt sie bei Chef Richfield wie Kollegen nur auf sexistische Vorurteile ("Sie haben aber eine schöne Handtasche"). Nur wegen einer Frauenquote wird sie trotzdem eingestellt, muss sich von da an aber mit Vorarbeiter Macho-Harris herumschlagen, der ihr eindeutige Anzüglichkeiten an den Kopf wirft. Als Monica es wagt, sich zu beschweren, wird sie entlassen, nicht Harris.

Sie klagt. Doch auch vor Gericht hat Monica keine Chance: Über ihr Anliegen entscheiden Machos wie Harris, die jeden seiner Sprüche bloß mit bewunderndem Schenkelklopfen quittieren. Monica hingegen muss peinliche Fragen zu ihrer Unterwäsche beantworten. Die einzige Empfehlung des Richters an Monica: "Sie sollten mehr Humor haben." Von Chancen-Gleichheit sind die Dinos weit entfernt, doch auch 25 Jahre später leider noch viel zu nah dran an unserer Lebenswirklichkeit.


Haha

Was Deutschland jetzt muss. Eine Antwort auf Björn Höcke

AfD-Rechtsaußenfreak Björn Höcke hat in Dresden eine Ruckrede gehalten. Irgendwas mit Preußen. Und vollständigem Sieg. Und weniger Gedenken an den Holocaust. (Die Rede ist eine gezielte Provokation. Was er gesagt hat, erklären wir hier.)

Was er auch gesagt hat: "Wir müssen nichts weniger als Geschichte schreiben." Wie immer, wenn uns jemand etwas vorschreiben will, sind wir natürlich vorbehaltlos dabei. Endlich wieder müssen! Lasst uns Geschichte schreiben! Wir wissen auch schon, wie.

Hier sind 30 Dinge, die wir jetzt ganz dringend müssen: