Bild: Stefan Erhard/ZDF
Leidenschaft, Lügen & deutsche Geschichte.

Mit "Ku'damm '56" konnte das ZDF vor zwei Jahren einen Überraschungshit landen. Jetzt geht die Geschichte um die ambitionierte Familienchefin Caterina Schöllack (Claudia Michelsen) und ihre drei Töchter weiter: Die dreiteilige Nachfolge-Serie "Ku'damm '59" steht in der ZDF Mediathek zum Streamen bereit. 

Ich geb's zu: Bei deutschen Serien bin ich erstmal skeptisch. Ich bin einfach schon zu oft reingefallen, um blind auf irgendwelche Hype-Züge aufzuspringen. Das deutsche Fernsehen hat in den letzten Jahren riesige Sprünge gemacht und ein paar echte Kracher produziert, leider gab es aber auch mindestens ebenso viele Rohrkrepierer.

Für jedes "Bad Banks" gibt es zwei andere deutsche Serien, die einfach nur unangenehm und altmodisch sind.

Zuletzt hat "Dark" gezeigt, welche Probleme die deutsche Serienlandschaft immer noch hat. Die erste deutsche Netflix-Produktion wurde monatelang gehyped. Am Ende kam dann ein seltsam unterkühlter Mix aus "Twin Peaks" und "Stranger Things" heraus, der unbedingt mit den US-Vorbildern mithalten wollte und dadurch für Fans des Genres viel zu vorhersehbar war. Meine Freunde glauben mir bis heute nicht, dass ich während der Pilotfolge das Ende der Staffel richtig vorhersagen konnte, ohne zu googeln. 

So sieht die neue Serie "Ku'damm 59" aus

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Unterm Strich sei es doch ganz okay gewesen, wird in solchen Fällen anschließend gerne gesagt. Also, für deutsche Verhältnisse. Für mich wirkt das wie die Teilnehmer-Urkunde unter den Kritiken. Eine glühende Empfehlung hört sich jedenfalls anders an. 

Und dann kommt „Ku'damm '59“ und zeigt, wie's richtig geht. Drei Jahre nach den Ereignissen des Originals scheint bei den Frauen der Familie Schöllack Ruhe eingekehrt zu sein – doch der Schein trügt. Denn das Kind, das Helga (Maria Ehrich) mit ihrem Mann (August Wittgenstein) großzieht, ist in Wahrheit die Tochter ihrer Schwester Monika (Sonja Gerhardt). 

Der alleinstehenden Monika mit ihrer Vorliebe für Rock'n'Roll traut niemand die Mutterrolle zu.

Außerdem benutzt Helga das Kind, um die Homosexualität ihres Mannes vor der Nachbarschaft zu verheimlichen. Als Monika beschließt, um das Sorgerecht für ihre Tochter zu kämpfen, beginnt die mühevoll konstruierte Fassade zu bröckeln.

Die Hauptdarsteller der Serie am Set in Berlin.(Bild: dpa)

Das spannende: Obwohl in „Ku'damm '59“ viel Seifenoper steckt, bleibt die komplexe Familien-Saga zu jedem Zeitpunkt spannend und stimmig. Das liegt vor allem am Setting. Die Geschichte der Schöllacks passt perfekt in die Zeit, die hier dargestellt wird.

Das Berlin der späten Fünfziger Jahre steht ganz im Zeichen des Aufschwungs. Alles ist farbenfroh und fröhlich. Die Erinnerungen an das dritte Reich werden langsam aber sicher zurück gedrängt. In diesem Berlin können und wollen die Menschen wieder glücklich sein. Und diesem Glück soll gefälligst nichts im Wege stehen. Was nicht ins Bild passt, darf nicht stattfinden. Und da dieses Bild hauptsächlich von älteren Männern bestimmt wird, sind starke Frauen ebenso unerwünscht wie uneheliche Kinder oder Homosexuelle.

Diese Geschichte könnte kein US-Sender so gut erzählen

In jedem anderen Umfeld könnte das Schöllack'sche Familiendrama konstruiert und unglaubwürdig wirken. In "Ku'damm '59" erscheint es nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich. Umso mehr fiebert man mit, wenn Monika um ihr Kind kämpft oder sich gegen die Anzüglichkeiten des schleimigen Regisseurs Moser (Ulrich Noethen) wehrt.

In diesen Momenten erinnert die Geschichte durchaus an Erfolgsserien wie  "Glow" oder "Good Girls Revolt", in denen ebenfalls starke Frauen gegen die Zwänge ihrer Zeit aufbegehren. Im Gegensatz zu anderen deutschen Serien bewahrt sich "Ku'damm '59" dabei aber einen ganz eigenen Stil, den wohl keine amerikanische Serie so zeigen könnte. 

Allein deshalb hat diese deutsche Serie mehr als einen Blick verdient.


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