"Deutschland sucht den Superflüchtling"

Eine deutsche Familie nimmt einen Flüchtling auf – selten war das Thema eines Kinofilms so nah dran an unserer politischen Gegenwart. Und selten hatte ein Thema wohl so ein hohes Fremdschämpotenzial. Das einzige, worüber die Deutschen schließlich noch weniger lachen können als Hitlerwitze, sind sie selbst.

Seit Donnerstag läuft "Willkommen bei den Hartmanns" in den Kinos.

Wir haben den Film gesehen und müssen sagen: Der Film ist witzig UND räumt mit einigen Vorurteilen auf.
Hier kannst du den Trailer ansehen:
Darum geht's:

Die gutbürgerliche Familie Hartmann entscheidet sich dafür, einen Flüchtling bei sich aufzunehmen. Wobei sich eigentlich nur Mutter Angelika (Senta Berger) dafür entscheidet. Vater Richard (Heiner Lauterbach) hält es zunächst für eine ganz schlechte Idee.

Am Esstisch wird gemeinsam mit den zwei erwachsenen Kindern Sophie (Palina Rojinski) und Philipp (Florian David Fitz) eifrig über das Für und Wider diskutiert. Es geht, wie es im Film heißt, um "Helfersyndrom" vs. "Arschlochsyndrom".

Wir haben uns drei Szenen aus "Willkommen bei den Hartmanns" herausgepickt, die zeigen, wie blöd manche Vorurteile sind:

1. Vorurteil: "Flüchtlinge nehmen uns die deutschen Frauen weg"

Die Familie Hartmann nimmt im Film schließlich den Nigerianer Diallo (Eric Kabongo) bei sich auf. Zeitgleich mit Diallo zieht auch die 31-jährige Tochter der Hartmanns wieder im Elternhaus ein. Schockiert fragt ein Freund des Vaters, ob er ernsthaft Frau und Tochter mit dem Flüchtling allein zu Hause lassen würde. Afrikaner hätten schließlich ein viel "temperamentvolleres und leidenschaftlicheres Gemüt".

Diallo aber ist ein zurückhaltender und neugieriger Mann. Er versteht nicht, wieso Sophia mit ihren 31 Jahren noch nicht verheiratet ist. Er möchte das ändern, zieht sich selbst aber gar nicht als Kandidaten in Betracht. Stattdessen versucht er, Sophia mit einem "starken Mann" zu verkuppeln. Also nichts mit Frauenklau.

2. Vorurteil: "Flüchtlinge sind alle Terroristen"

Diallo ist Muslim und aus seiner Heimat Nigeria vor Terroristen der "Boko Haram" geflohen. Deutschland ist seine Hoffnung auf Frieden. In dem Flüchtlingsheim, in dem Diallo zunächst untergekommen ist, gibt es einen Mann, der durch seine radikale Überzeugung und die Abneigung jeglicher westlichen Werte negativ auffällt. Dies missfällt bald den anderen Flüchtlingen, auch sein zweifelhaftes Verhalten im Internet fällt auf. Der Mann wird später festgenommen und abgeschoben.

Der mutmaßliche Terrorist ist im Film ein absoluter Einzelfall, der von anderen Flüchtlingen als unangenehm empfunden wird. Der Film sagt damit: Einzelfälle dürfen kein Grund sein, Hunderttausenden Menschen, die die gleiche Angst vor Terrorismus haben wie wir, die Chance auf ein friedliches Leben zu verwehren.

3. "Flüchtlinge haben ein falsches Frauenbild"

"Andere Länder, andere Sitten" – auf Diallo wirkt Sophia mit ihren zahlreichen abgebrochenen Studiengängen und fehlgeschlagenen Liebesbeziehungen "verwirrt". Sie erklärt ihm, dass Frauen in Deutschland selbst entscheiden können, ob, wann und wen sie heiraten wollen und dass das eben nicht so leicht sei.

Ebenso lernt Diallo die kleinen Unterschiede in der deutschen Sprache: Statt "eine Frau gehört dem Mann" heißt es "eine Frau gehört zu dem Mann". Man gehört "zusammen". Diallo stellt seine Fragen offen und möchte die Werte seiner neuen Heimat verstehen. Genau wie die Sprache, sind auch Werte etwas, das einen Lernprozess mit sich zieht.

Auch die Geschehnisse der Silvesternacht in Köln werden am Rande als Argument gegen Flüchtlinge thematisiert. Zudem erzählt Tochter Sophia von einer unangenehmen Belästigung von Männern nachts auf der Straße. Auf die Frage ihrer Mutter, ob es sich dabei um Flüchtlinge gehandelt habe, sagt Sophie lapidar:

"Keine Ahnung, es waren auf jeden Fall Arschlöcher."

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