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"Sie halten jetzt mal die Klappe!"

Am Montagabend war Laura Brodda als Kandidatin bei "Wer wird Millionär". Die 30-Jährige ist Bloggerin und betreibt einen Instagram-Account mit mehr als 75.000 Abonnenten. Sie ist es gewöhnt, kommentiert zu werden – doch was der während der Ausstrahlung der Sendung über sie hereinbrach, ist wohl auch für sie was Besonderes. 

Während Brodda bei Günther Jauch auf dem Stuhl sitzt, wird draußen gewütet: über ihren Beruf, über ihren Charakter, über die Antworten, die sie gibt. Bei Twitter schreiben Nutzer, Brodda sei "furchtbar nervig", "dumm" und wirke "wie eine 16-jährige Pubertierende".  

Man könnte jetzt sagen, so sei das Internet nun mal – Menschen kommentieren andere, und gerade Bloggerinnen die ins Fernsehen gehen, müssten damit doch umgehen können.

Doch wie die Leute auf diesen Auftritt in der Quizshow reagieren, ist vor allem eins: peinlich. 

Es ist eben ärgerlich, wenn die eigenen Vorurteile nicht bestätigt werden.

Der RTL-Zuschauer hat scheinbar eine genaue Vorstellung davon, wie eine Fashion- oder Modebloggerin zu sein hat: ein bisschen blöd, ein bisschen nervig und unsympathisch. Nur leider werden diese Vorstellungen nicht erfüllt. Denn entgegen der These, die sich im Laufe der Sendung auf Twitter durchsetzt ("Dummschwätzende Blödtussi!") ist Laura Brodda weder dumm – noch blöd.

Sie antwortet freundlich und witzig auf die Frotzeleien von Jauch, der, ganz nebenbei bemerkt, an der ein oder anderen Stelle dieser Ausgabe übrigens selbst so rüberkommt, als sei er nicht auf dem neuesten Stand – zum Beispiel, als er Brodda fragt, ob sie "Bibis Palace" kenne, obwohl er "Bibis Beauty Palace" meint.

Kennen Sie Bibis Palace?
Günther Jauch

Brodda sieht souverän darüber hinweg, erklärt, wie sie arbeitet, ohne Jauch für dumm zu verkaufen. Später reagiert sie höflich auf kritische Nachfragen zu Werbung und Sponsored Posts.

Was das Frage-Antwort-Spiel angeht, läuft bis zur fünften Frage alles wie immer: Jauch fragt, Brodda antwortet. Sie erkennt zwar nicht sofort, dass in "Schlamassel" die beiden Worte "Schlamm" und "Assel" stecken. Aber vielleicht würden das die Zuschauer, die sich darüber gerade ausgelassen lustig machen, in einem Fernsehstudio, in Deutschlands bekanntester Quiz-Show, bei all der Aufregung, auch nicht sofort erkennen.

Die Zuschauer geben nicht nach.

Als Brodda ein Einstecktuch hervorzieht und mit Jauch darüber diskutiert, welche Farben sich gut kombinieren lassen, geht es wieder los: Brodda solle nach Hause gehen, man solle ihr den Mund stopfen. "Typisch Modepüppchen", so der Tenor.

Immer wieder wird Brodda auf ihren Job reduziert – und dass der angeblich kein richtiger sei. 

Zur Erinnerung: Es handelt sich bei "Wer wird Millionär" um eine Unterhaltungs- und Gewinn-Show – und das, was Brodda hier macht, ist genau das. Unterhalten. Und gewinnen. 

Doch selbst Jauch langt immer wieder in die Klischee-Kiste. Als Brodda ihren Vater anrufen will, fragt er sie, ob sie denn Einzelkind sei? Gelächter im Publikum, Jauch verschränkt die Arme. Klar, wer sich mit Mode und Schminke beschäftigt, muss ein Einzelkind gewesen sein. 

Sind Sie Einzelkind?
Günther Jauch

Als Brodda sich mit dem Publikumsjoker unterhält, obwohl sie das laut Spielregeln nicht darf, fährt Jauch sie an: "Sie halten jetzt mal die Klappe!"

Klar, einer Frau, die sich beruflich mit Make-up beschäftigt, darf man schon mal so reingrätschen – oder was genau erlaubt Jauch, seinen Gast so anzumachen? Anstatt sich zu entschuldigen, erklärt er Brodda später lieber noch einmal übertrieben genau, wie gut sich Männer beim Thema Sport auskennen.

Die versammelten Twitter-Nutzer springen auf diesen Zug auf, machen Brodda fertig:

Am Ende steigt sie bei der 64.000-Euro-Frage aus. Gar nicht mal so schlecht – für eine Modebloggerin!

Und weil Laura Brodda offenbar weiß, dass ihr diese Kommentare egal sein sollten, findet man in ihrer aktuellen Story einen – angenehm lässigen – Post:


Gerechtigkeit

In Ägypten wird gewählt, doch die Jugend hat längst die Hoffnung verloren
Denn auch unter diesem Diktator wird nichts besser.

In Ägypten wird ein neuer Präsident gewählt. Und Ägypter unter 30 drehen sich nur noch genervt weg.

Von Montag bis Mittwoch haben rund 60 Millionen Wahlberechtigte Zeit, ihre Stimme abzugeben. Drei Tage – damit die Wahlbeteiligung möglichst hoch ausfällt. Das Regime vom ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi will es so. Eine niedrige Wahlbeteiligung wäre peinlich.

Denn: Eigentlich steht nur Sisi zur Wahl. Die Frage ist nicht, ob die Ägypter ihn wählen – sondern wie viele.