Bild: Netflix
Der ultimative Lifehack für die neue Netflix-Serie.

Die neue Netflix-Serie "Dogs of Berlin" fühlt sich an, wie ein zäher 10-Kilometer-Lauf nach einer Partynacht. Nach Kilometer 2 willst du am liebsten aufgeben, du weißt: Das wird heute eh nichts mehr. Aber wenn du es doch bis zum Ende durchgehalten hast, die Laufschuhe ausziehst, fühlt es sich plötzlich ganz gut an.

Außer der Tageszeitung "taz" waren sich alle Serien-Kritiker des Landes bei "Dogs of Berlin" einig: Es handelt sich um eine richtig schlechte Serie. Viel zu viele Erzählstränge, mit Klischees behafteteten Nazis und Araber-Clans, Rocker, gepaart mit Fußballspielen so schlecht animiert wie Fifa 96. 

Aber Achtung, Durchhalten lohnt sich – Folge 1 bis 7 musst du überstehen (oder dir einfach unsere Zusammenfassung weiter unten durchlesen). Ab Folge 8 geht es dann aber richtig los.

Nebensächliche Erzählungen sind abgehakt, es gibt doch noch ungeahnte Wendungen und Verfolgungsjagden besser als im Tatort. Das macht "Dogs of Berlin" noch lange nicht zu einem "Breaking Bad" – aber immerhin vergeudest du mit Folge 8, 9 und 10 weniger wertvolle Zeit, als wenn du auch noch 1 bis 7 guckst. 

Spoiler-Warnstufe rot

Wir haben dich gewarnt. Hier verraten wir alles. Wenn du die Serie oder den Film noch nicht gesehen hast und das noch vorhast, betrittst du diese Seite auf eigene Gefahr.

Was die letzten Folgen so besonders macht?

  • Die Drehbuchautoren zeigen, dass sie es doch schaffen können, sich auf Wesentliches zu konzentrieren. Zum Beispiel auf das Zusammenspiel der beiden Ermittler Kurt Grimmer (Felix Kramer) und Erol Birkan (Fahri Yardim). In einer Nacht müssen sie sich entscheiden: Verschweigen sie, dass sie den Mörder eines deutsch-türkischen Fußballstars kennen, um weiterhin einen Clan bekämpfen zu können. Oder halten sie sich ans Gesetz? Bester Dialog der Serie.
  • Eine Verfolgung auf engstem Raum, durch die eigene Wohnung – die Szenen sind so geschnitten, dass der Zuschauer sich fühlt, als versuche er mit Polizist Bikran vor den Handlangern des türkischen Familienclan Amir zu fliehen. Schafft er es am Ende wirklich dem Tod zu entkommen? Bester Action-Moment der Serie.
  • Es gibt einerseits absurde Überraschungsmomente bei "Dogs of Berlin" (Nazis treten Grimmer in den Schritt, er müsste längst bewusstlos sein, dann kommt raus: Er trägt einen Sackschutz) – und es gibt die, die der Serie eine ganz neue Wendung geben. Grimmers Geliebte arbeitet für seine Ehefrau, und hinter dem Mord des Profifußballers vebirgt sich keiner der Clans oder Gangs. Bester Aha-Moment der Serie.

Was du in Folge 1 bis 7 verpasst, wenn du einfach nur das Ende schaust: Nichts. 

Hier dennoch eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Der beste deutsche Nationalspieler Orkan Erdem wird tot aufgefunden. Ermittler Kurt Grimmer erkennt den Toten und versucht seinen Namen erst einmal geheim zu halten. Er befürchtet öffentliche Unruhen in Berlin.
  • Grimmer hat aber auch persönliche Interessen, er ist spielsüchtig und hat Wettschulden bei seinem kroatischen Anbieter Tomo Kovac (Misel Matiticevic). Auf das bevorstehende Spiel zwischen der Türkei und Deutschland setzt er wiederum Geld, um damit die alten Schulden zu begleichen.
  • Den Wetteinsatz hat sich Grimmer unter anderem von seiner Geliebten Biene Ludar (Anna-Maria Mühe) geliehen, die hat ein Alkoholproblem genauso wie Grimmers Ehefrau Paula (Katharina Schüttler). Die eine lebt mit ihren zwei Kindern in einer Plattenbauwohnung in Marzahn und arbeitet bei einer Telefonsex-Hotline, die andere wohnt mit den beiden Kindern und Grimmer in einem aufgeräumten Einfamilienhaus und arbeitet in ihrem eigenen Deko-Geschäft in Prenzlauer Berg. 
  • Später stellt sich raus, dass Grimmer unter Nazis ausgewachsen ist, Mutter Eva (Katrin Sass) und Bruder Ulf beteiligen sich an einer Kameradschaft – auch bei denen leiht sich Grimmer Geld für den Wetteinsatz.
  • Die "Soko Rote Karte" soll den Mord aufklären, aber Grimmer darf die Truppe nicht alleine leiten. Erol Birkan wird ihm an die Seite gestellt – aufgrund seiner türkischen Wurzeln. Birkan ist schwul, hat einen blonden Freund und einen homophoben Vater. Birkan wuchs im gleichen Viertel auf, in dem der Amir-Clan sein Unwesen treibt, er will sie unbedingt vernichten. 
  • Grimmer und Birkan verstehen sich zunächst überhaupt nicht – Grimmer und seine Truppe maskieren sich, überfallen Birkan und schlagen ihn zusammen.
  • Im Laufe der weiteren Ermittlungen gilt es herauszufinden, wie Nazis, Rocker, türkischer und kroatischer Clan in den Fall verwirkelt sind. Während der kroatische Clan sein Geld mit Wettspielen macht, sind es bei den Türken die Drogen. Doch nun wollen sie auch bei Spielwetten mitmischen.
  • Als die Medien erfahren, dass Orkan Erdem tot ist, geraten alle Parteien aneinander. Grimmer und Birkan versuchen die Berliner Unterwelt zu bekämpfen – aber greifen selbst irgendwann zu kriminellen Mitteln.

Am Ende zeigt "Dogs of Berlin" noch einmal, wie die Serie hätte richtig gut werden können. Indem es von allem einfach weniger gegeben hätte: Weniger Figuren, weniger Clans, weniger Klischees. 

So kann sich die Serie leider nicht entscheiden: Ist sie eine Persiflage auf Action-Movies oder ein ernst gemeinter Krimi mit hervorragenden Schauspielerinnen und Schauspielern.


Gerechtigkeit

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