Bild: Warner Bros.

Ich kenne keinen größeren Harry-Potter-Fan als mich selbst. Wirklich nicht.

Harry, Ron und Hermine haben mich beim Erwachsenwerden begleitet: Das erste Buch, das ich selbst gelesen habe, war "Harry Potter und der Gefangene von Askaban". Ich konnte einfach nicht mehr warten, bis mir meine Mutter abends vorlas, um zu erfahren, warum Sirius Black wirklich aus Askaban geflohen ist.

Einige Jahre später, an meinem elften Geburtstag, konnte ich meine heimliche Enttäuschung darüber, dass keine Eule aus Hogwarts ankam, so schlecht verbergen, dass mir mein Bruder einen selbstgebastelten Aufnahmebrief unter der Zimmertür durchschob.

Und noch heute hilft mir nichts so zuverlässig durch Lebenskrisen wie die vertraute Stimme von Rufus Beck, dem deutschen Leser der Harry-Potter-Hörbücher.

J.K. Rowling schaffte es, dass die Geschichte um den jungen Zauberlehrling mit den Büchern nicht nachließ, sondern mit Harry und seinen Lesern mit wuchs. Angeblich hatte Rowling das allerletzte Kapitel schon geschrieben, bevor 1997 der erste Teil in den Buchläden auftauchte. Als dann zehn Jahre, sieben Teile, und 4320 Seiten später, die Geschichte endete, war das seltsam schön. Ich war dabei, als es Harry gelang, die magische Welt vor Voldemort, dem personifizierten Bösen zu retten, und wurde nebenher selbst erwachsen. Um den perfekten letzten Satz der Reihe zu zitieren: "All was well." Alles war gut.

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Im November erscheint nun der erste Teil eines Potter-Spin-Offs, das uns in die magische Welt zurückbringen soll. Im Zentrum des neuen Films steht der Zauberer Newt Scamander, der als junger Schriftsteller 70 Jahre vor Harrys Schulzeit magische Kreaturen erforscht und dem aufmerksamen Harry-Potter-Leser als Autor des gleichnamigen Schulbuchs "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" bekannt sein sollte.

Bei einem Fan-Event gab J.K. Rowling nun bekannt, dass die "Fantastic Beasts" in fünf Teilen verfilmt werden soll. Ja, richtig gelesen. FÜNF Teile: "Wir wussten immer, dass es mehr als ein Film wird und sind erst mal von einer Trilogie ausgegangen", sagte Rowling. "Aber ich habe jetzt den Plot richtig ausgearbeitet und ich bin ziemlich sicher, dass es fünf Filme werden."

Dabei spielt nicht nur die Geschichte lange vor Harrys Schulzeit, auch das Setting ist neu: Statt in Großbritannien, bringen uns die Filme ins New York der Zwanzigerjahre. Clever, denn so standen Regisseur David Yates nicht, wie für Harry-Potter-Filme üblich, nur britische Schauspieler, sondern auch internationale Stars zur Verfügung. An der Seite des britischen Oscar-Preisträgers Eddie Redmayne spielen John Voigt, Ezra Miller und Colin Farrell.

Zugegeben, die Besetzung ist beeindruckend und der Trailer lockt mit großen Bildern.

Ich werde mir die Filme trotzdem nicht ansehen.

Wieso? Als der Postbote damals pünktlich um Mitternacht mit einem frischgedruckten Harry-Potter-Band klingelte, musste ich mich bis zu zwei Jahre gedulden, um zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht. Die Vorfreude war Teil der Potter-Euphorie. Dass die Zauberwelt noch viel mehr beinhaltet, als jemals zwischen zwei Buchdeckel passen könnte, war jedem Leser bewusst, und machte einen Großteil der Magie der Reihe aus.

Statt mir wöchentlich weitere Details aus Harrys Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verraten, wünsche ich mir, dass mich J.K. Rowling endlich wieder mit Harry alleine lässt. Stattdessen zerrt sie sogar die Hintergrundstory zu Schulbüchern aus unbeliebten Fächern wie "Pflege magischer Geschöpfe" als fünfteilige Blockbuster auf die Cineplex-Leinwände.

Reicht es nicht, dass ich, wenn ich wollte, eine Führung durch das Wohnzimmer der Dursleys im Wert einer halben Monatsmiete buchen könnte oder die Möglichkeit hätte, Selfies in Dumbledores Büro zu schießen? Muss Rowling mir im Screenplay "Harry Potter und das verwunschene Kind" wirklich Harry als mittelalten und überarbeiteten Beamten zumuten oder mir Kopfkino von Lord Voldemort beim Sex aufzwingen?

Offenbar ja. Rowling und die Harry-Potter-Event-Maschinerie versorgen mich zu allem Überfluss auch noch mit einem fünfteiligen Mega-Blockbuster, in dem das berüchtigte Zauberduell zwischen dem späteren Hogwarts-Schulleiter Albus Dumbledore und seinem heimlichen Schwarm, dem schwarzen Magier Gellert Grindelwald, 1945 thematisiert wird und entzaubern auch noch das letzte Detaill der Zauberwelt, mit der ich groß geworden bin. Damit sorgt J.K. Rowling dafür, dass Fans wie mir das Lieblingsbuch überdrüssig wird und die Magie der Buchreihe Stück für Stück verblasst.


Style

Danke, aber ich will nicht im Altbau wohnen
Wohnen ist mehr als das platzgerechte Unterbringen der Habseligkeiten.

Altbau ist alt, Altbau ist rar, Altbau ist schwer zu haben – und vereint damit alle Voraussetzungen, um als besonders wertvoll zu gelten. Altbau gehört in manchen Kreisen genauso dazu wie das minimalistische Messertattoo am linken Unterarm.