Bild: Wana Limar
YouTube trifft auf soziales Engagement, Schmink-Tutorials auf Spendenprojekte. Klingt nach Extremen? Für Wana Limar ist das Alltag.

Hauptberuflich trinkt sie als Moderatorin von MTV Style mit Tokio Hotel vor der Kamera Tabasco, sie tanzt mit rosa Einhorn-Hoodie durch die Straßen Berlins und zeigt in ihrer ganz eigenen Parkour-Challenge "krasse Stunts" – todesmutige Sprünge in Regenpfützen zum Beispiel (YouTube) – oder gibt Schmink-Tipps.

Nach Feierabend kümmert sich Wana Limar, 24, um Flüchtlingskinder. Seit drei Jahren ist sie Mitglied in der Hamburger Organisation Visions for Children e.V., ihre große Schwester Hila ist dort Vorstandsvorsitzende.

"Anfangs war es hart für mich, diesen Gegensatz zu vereinbaren", gibt Wana zu. Mit ihrer selbstironischen Art hat sie sich in kurzer Zeit eine kleine, aber feine und vor allem wachsende Fangemeinde aufgebaut. Aus Schmink-Tutorials macht sie Comedy, über die Männer und Frauen lachen. Etwa, wenn sie zeigt, wie sich deutsche Frauen schminken oder eben genau das nicht tun (YouTube).

"Grundsätzlich darf man sich über alles lustig machen, wenn man sich auch über sich selbst lustig macht", findet Wana, derzeit blond gefärbt. Das Video "Wie sich Afghanen schminken" ist da nur die logische Konsequenz. Wana hat verstanden, dass gerade der Mix aus Humor und Engagement funktioniert. "Ich kann eine Plattform schaffen, auf der ich durch Humor und Entertainment auf ernste Themen aufmerksam mache."

Das Thema Flucht liegt ihr auch deshalb so am Herzen, weil sie es selbst nur zu gut kennt: Ihre eigene Familie floh 1990 aus Afghanistan nach Deutschland. Ihre Eltern landeten nach einem Zwischenstopp in Tadschikistan in einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg. Wana war da noch ein Baby. Heute ist es für sie auch deshalb ganz normal, Kindern zu helfen, die in einer ähnlichen Situation groß werden wie sie selbst damals. "Das ist so eine Mischung aus persönlicher Erfahrung und gesundem Menschenverstand: Jeder muss etwas tun, damit sich etwas ändern kann", sagt Wana.

Belgrad ist eh das neue Berlin.
Wana Limar

Und sie tut so einiges: Bei Visions for Children e.V. unterstützt sie jugendliche Flüchtlinge, organisiert Projekte und moderiert Veranstaltungen. Auch beim Projekt WIRGEFÜHL ist sie dabei. Neben Promis wie Palina Rojinski und Thomas Kretschmann verleiht sie dort dem Begriff "Flüchtlingskrise" ein Gesicht und zeigt: Da geht es nicht nur um Zahlen, Probleme und Politik. Sondern um Menschen mit individuellen Biographien und Talenten.

Sich selbst und andere nicht immer so ernst nehmen, das gehört zu den Talenten von Wana. So wie in ihrem YouTube-Video, in dem sie in nur drei Minuten die schlimmsten Sprüche von Berliner Hipstern und allen, die gerne solche wären, auf den Punkt bringt. Mit bedeutungsvollem Blick sagt sie Sätze wie "Ach, Soho-House in Berlin ist auch lame", schwärmt von von Kimchi, veganen Burgern und Quinoa-Salat und weiß natürlich: "Belgrad ist eh das neue Berlin".

Das Drehbuch für die Satire über das Szene-Geblubber schrieb sie selbst, genauso wie für alle Videos, die auf ihrem YouTube-Kanal laufen. "Die meisten Leute denken, dass ich Texte bekomme und die einfach nur vor der Kamera aufsage", sagt Wana. Sie sei es gewöhnt, dass viele Leute sie anfangs unterschätzen. Mit ihrem Mix aus Selbstironie und Schönheit, Entertainment und Engagement passt sie in kaum eine Schublade.

Das zeigt sich auch auf Facebook. Dort postet sie ihre MTV Style-Videos und bittet kurz danach um Kleiderspenden. Sie feiert Jan Böhmermann und macht wenige später auf private Hilfsinitiativen aufmerksam.

(Bild: Wana Limar)

Bei ihren Fans und Followern kommt das gut an: Negatives Feedback bekomme sie fast nie, sagt Wana, ihr gehe es aber nicht um Bewunderung. "Ich will etwas bewegen und im besten Fall die Leute dazu bringen, selbst aktiv zu werden.“

Begeistert und fast stolz erzählt sie dann von einer 18-Jährigen, die durch sie auf Visions for Children e.V. aufmerksam wurde und nun ein Projekt in Afghanistan startet. "Es ist krass zu sehen, dass man so etwas bewirken kann."

Ihr Werben um Engagement im Netz wirkt nicht nach mahnendem Zeigefinger, sondern ganz selbstverständlich. Vor allem, wenn sie kurz danach ein selbstironisches Selfie postet.

so ist besser. #imtheshit #ishouldhavefebrezeonme

Posted by Wana Limar on Freitag, 8. Mai 2015