Bild: Amazon Prime Video
Würdest du dein Bewusstsein ins Internet laden, um dem Tod zu entgehen?

Spoiler-Warnstufe grün

In diesem Beitrag verraten wir ein bisschen was über die Serie, das Spiel oder den Film — aber eigentlich nichts, was dir den Spaß verderben könnte.

Der selbstverliebte Programmierer Nathan hat, nach amerikanisch-kapitalistischen Standards, wirklich alles: Eine reiche Freundin, tolle Haare und ein eigenes Tech-Startup. Blöd ist nur, dass Nathan stirbt, nachdem sein selbstfahrendes Auto einen LKW rammt. Einen Monat später feiert er aber schon wieder gemeinsam mit Freunden und Familie seine Beerdigung, live gestreamt aus dem Jenseits in die Kirche. Bitte, was? 

"Nathan ist jetzt im Himmel." – "In welchem?" 

Die Serie "Upload" spielt im Jahr 2033, aktuelle Technik- und Gesellschaftstrends werden dort gnadenlos durchgespielt: "Intel" stellt künstliches Fleisch her, die alles umfassende Werbeindustrie sponsort nun sogar Begräbnisse mit Geschenktüten. Und für einen Cappuccino im Jenseits muss irgendwer im Diesseits kräftig zahlen. 

Denn der Himmel liegt in der neuen Amazon Prime Serie "Upload" ganz selbstironisch auf den Servern großer Tech-Konzerne. Nathan lebt nach dem Tod in Lakeview weiter, einem besonders luxuriösen, virtuellen Jenseits-Programm – in das man vor dem Tod das Bewusstsein hochladen kann, um dem Nichts zu entgehen. 

Tot und trotzdem depressiv

Aber wieviel bleibt vom Menschen übrig, wenn man ihn in Einsen und Nullen verwandelt? In der skurrilen Pixelwelt voller sprechender Therapiehunde, auf Knopfdruck änderbarer Aussicht und Virtual-Sex-Suits droht Nathan, sich zu verlieren, weshalb ihm ein "Engel" zur Seite gestellt wird: Nora vom Tech-Support. 

Die soll erst einmal verhindern, dass der depressive Nathan sein virtuelles Leben in den Papierkorb schiebt, weil er sich so gar nicht mit dem Label "verstorben" abfinden will. Wie sollte er auch, wo er doch weiter denken und mit der echten Welt vor dem Bildschirm kommunizieren kann? 

Natürlich funkt es bald ein wenig zwischen den beiden attraktiven Hauptfiguren. Aus der Arbeitsbeziehung wird schnell etwas Tieferes – auch, weil früh Zweifel daran kommen, dass Nathans Tod wirklich ein Unfall war. Steckt da vielleicht mehr dahinter? 

Nora ist pleite, Single und hält "50 erste Dates" für den romantischsten Film aller Zeiten. 

Könnte das wirklich passieren?

Der russische Medien-Milliardär Dmitry Itskov (keine Figur in der Serie, sondern ein echter Mensch) würde übrigens gern der erste Upload der Welt werden. Weswegen er Forschungen unterstützt, die seinen Traum in den kommenden 30 Jahren Realität werden lassen sollen (BBC). 

Das ist ein ambitionierter Zeitplan. Erste Projekte, die "digitale Abbilder" von Menschen erzeugen sollen, sind bisher nur auf dem Stand besserer Chatbots. Bis die Technologie tatsächlich soweit ist, Bewusstsein zu simulieren, könnte es noch dauern. Zukunftsforscher Glen Hiemstra schätzt, dass wir eher ein paar Jahrhunderte als ein paar Jahrzehnte davon entfernt sind (Geekwire).

Andererseits: Um gute Musik zu genießen, muss man ja auch nicht die Lieblingsband oder gar ein Orchester zu sich einladen, sondern kann einfach eine Tondatei abspielen, in der das Wesentliche eingefangen ist. So zumindest argumentiert der Neurowissenschaftler Ed Lake, dass die Umsetzung des menschlichen Bewusstseins in Dateien zwar schwierig werde, aber dennoch keineswegs unmöglich (Aeon). Man müsse eben nur erkennen, was denn das Wesentliche im Menschen sei. 

Die Konsequenzen einer solchen Technologie wären allerdings mehr als extrem: Denn wie würde es die Gesellschaft verändern, wenn tote Ehemänner beim Date mit dem neuen Freund jederzeit auf dem Handy ihrer Witwe anrufen könnten? Oder, wenn verstorbene Kinder zwar auf dem Computer ihrer Freunde und Eltern weiterlebten, aber eben auch auf ihrem Entwicklungsstand stehenblieben und niemals erwachsen würden? Ein Szenario, dass so auch in "Upload" thematisiert wird. Manchmal ist die Serie dabei subtil und feinfühlig, sogar melancholisch – gelegentlich explodieren aber auch einfach Köpfe. 

Nathans Beerdigung wird live gestreamt und mit einer großen Party gefeiert. 

(Bild: Amazon Prime Video)

Verantwortlich für das schwarzhumorige Drehbuch zeichnet sich Emmy-Gewinner Greg Daniels, der schon "The Office" und "Parks & Recreation" zum Leben erweckte. Daniels schafft es auch in diesem Zukunftsszenario allerlei Gesellschaftssatire unterzubringen. Etwa, wenn es um bekloppte Schönheitsideale geht und sich Nathans Freundin nach der Beerdigung erst einmal die "Schulterblätter schärfen" lässt. Nach Botox- und Stammzelltherapie keine so unglaubwürdige Vision für die Zukunft. 

Vor allem aber ist "Upload" eine Generalkritik an den Tech-Konzernen und dem Glauben, sämtliche Probleme der Menschheit ließen sich durch deren gewinnorientierte Geschäftsmodelle lösen. Nach allem, was man inzwischen über das Gebaren von Facebook, Google, Amazon und Co. weiß: Würde man diesen Firmen wirklich das Leben nach dem Tod anvertrauen wollen? 

Witzig, dass gerade Amazon uns mit dieser Serie daran erinnert. 

"Upload" ist ein Amazon Original und aktuell nur dort verfügbar. Es gibt zehn Folgen (zwischen 30 und 50 Minuten), eine zweite Staffel wurde gerade angekündigt. 🛒Hier kannst du es dir ansehen. (Affiliate-Link: Wenn jemand auf diesen Link klickt und das Produkt in dem Online-Shop tatsächlich kauft, bekommen wir in manchen Fällen eine Provision. Produktbesprechungen erfolgen jedoch rein redaktionell und unabhängig.)


Gerechtigkeit

In Weißrussland wird Corona totgeschwiegen – nun wehren sich junge Aktivistinnen und Aktivisten
Wie Nadzeya, Anton und Daniil eigene Coronahilfen organisieren.

In Weißrussland ist die Welt noch die alte. Zumindest, wenn es nach Staatschef Alexander Lukaschenko geht. Seit Beginn der weltweiten Coronakrise setzt er auf Verharmlosung und Verleugnung, bezeichnete die Angst vor der Pandemie als "Psychose" und riet zu Wodka, Sauna und Traktorfahren.

Tatsächlich wurden in Weißrussland mittlerweile 146 Coronatote und 25.825 Infizierte gemeldet (Stand 14. Mai, Worldometer). Trotzdem gibt es in dem kleinen osteuropäischen Land weder Quarantäneverordnungen noch Verbote für Massenveranstaltungen. Die Fußballspiele der unterschiedlichen Ligen fanden bis Mitte Mai weiter statt, die Grenzen des Landes sind offen, ebenso Cafés oder Kinos. Ende April, während des kollektiven Frühjahrsputzes "Subbotnik", an dem samstags freiwillig und unentgeltlich gearbeitet wird, versammelten sich fast 2,3 Millionen Menschen (BBC). Die Militärparade am 9. Mai zum Tag des Sieges über Nazideutschland wurde zur landesweiten Machtdemonstration Lukaschenkos (SPIEGEL).

Das Regime in Weißrussland behauptet, alles im Griff zu haben

Diese Sorglosigkeit hat Folgen. Menschen werden infiziert und brauchen medizinische Hilfe. Obwohl die Regierung bei offiziellen Briefings behauptet, dass der Schutz von Ärzten Priorität habe und Mediziner über genügend Schutzmittel verfügten, sieht die Realität anders aus. Es gibt selbst in Krankenhäusern nicht genügend Masken oder Antiseptika.