Bild: Netflix
Wer hier NICHT weint, sollte einen Arzt aufsuchen.

Wenn man nach einem genialen Film den Fernseher ausschaltet, klingt er vielleicht noch ein wenig im Kopf nach. Man denkt den Rest des Abends darüber nach, lacht, weint, rätselt – und vergisst. Nach der neuen Netflix-Dokumentation "Unser Planet" aber, will man sein Leben umstellen, auf Fleisch und Palmöl verzichten, das Auto verkaufen und sich freitags mit den demonstrierenden Jugendlichen in die Städte stellen, damit die letzten Naturwunder der Welt überleben können. 

Denn die Serie zeigt mit wunderschönen, teilweise unfassbaren Bildern, einen Planeten, dessen Ökosysteme ins Wanken geraten sind. 

Netflix' "Unser Planet" macht kein Geheimnis daraus, wer Schuld daran ist: wir Menschen.  

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Statt bloß auf die Tränendrüse zu drücken erklärt "Unser Planet", wie die vielen Systeme zusammenhängen und Kreisläufe entstehen. Die Doku zeigt, wie der Mensch mit seinen Entscheidungen immense Auswirkungen hat.

Ein Beispiel: Die Jagd auf das "Buschfleisch" der Gorillas gefährdet nicht nur deren Bestand. Denn die Menschenaffen sind auch die "Gärtner" des Regenwalds: Sie sorgen dafür, dass Saat verteilt wird. Sterben die Affen, stirbt der gigantische Wald – was wiederum das Klima beeinflusst. Denn der Wald nimmt nicht nur CO2 auf, er kühlt den Planeten ab. Das Waldsterben verstärkt also doppelt das Schmelzen des Packeises, was wieder Meeresströmungen beeinflusst und in weit entfernten Regionen die Fischbestände vernichtet und das Wetter verändert. 

Kleine Taten, große Auswirkungen

Die Dokumentation veranschaulicht Umweltprobleme, macht sie verständlich, ohne platt zu sein. Man begreift, auch ohne Studium, was gerade falsch läuft – und, wer wirklich davon betroffen ist. Die Opfer so abstrakter Daten wie "2 Grad Temperaturanstieg" oder "Palmöl zerstört den Regenwald" bekommen ein Gesicht und eine Stimme. 

Netflix gibt die Serie für Lehrende an Schulen und Unis mit einer Sondergenehmigung frei. Ein trockenes Schulprogramm ist sie trotzdem nicht. Die Doku bringt zum Weinen, Lachen und sogar Schreien. (Wer den Babyflamingo mit Salzkristallen an den Füßen das erste Mal sieht, weiß, wovon wir reden).

Das ist der Trailer zur Serie: 

Es erzeugt ein schauriges Gefühl, die Tiere auf den gestochen scharfen 4K-Bildern zu beobachten. Denn eines macht die Doku unmissverständlich klar: Alle, die gezeigt werden, könnten innerhalb der nächsten zehn bis zwanzig Jahre ausgerottet sein. Die smarten Orang-Utan Babys ebenso wie die Korallenriffe, die schwimmenden Elefanten ebenso wie die Eisbären.

"Unser Planet" rüttelt wach und sagt, was für Individuen und Politik zu tun ist, um Verschmutzung, Erwärmung und Zerstörung aufzuhalten.

In Folge vier wird gezeigt, wie auch kleine Schutzgebiete in Asien und den USA dafür gesorgt haben, ganze Meeresabschnitte wieder zu stabiliseren. "Wir müssen ein Drittel aller Küstenabschnitte in echte Schutzgebiete umwandeln", fordern die Filmemacher.  Das ist eine der vielen politischen Forderungen.

Sir David Attenborough. 

(Bild: Netflix)

Gemeinsam mit dem World Wildlife Fund (WWF) lädt das Team hinter "Unser Planet" Zuschauende im Abspann nach jeder Folge auf die Website ourplanet.com ein, um dort über internationale wie individuelle Kursänderungen nachzudenken. Von der Ernährung bis zum Möbelkauf ermutigt die Naturschutzorganisation das Konsumverhalten zu ändern.

Hinter der Netflix-Eigenproduktion steckt das Emmy-gekrönte Team der Doku "Planet Erde" von 2007. Auch in "Unser Planet" werden die Bilder begleitet von der Stimme des Naturfilmers Sir David Attenborough. Bei der Premiere der Doku am Donnerstagabend in London, zu der auch Prinz William und Prinz Harry erschienen, mahnte Attenborough:

Die Entscheidungen, die wir in den nächsten 20 Jahren treffen, werden unseren Planeten für Tausende Jahre verändern.

In seiner britischen Heimat hatte Attenborough nach Erscheinen der gleichnamigen Doku den "Blue Planet"-Effekt ausgelöst. Sowohl bei Verbrauchern als auch im Parlament änderte sich nach der Ausstrahlung der Dokumentation drastisch die Einstellung gegenüber Plastikmüll in den Ozeanen. Die Serie wird als Schlüsselfaktor im britischen Kampf gegen Plastik gesehen. (Guardian

Ob "Unser Planet" einen ähnlichen Effekt haben wird? 

Alle acht Folgen sind vom 5. April an auf Netflix verfügbar. 


Streaming

Zirkusschlange und Kleiderstange: Die neunte Folge von GNTM im Speed-Check

Wenn man Spaß hat, vergeht die Zeit wie im Flug. Wenn man "Germany's Next Topmodel" guckt, vergeht die Zeit wie bei einem Flug von Frankfurt nach Los Angeles, bei dem das Kleinkind aus Reihe 5 einfach nicht aufhören will zu schreien. 

Die 14. Staffel ist mittlerweile 9 Folgen alt. 15 sind es insgesamt. Es ist also bald geschafft! 

Was in Folge 9 von GNTM 2019 alles passiert ist, kannst du hier in unserem Speed-Check nachlesen.

Die Schnellzusammenfassung: 

In dieser Woche holt sich Heidi Klum Unterstützung von Entertainment-Gott Thomas Gottschalk. Die Kandidatinnen sollen auf der Bühne vor einem Live-Publikum eines ihrer Talente vorstellen. Bei den ersten Kandidatinnen macht sich Panik breit. Einige behaupten sogar, sie hätten kein Talent, Thomas Gottschalk überzeugt sie vom Gegenteil.

Bevor es aber vors Publikum geht, müssen die Kandidatinnen erst einige Castings und Shootings absolvieren. Mit dabei: Schlangen. Und Simone, die von ihren Mitstreiterinnen unterschwellig mit ihnen verglichen wird.

Der Dialog, der alles sagt:

Justine läuft mit leicht gequältem Gesichtsausdruck über den Catwalk. Heidi findet das nicht so gut:

"Dieser Spaß, den kann ich immer nicht erkennen. Das sieht aus wie Pflichtarbeit bei dir."

"Aber ich HABE Spaß." 

Der emotionale Tiefpunkt:

Während des Shootings wird es schlagartig still. Ist mein Fernseher kaputt? Ich greife panisch zur Fernbedienung. Bevor ich einen der Knöpfe drücken kann, schaut Heidi schockiert in die Kamera – und spricht. Der Ton ist wieder da. Aber was ist passiert? Der Fotograf schreit nicht rum, wie er es sonst immer tut, sagt Heidi. Es bedrückt sie. Die Stimmung kippt. Kandidatin Lena begeistert einfach nicht. Tränen fließen.

Der emotionale Höhepunkt: 

„Melancholic Paradise“ von Tokio Hotel ertönt zum 500. Mal in dieser Staffel und Simone überwindet mal wieder verdächtig schnell ihre Ängste.

Der empowerndste Satz: 

"Auch eine Vanessa kann an irgendetwas scheitern – ich weiß aber noch nicht, woran." – Vanessa

Die überraschendste Erkenntnis: 

Männer sind Dompteure und Frauen sind "sexy Dompteurinnen". 

Das schönste Product-Placement: 

Das Shampoo, das für Thomas Gottschalks seit über 30 Jahren perfekt sitzende Mähne verantwortlich ist.

Wer fliegt als Nächstes raus: 

Lena. Am Anfang noch eine der Favoritinnen, in Woche 9 DIE Wackelkandidatin. Und das zu Recht – wer ein Lied von Britney Spears so verunstaltet, sollte am besten noch gestern im Flieger nach Deutschland sitzen. 

Wer kommt aufs Cover der deutschen Harper’s Bazaar: 

Keine der Kandidatinnen konnte in dieser Woche so richtig überzeugen. Wer sicher nicht aufs Cover kommt, steht dagegen schon fest: Justine. Die musste ihre Perücke nehmen und die Villa verlassen. 

Drama-Faktor: 

2/10. Die üblichen Verdächtigen haben Tränen vergossen, geschlagen wurde auch niemand und Simone hat mal wieder eine Angst besiegt. Eine Folge, die sich als Einschlafhilfe eignet. 

Gesamtwertung: 

2/5. Trotz Bühnenperformance der Kandidatinnen, einer etwas zu selbstsicheren Vanessa, ein paar Schlangen, die lieber irgendwo anders gewesen wären, und Thomas Gottschalk, reicht es nicht einmal für die Hälfte der Punkte. Das geht besser. 

Die offene Frage: 

Wurde das Livepublikum von Heidi bezahlt oder erpresst?