"Unsane - Ausgeliefert"

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Der experimentelle Psychothriller

Regisseur Steven Soderbergh ist zurück und meldet sich mit seinem experimentellen Psychothriller "Unsane - Ausgeliefert", der komplett auf iPhone 7+ Kameras gedreht wurde. Es ist verlockend, den Film als "iPhone-Film" zu verschreien, doch die durchdachte Geschichte überzeugt:

In Boston ist Sawyer Valentini (Claire Foy) zum Stalking-Opfer geworden, weshalb sie umgezogen ist, ihren Job und Bekanntenkreis gewechselt hat. Trotzdem holt sie ihre traumatische Vergangenheit immer wieder ein und so beschließt sie, einen Therapeuten aufzusuchen. Ohne ihre Zustimmung wird sie jedoch in die Heilanstalt Highland Creek eingewiesen, wo strikte Regeln herrschen und jeglicher Kontakt zur Außenwelt verboten ist. 

Sie lernt dort die Patienten Violet (Juno Temple) und Nate (Jay Pharoah) kennen, die für Unbehagen bei Sawyer sorgen und als wäre das nicht schlimm genug, meint sie ihren schlimmsten Feind in Mitarbeiter George Shaw Joshua Leonard) zu sehen. Sie findet, er sieht ihrem Stalker zum verwechseln ähnlich, doch niemand glaubt ihr und langsam zweifelt Sawyer auch selbst an ihrem geistigen Zustand. Kann sie noch Realität und Illusion auseinanderhalten?

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Der iPhone-Film

Regisseur Soderbergh ist für seine außergewöhnlichen Kreationen bekannt ("Logan Lucky", "Ocean’s Eleven") und hat dieses Mal nicht nur die Regie geführt, sondern die iPhones auch selbst gehalten und den Schnitt übernommen. Somit hat er seine persönliche Note noch viel stärker unterstrichen. Verschiedene Objektive - vor allem die Benutzung der FishEye-Optik - und tiefe Bilder unterstützen die Handlung, indem die klaustrophobische Atmosphäre der Klinik dargestellt wird.

Die Positionierung kopfüber, frontal oder auch mal in der hintersten Ecke des Raumes arbeitet auf der einen Seite den angesprochenen Voyeurismus, auf der anderen Seite die sich aufbauende Paranoia der Hauptfigur heraus. So steht die Filmtechnik keinesfalls im Vordergrund, sondern arbeitet mit der Handlung Hand in Hand und lässt vergessen, dass der Film "nur" mit iPhones gedreht wurde.

Wenn man nicht mehr weiß, wo oben und unten ist:

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Die Hauptrolle

Claire Foy ist vor allem durch "The Crown" als Königin Elisabeth II. bekannt und zeigt in "Unsane", was für eine wandelbare Schauspielerin sie ist. Ganz im Gegenteil zu Königin Elisabeth II. ist Sawyer manisch, ängstlich und impulsiv. Um ihr Trauma mit ihrem Peiniger endlich überwinden zu können, muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen, damit sie ihrem (selbst erbauten) Gefängnis entfliehen kann.

Wem kann Sawyer trauen?:

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Die unverkennbare Unterschrift des Regisseurs

Steven Soderbergh hat sich selten an die typischen Normen der Hollywood-Blockbuster gehalten und wird eben deshalb geliebt! Vor allem mit "The Knick" hat er ein Tv-Mammut-Projekt gestartet und auch seine Serie "Mosaic" ist ein besonderes Sahneschnittchen: Hier wurde das Drehbuch in die Hände der Zuschauer gelegt, indem sie mit Hilfe einer App die Handlung beeinflussen konnten.

Obwohl "Unsane" dieses Mal nicht ganz der Optik von Soderbergh entspricht, erkennt man seine typische Handschrift trotzdem!

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Die Verknüpfung zur #MeToo-Debatte

Nicht zum ersten Mal nimmt Soderbergh das Gesundheitssystem ins Visier und befasst sich nach "Side Effects" erneut mit den gesellschaftlichen Auswirkungen des Kapitalismus. Dieses Mal macht er das Thema sexuelle Gewalt deutlich spürbar und dockt damit direkt an die # MeToo-Debatte an. Gerade Claire Foys Rolle als die traumatisierte Sawyer ist bezeichnend, denn der Zuschauer ertappt sich selbst dabei, wie er dem ruhigen, mutmaßlichen Stalker Vertrauen schenkt und Sawyer als hysterisch, gar geistig verwirrt ansieht. Ist sie das tatsächliche Opfer?

Wem werdet ihr glauben?:


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