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"Es ist da wie das Oktoberfest in traurig."

Heroin und Opium boomen wieder. Die Droge bestimmt das Leben von Millionen Menschen. Bauern, korrupte Cops und Politiker, Kuriere und Süchtige bilden ein internationales Netzwerk, das nur wenige durchblicken. (Zeit)

Der Fernsehreporter Thilo Mischke hat die Fährte des Heroins aufgenommen zeigt in seiner Doku-Serie "Uncovered", wie lebenszerstörend Heroin sein kann – und dabei gleichzeitig die Weltpolitik mitbestimmt. 

bento hat mit Thilo übers Opiumrauchen, sichere Herkunftsländer und die "Hölle auf Erden" gesprochen.  

Thilo, du warst für deine Recherche zuerst in Afghanistan. Warum?  

Thilo: Afghanistan ist einfach der naheliegendste Ort. Rund 80 Prozent der weltweiten Opiumernte kommt von dort. Seitdem sich die westlichen Soldaten dort aus einigen Regionen zurückgezogen haben, steigt die Produktion wieder stark an. Es hat mich selbst überrascht, wie wichtig das Heroin für den politischen Zustand des Landes ist. 

Ich dachte immer, der Krieg in Afghanistan ist ein geopolitischer, mit dem man irgendwie den Islam und die Taliban im Zaum halten will. Aber dann siehst du, wie sehr die Völker und Stämme dort vom Anbau der Pflanze abhängen, weil in dem staubigen Land gar nix anderes wächst. Dafür kämpfen sie, nicht gegen irgendwelche westlichen Werte. Sondern für ihr Recht, Opium anzubauen.

Das Land hat selbst große Probleme mit Heroinmissbrauch, oder?

In Kabul war ich an einem Ort, den ich auch als Atheist nur "die Hölle auf Erden" nennen kann. Eine Brücke, unter der jeden Tag 5000 Männer Heroin spritzen oder Opium rauchen. Es ist da wie das Oktoberfest in traurig. Du sprichst dort mit den Leuten und neben dir blutet jemand aus den Händen, einer macht sich in die Hose, weil er sich nicht mehr kontrollieren kann. Das macht das Heroin. 

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Was macht das mit dem Land? 

Das Land ist kaputt, die Leute sind entwurzelt. Und was machen sie, in einem Land, in dem Alkohol verboten ist, um ihren Schmerz zu betäuben? Viele, die wir zurückschicken, werden dort abhängig vom Heroin. In Afghanistan sind fast zwei Millionen Menschen heroinsüchtig, das sind über 5 Prozent. 

Als wir da gedreht haben, ging in der Nähe eine Bombe hoch, bei der einige Journalisten starben. Es ist lächerlich, das Land als "sicher" einzustufen und Asylbewerber dorthin zurückzufliegen. Ich habe mich noch nirgendwo so unsicher gefühlt. 

Wie kommt das Heroin dann aus Afghanistan raus? 

Es wird von Kurieren in Lastern über den Iran und über Tadschikistan verschickt. In Tadschikistan wurden wir von so Regierungsleuten begleitet, die uns ein heroinfreies Land präsentieren wollten. Als die Kamera aus war, haben sie alles bestätigt: Die Polizei vertickt an der Grenze konfisziertes Heroin einfach selbst weiter. Und alle verdienen daran, vom Grenzer bis zur Regierung.

Dann waren wir in Bulgarien und haben uns von Schmugglern zeigen lassen, wo im Auto man das Zeug versteckt. Auch da war die Politik von unserer Recherche offenbar aufgeschreckt: Alle, die dort mit uns gesprochen haben, saßen danach im Knast oder wurden zumindest von der Polizei verhört.

Und dann landet das Zeug in Deutschland.

Es gibt hier einge Hundert Herointote im Jahr. Das ist die offizielle Zahl. Aber ich glaube nicht, dass das die ganze Wahrheit ist. Denn Heroin ist nicht wie Koks, was man gesellig oder zum Feiern verwendet. Heroinsucht verheimlicht man, darum sind die Zahlen sehr ungenau, vermute ich. Die Droge spielt in der Gesellschaft eine Rolle, wir kriegen es nur nicht so offen mit wie zum Beispiel in den USA. Es ist definitiv kein Problem der 80er, wie viele glauben. 

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Wie wirkt Heroin denn?

Sagen wir mal so: Für die erste und zweite Staffel habe ich Pilze und LSD vor der Kamera ausprobiert. Das wollte ich für diese Reportage auch machen – und Opium rauchen. Unsere Kontaktleute in Afghanistan haben dann nur geschnaubt und mir davon abgeraten. Denn es macht dich für einen kurzen Moment so glücklich, dass du den Rest deines Lebens immer wieder daran denken wirst – und immer versucht bist, das wieder zu erleben. 

Wenn du es nimmst, fallen alle Schmerzen und negativen Gedanken von dir ab. Von außen siehst du hingegen aus wie eine fallengelassene Einkaufstüte voller Fleischstücke. Das Risiko einer Abhängigkeit ist gewaltig. Denn wir alle haben Dinge, an die wir nicht denken wollen. Jeder von uns. Deshalb ist jeder potentiell gefährdet.

+++TEILEN+++TEILEN+++TEILEN (Damit wir diesen dummen FB-Algorithmus austricksen) So, dafür ist Instagram doof (@thorvanlingen). Hier ist er, der erste Trailer zur neuen Staffel von #uncovered. Wir sind fast fertig, schneiden die letzten Folgen und am 27.11. um 22:10 geht es dann, auf ProSieben, los. Es ist die dritte Staffel, ich kann es kaum glauben. Ich kann auch noch nicht so richtig aufschreiben, wie sich das alles anfühlt. Wir sind reifer, erwachsener, genauer geworden, wir bleiben diesmal länger an den Themen dran, weil ihr (und auch wir) das immer wolltet. Wir waren in Afghanistan, in Kolumbien, Panama, in Rumänien, im DR Kongo, in Tadschikistan, Bulgarien, Philippinen, England, in Mali, Indonesien, Südafrika und auch in Deutschland. Wir haben uns mit Kreuzfahrten, mit Heroin, Arbeitsmarktkräften, mit Tierhandel, mit Coltan, Flüchtlingen und Krieg auseinander gesetzt. Waren bei der Bundeswehr, bei Nashornjägern, Tellerwäschern und Kuna. Wir sind wieder um die Welt gereist, für die besten, ungewöhnlichen und wichtigen Geschichten, die wir finden konnten. Macht den Ton an, wenn ihr den Trailer guckt, und den Fernseher, damit wir auch nächstes Jahr weiter machen können. Küsselchen, Thilo

Posted by Thilo Mischke on Friday, November 9, 2018

Wie lange nimmt man Heroin, bis man stirbt?

Meist sterben die Leute an Überdosierung oder an den Umständen. Denn die Droge kann dich schnell in die Armut stoßen, in den Dreck. Alles dreht sich nur noch darum. Durch die gebrauchten Kanülen bekommst du HIV oder Hepatitis.   

Was hältst du von der aktuellen Drogenpolitik in Deutschland?

Prohibition bringt einfach nichts, das kann ich nach vielen Jahren, die ich mich mit Drogen beschäftige, sagen. Sie bringt nur mehr Gewalt. Ich bin auch keiner, der plädiert, sofort alles zu legalisieren! Aber eine schrittweise und stark regulierte Legalisierung oder mindestens Entkriminalisierung wie in Portugal wäre hilfreich.

Mir ist klar, dass die Regierungen weltweit alle sehr unerfahren damit sind, und das können keine 70-jährigen Politiker allein entscheiden. Das geht nur mit jungen Menschen und Konsumenten gemeinsam.

(Bild: ProSiebenSat.1 Media)

Was ist deine Erkenntnis aus deinen Reisen und Recherchen? Dass unsere Süchtigen den Krieg in Afghanistan finanzieren?

Ich glaube, Heroin muss man anders betrachten als zum Beispiel Koks. Jeden Kokser würde ich mit bösem Blick anschauen und sagen 'Du weißt schon, dass du dir da gerade Kinderarbeit und Elend in die Nase ziehst?'. Das ist wie beim iPhone, wo es alle wissen, und keiner was macht, aus purer Selbstsucht oder Faulheit.

Heroin ist da anders. Die Sucht ist oft verbunden mit seelischen Erkrankungen. Abhängige machen das nicht für den Hedonismus. Sie sind schon am untersten Punkt der Gesellschaft gelandet. Es ist so lebenszerstörend, dass ich da jetzt nicht noch die Schuld am Afghanistan-Krieg oben draufladen will. Der politische Umgang mit der Droge sorgt ja dafür, dass aus Sucht am Ende Gewalt wird.

Was können wir denn tun, um die Situation zu verbessern?

Die von Heroin verursachte Ausweglosigkeit, menschlich wie politisch, sind extrem. So wie wir diese Droge und die Süchtigen bisher behandeln, drängen wir alle Betroffenen immer weiter in den Abgrund. Menschen ebenso wie Länder. Es geht nicht nur um den dünnen Mann am Kotti, Heroin ist kein Großstadtproblem. Sondern ein gesamteuropäisches, ein weltpolitisches. Das müssen wir begreifen.

Die Präventionsprogramme müssten anders funktionieren. Man muss die Sucht und Produktion der Droge ernster nehmen, dann kann man die Situation ändern. Wenn wir es schaffen, die Süchtigen nicht aus der Gesellschaft und in die Kriminalität zu drängen, wäre das vielleicht ein Anfang.


"Uncovered" startet am 27. November um 22.15 auf ProSieben und in der Mediathek. Neben Heroin geht es in anderen Episoden der wöchentlich ausgestrahlten Doku-Serie auch um moderne Sklaverei, den Bundeswehreinsatz in Mali, den illegalen Handel mit Tieren und das versteckte Leben von Philippinos auf Kreuzfahrtschiffen. 


 



Haha

Schon mal eine Wohnung mit "Innenbalkon" gesehen? So sieht das aus
Kein Scherz!

Wie soll die Traumwohnung aussehen? Hell, geräumig, Einbauküche. Ach, und ein Balkon wäre schön. Aber wer braucht den schon an der frischen Luft? Eine Freiburger Vermieterin zeigt jetzt, dass Balkone doch auch einfach innerhalb der Wohnung liegen können!

Ein Innenbalkon?

Allerdings. Wer bei zu viel Sonne Angst um seine Haut hat oder befürchtet, dass die Wäsche auf dem Balkon zu schnell trocknet, der sollte sich vielleicht mal Gedanken über einen Innenbalkon machen. 

Okay, optisch hat es etwas von einem Terrarium mitten in der Wohnung. Oder von diesen Raucher-Kabinen auf Flughäfen. Aber hey: Man kann sich sicher sein, dass kaum ein anderer so eine architektonische Besonderheit hat.

BZ-Digitalredakteur Konstantin Görlich hat die Anzeige zu dieser Wohnung entdeckt und getwittert: