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Lernen von den Besten? Wie die Onlinekurse von Masterclass das möglich machen wollen

Während ein Teil Deutschlands in der Coronakrise mit enormer Kraftanstrengung in medizinischen Einrichtungen, der Landwirtschaft und Supermärkten den Laden am Laufen hält, verbringt der andere Teil der Bevölkerung viel Zeit zu Hause. Zeit, mit der viele etwas Sinnvolles anfangen möchten. Lernen zum Beispiel. 

Das US-amerikanische Start-Up "Masterclass" hat die Nachfrage erkannt und wirbt aktuell wieder breitflächig in den sozialen Medien. Sein Konzept: In Onlinekursen von den Besten ihres Fachs lernen. Das Angebot klingt verlockend, die Schule hat tatsächlich einige sehr, sehr große Namen im Angebot: 

  • Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman gibt Videokurse in Ökonomie,
  • "Grey's Anatomy"-Erfinderin Shonda Rhimes verrät, wie man ein gutes Drehbuch verfasst,
  • Astronomie-Pop-Star Neil de Grasse Tyson erklärt wissenschaftliches Denken,
  • Annie Leibovitz zeigt, wie man gute Fotos schießt.

Doch sind die Masterclass-Kurse ihren Preis wert? 

Der Autor dieses Textes hat sich – als Fanboy – für einen Kurs im Storytelling bei Schriftsteller Neil Gaiman entschieden.

Freuzeit

Wer sich selbst und seine Mitmenschen nicht gefährden möchte, geht zur Zeit nur nach draußen, wenn es sein muss. Aber was macht man eigentlich, wenn man alle Serien durchgeguckt hat? In dieser Reihe sammeln wir Tipps und Hinweise, für die Freizeitgestaltung zu Hause. Ein unterschätzter Podcast, ein DIY-Projekt, ein Spiel, eine Buchreihe? Du hast eine gute Idee? Schreib uns an fuehlen@bento.de.

Wie funktioniert das? 

Man registriert sich auf masterclass.com, sucht sich Kurse aus und streamt sofort los. Die Kurse sind aufgezeichnet und recht aufwändig vorproduziert. Nachfragen an die Lehrenden kann man allerdings nur in wenigen Fällen stellen. Meist kann man lediglich zuhören und -schauen. Die Kurse variieren in ihrem Umfang, im Durchschnitt beinhaltet eine "Class" 20 Videos mit fünf- bis über 20-minütigen Clips.

Dazu kommt Unterrichtsmaterial, das man sich herunterladen kann. Darin findet man weiterführende Literatur, Übungen und Zusammenfassungen der einzelnen Sessions. 

Die Preisgestaltung für einzelne Masterclasses ändert sich andauernd. Normalerweise kostet eine etwa 70 bis 80 Euro. Zum Zeitpunkt dieses Artikels gibt es allerdings bloß ein Paket: für 200 Euro bekommt man einen ein Jahr gültigen "All-Access"-Pass für zwei Personen. Der Service wäre dann, mit auf den Monat gerechnet knapp unter 17 Euro, teurer als Netflix. 

Für das Geld bekommt man Zugang zu 80 verschiedenen Kursen aus Bereichen wie Sport, Unterhaltung, Management, Wissenschaft und Kochen. Darunter auch exotische Inhalte wie "Verhandlung", gelehrt von einem früheren FBI-Agenten, der in Geiseldramen vermittelte. 

Allerdings: Alle Kurse sind auf Englisch, die meisten auch nur mit englischen Untertiteln verfügbar. Lediglich sechs von 80 wurden bisher auch mit deutschen Untertiteln produziert. 

Ein rein deutsches Pendant zu Masterclass, mit dem Namen "Meet your Master", wurde 2019 von Heiner Lauterbach ins Leben gerufen. Neben dem Gründer bieten hier auch Til Schweiger, Alfons Schuhbeck und Sebastian Fitzek ihr Wissen an – mit durchwachsenem Feedback (SZ / RP). Die Kurse kosten jeweils 89 Euro, angekündigt sind zudem Lehrgänge bei Fußballtrainer Jürgen Klopp, Physiker Harald Lesch und Regisseur Roland Emmerich. 

Das macht dir Spaß, wenn du sonst…

...gerne YouTube-Tutorials schaust, in der Schule und Uni immer gut aufgepasst hast, schon immer einen VHS-Kurs besuchen wolltest, aber dir die Zeiten zu unflexibel waren.

Wie lange kann ich mich damit beschäftigen?

Bei Masterclass gibt es nach Angaben der Macher etwa 266 Stunden Material, das sind über elf volle Tage mit Videos. Da sich aber höchstwahrscheinlich niemand für ALLE Themen interessiert, dürfte die tatsächliche Nutzungsdauer deutlich kürzer sein. Zu den Videos kommen die schriftlichen Übungen und Kursmaterialien zum Selbststudium. 

Ohne die wirkliche Interaktion mit den Lehrenden wird es aber schwer, den eigenen Fortschritt zu überprüfen. Denn auch, wenn Christina Aguilera einem etwas im Video vorsingt und uns zum Nachmachen ermuntert, muss am Ende der Nachbar das Elend ertragen und nicht die virtuelle Lehrerin. Zwar kann man im Leserforum diskutieren und in einigen Kursen (zum Beispiel beim Kochkurs von Gordon Ramsay) auch Fragen einreichen. Ob und wann diese beantwortet werden, ist aber unklar. 

Kostenlose Alternativen

Wer gar kein Geld ausgeben und trotzdem etwas lernen will, kann natürlich auch einfach auf TED.com gehen und sich dort Tausende Lernvideos und Talks mit interessanten Gedanken anschauen. Hier gibt es immerhin auch fast immer deutsche Untertitel. 

Ein anderer Tipp sind die auf YouTube angebotenen Aufzeichnungen von Vorlesungen und Seminare rennommierter Universitäten, so wie die des Philosophie-Professors Michael Sandel aus Harvard. 

Hilft es gegen Einsamkeit?

Schon ein bisschen. Immerhin hört und sieht man Menschen, die einen (anders als bei Filmen und Serien) direkt aus dem Bildschirm anschauen und adressieren. Das ist natürlich kein Ersatz für wirkliche, menschliche Interaktion, aber auch besser, als allein im Stillen zu sitzen. 

Abschließende Punktebewertung:

  • Spaß: 3/5, je nach Inhalt und Dozentin oder Dozent. Weil es sich ein bisschen nach Schule anfühlt, kann man keine volle Punktzahl geben.
  • Lernfaktor: 5/5 
  • Gemeinschaftsgefühl: 1/5 – die Kommillitonen oder Mitschülerinnen fehlen schon. 
  • Social-Media-tauglich: 2/5, denn es sieht nicht nach viel aus. Dafür ist es sehr befriedigend, damit anzugeben, in der Mittagspause einen Schachkurs bei Garry Kasparov zu besuchen.

Today

Was genau passiert eigentlich im Ramadan?
Und nehmen Muslime dann viel ab?

Am Abend des 23. April 2020 (Donnerstag) beginnt wieder der islamische Fastenmonat Ramadan. In der arabischen und asiatischen Welt, aber auch in Deutschland leben Millionen von Muslimen dann für vier Wochen enthaltsam. Was genau sie dabei machen – und ob sie tatsächlich abnehmen – erfährt du hier.

Was genau ist der Ramadan?

Der Name steht für einen bestimmten Monat im islamischen Kalender. Muslime betrachten ihn als besonders heiligen Monat und legen während des kompletten Ramadan eine Fastenzeit ein. Sie wollen so zu innerer Ruhe finden und damit Gott näher kommen. Für viele Gläubige ist der Ramadan ein sehr spiritueller Monat. Andere betrachten ihn mit Augenzwinkern: