Die Wahrheit ist irgendwo da draußen

Sonntagabend geht es nach 13 Jahren Pause mit "Akte X" weiter. Zumindest in den USA, in Deutschland zeigt ProSieben die sechs neuen Folgen ab dem 8. Februar. Die komplette Serie bis dahin noch einmal zu sehen, ist ein sportliches Unterfangen: Es gibt 202 Episoden und dazu noch zwei Kinofilme. Damit ist man mehr als sechs Tage lang ununterbrochen beschäftigt.

Insgesamt ist die Serie nicht besonders gut gealtert – viele Dialoge wirken heute unfreiwillig komisch, es fehlt an Tempo, über allem liegt ein Synthesizer-Brei. Der Binge-Marathon kann also eine zähe Angelegenheit werden.

Aber das muss nicht sein! Aus diversen Best-of-Listen kristallisieren sich einige Folgen heraus, die sehenswert sind. Ein paar mehr aus den ersten Staffeln, um ein auch etwas von der übergreifenden Mythologie mitzubekommen. Zum Ende der Serie hin, Mulder-Darsteller David Duchovny hat die Serie bereits verlassen, wird es mies: Auf die Staffeln 8 und 9 lässt sich weitgehend verzichten.


S1E01 Gezeichnet

So fing 1993 alles an. Die skeptische FBI-Agentin Dana Scully trifft auf ihren neuen Kollegen Fox Mulder und seine X-Akten, mysteriöse, ungelöste Fälle. Sie will aufklären, er daran glauben, dass es mehr da draußen gibt, als wir wissen. Dazu gehören Aliens, eine Weltverschwörung und allerlei Esoterik.

Mulder: "Diese Jugendlichen sind meiner Meinung nach entführt worden."

Scully: "Von wem?"

Mulder: "Von was?"

Scully: "Das glauben sie doch wohl nicht wirklich!"


S1E02 Die Warnung

In der zweiten Episode werden weitere Grundsteine der Serie gelegt: Mulder trifft auf einen Informanten, der ihn mit dunklen Geheimnissen der Regierung versorgt. Außerdem beobachten Scully und Mulder über einem Militärstützpunkt tanzende Ufos am Nachthimmel. So romantisch!


S1E13 Die Botschaft

Ein junges Paar wird entführt – und ausgerechnet ein im Gefängnis sitzender Serienmörder soll mit seinen Visionen helfen können. In dieser Folge tauschen Scully und Mulder ihre Rollen. Die Autoren Glen Morgan und James Wong haben einige der besten und beliebtesten Episoden der Serie geschrieben.


S1E24 Das Labor

Scully und Mulder entdecken bei Ermittlungen zu einem Fall Bakterien, die scheinbar außerirdisch sind. Später findet Scully auch noch einen eingefrorenen Embryo, der nach Alien aussieht. Und dann werden die X-Akten von höheren Mächten einfach geschlossen.


S2E24 Anasazi

Wir springen direkt zum Ende der zweiten Staffel, auch wenn es zwischendrin einige mittelgute Episoden gibt –in Nummer 5 und 6 wird Scully entführt, was später immer wieder Thema ist, in Nummer 7 ist Mulder alleine unter Möchtegern-Vampiren. Im Finale geht es wieder um die ganz große Verschwörung. Die ersten beiden Episoden der dritten Staffel machen damit weiter.


S3E17 Mein Wille sei dein Wille

Spannend! Scully und Mulder verfolgen einen Typen, der offenbar anderen Menschen seinen Willen aufzwingen kann. Einer der vielen "Monster der Woche"-Geschichten, allerdings deutlich besser und origineller.


S3E20 Andere Wahrheiten

Eine Alien-Entführung. Zwei Zeugen mit widersprüchlichen Aussagen. Ein Thriller-Autor, der daraus eine Geschichte machen will. Und mittendrin Scully und Mulder in einer lustigen Folge voller Selbstironie.


S4E02 Blutschande

Die Albtraum-Episode. Eine unangenehme Geschichte über eine Inzest-Familie im ländlichen Pennsylvania.


S4E17-18 Tempus Fugit

Ein Passagierflugzeug ist abgestürzt, offenbar abgeschossen von der Air Force. Mulders Theorie: Das Militär war eigentlich auf der Jagd nach einem Ufo. Eine aufwendig inszenierte Doppelfolge, ohne viele Schnörkel erzählt.


S5E05 Der große Mutato

"Akte X" wird zunehmend erwachsen und traut sich etwas. Mehr noch als in "Andere Wahrheiten" blitzt in dieser Frankenstein-Hommage in Schwarzweiß Selbstironie auf. Neben all dem Humor gibt es obendrauf noch eine satte Portion Horror.


S5E11 Kill Switch

Urschleim und Silizium: Ein genialer IT-Forscher hat sein Bewusstsein in die Cloud hochgeladen. Glauben zumindest eine Hackerin namens Invisigoth und Mulder. Aus der Cloud heraus verzapft das Bewusstsein allerlei Unsinn. 1998, als die Episode erstmals ausgestrahlt wurde, schien die Technik noch lange nicht so weit. Heute haben wir das Internet der Dinge und unser Kühlschrank braucht dringend ein Software-Update.


Akte X - Der Film

Der erste der beiden Kinofilmen spielt zwischen der fünften und sechsten Staffel. Und er ist ziemlich gut, auch rückblickend betrachtet! Wer die ganz alten Episoden nicht aushält oder zu peinlich findet, kann auch mit diesem Film ins "Akte X"-Universum einsteigen.


S6E03 Im Bermuda-Dreieck

Ein lange verschollenes Schiff taucht wieder auf, Mulder trifft auf die quicklebendige Nazi-Besatzung und Scully versucht in Washington, einen Satelliten aufzutreiben, um Mulder zu retten. Eine schnelle, lustige, toll erzählte Episode. Kein Vergleich zu den oft bemühten und todernsten ersten Folgen.


S6E21 Sporen

"Mulder, was ist, wenn wir verdaut werden?" Ein Pilz lässt Scully und Mulder halluzinieren.


S7E12 Vollmond

In Los Angeles geht ein Werwolf um. Die ganze Folge ist im Stil einer Live-Reportage gedreht. Ein Kamerateam folgt der Polizei, Mulder und Scully stolpern in die Szenen hinein. Was sehr nach "Blair Witch Project" klingt, funktioniert überraschend gut.



Quellen