Bild: Universum Film
Wenn man eigentlich gar nicht mehr los wollte und dann zur Party des Jahrhunderts kommt.

Quentin Tarantinos neuer Film ist 167 Minuten lang. Den geübten Tarantinogucker sollte das nicht abschrecken. Der weiß, was er erwarten kann – und wird auch dieses Mal nicht enttäuscht. Den ungeübten Tarantinogucker sollte die Länge auch nicht abschrecken, denn: Der neue Tarantino ist wie eine spontan durchzechte Nacht. Einer dieser Abende, an denen man sich eigentlich gar nicht mehr vom Sofa erheben wollte und dann ruft irgendjemand an und man denkt: "Ja, mh, okay, na gut." Man macht sich auf den Weg. Und erlebt ein paar legendäre Stunden.

Hier ist der Trailer:

1. Zäher Anfang

Der große Knall lässt etwas auf sich warten. Erst mal triffst du ein, zwei Leute, es werden interessante Gespräche geführt, du denkst: "Das könnte gut werden heute." Auch wenn du nicht weißt, wo die Reise genau hingeht.

  • In "The Hateful 8" sind auch nicht gleich alle Protagonisten auf der Bildfläche. Die werden einer nach dem anderen eingeführt.
2. Es wird kuschlig

Bevor man sich versieht, wächst die Truppe, jeder bringt noch wen mit. Es wird es in der heimischen Umgebung ein bisschen zu eng und die Location wird gewechselt. Man trifft irgendwen auf der Straße. Und (fast) alle kennen sich irgendwie.

  • Von der Kutsche, in der Tranatinos Protagonisten vor einem Blizzard fliehen, geht es zu "Minnie's Haberdashery“. In dem Süßwarenladen irgendwo im Nichts machen sie es sich zwischen Bar, Ohrensessel und Kaminfeuer bequem.
3. Kennenlernen

Wenn sich die verschiedenen Protagonisten kennenlernen, stellt sich heraus, dass nicht alle dieselben Ansichten teilen. Das ist dann auch ein wenig ungemütlich unter Umständen, aber schon in Ordnung – "Wir werden schon alle klarkommen", denkst du.

  • Während es in eurer Partynacht darum geht, welche Gin-Tonic-Mischung besser schmeckt, haben die Helden im Tarantino-Film deutlich größere Krisen zu bewältigen. Hier geht es um Rassenkonflikte.
Wenn ich dir den Ellenbogen ins Gesicht ramme, heißt das: "Halt die Klappe."
John Ruth in "The Hateful 8"
4. Große Worte
Menschen sagen Sätze, die dir noch Monate, teilweise Jahre im Kopf bleiben.
  • "Now, Daisy, I want us to work out a signal system of communication. When I elbow you real hard in the face, that means: shut up."
5. Running Gags

Einige dieser Sätze, Worte, Redewendungen werden den ganzen Abend wiederholt, weil sie mit jedem Mal besser und die Situationen dadurch immer lustiger werden.

  • Nicht verwundert sein. Bei "The Hateful 8" wiederholen sich nicht nur einzelne Sätze, sondern sogar ganze Szenen. Dafür werden so immer mehr Hintergründe des Plots offenbart.
6. Es fließt Blut

Irgendwann ganz sicher. Meistens weil jemand nicht richtig aufpasst.

  • Bei Tarantino geht es aber nicht um ein aufgeschlagenes Knie. Hier fließt richtig viel Blut – gefühlt mehr als in seinen bisherigen Filmen. Und definitiv ziemlich eklig.
7. Trinkstrafe

Diejenigen, die nicht aufpassen, was sie da in sich hinein kippen, müssen sich übergeben.

  • Spoiler Alert: An dieser Stelle verraten wir nichts.
1/12
8. Es wird hässlich

Die Frisur sitzt. Nicht. Ab einem gewissen Punkt ist das Make-up aller Teilnehmer des Abends vollkommen zerstört. Ist aber nicht so wichtig, die Party ist ohnehin bald vorbei und wir wollen ja sowieso niemanden mehr beeindrucken.

  • Bei Tarantino noch irrelevanter – Schließlich müssen Leichen nicht gut aussehen.
9. Überraschung
Was genau passiert, kann keiner vorher sagen, aber jeder legendäre Abend hat mindestens eine große Überraschung. So natürlich auch "The Hateful 8". Ab Donnerstag im Kino.

Und sonst noch so:

Tarantino ließ für diesen Film das erste Mal die gesamte Filmmusik komponieren. Ennio Morricone hat bereits die Musik für unzählige Filme geschrieben, darunter "Spiel mir das Lied vom Tod". Bei "Kill Bill" und "Django Unchained" hat sich Tarantino bereits an Morricone-Stücken bedient.

"The Hateful 8" ist der achte Film von Tarantino. Moment mal, der Achte? Nachgezählt: My Best Friend’s Birthday (1), Reservoir Dogs (2), Pulp Fiction (3), Jackie Brown (4), Kill Bill – Volume 1 (5), Kill Bill – Volume 2 (6), Death Proof (7), Inglourious Basterds (8), Django Unchained (9), The Hateful Eight (10) sind es zehn. "My Best Friend's Birthday" ist aber, zugegeben, nur noch in Ausschnitten vorhanden, weil der Film bei der Entwicklung verbrannte. Und die zwei "Kill Bill"-Teile kann man auch als Gesamtwerk betrachten. Also, ja, der achte Film von Tarantino als Regisseur.

Der gesamte Film wurde in einem besonderen Format gedreht: "Ultra Panavision 70". Dadurch hat das Bild ein Seitenverhältnis von 2,75:1, es ist also besonders breit. Die Objektive mussten für den Dreh beim Kamerahersteller Panavision aus dem Archiv geholt werden, da sie seit 1966 nicht mehr zum Einsatz kamen.

Der Film wäre beinahe nicht entstanden. Jemand hatte das Drehbuch ohne Tarantinos Einwilligung veröffentlicht – der Regisseur war davon gar nicht begeistert und beschloss 2014, das Projekt vorerst fallen zu lassen: "I’m done. I’ll move on to the next thing", sagte er Deadline. Nach einer Lesung des Skripts mit einigen der Schauspieler, die jetzt auch im Film zu sehen sind, änderte Tarantino seine Meinung.

Amerikanische Polizisten haben angekündigt, "The Hateful 8" zu boykottieren. Im Oktober 2015 nahm Tarantino an einer Demonstration von "Black Lives Matter" teil. Die Organisation setzt sich gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in den USA ein. Tarantino sprach bei der Demo auch auf der Bühne und sagte unter anderem: "When I see murders, I do not stand by… I have to call a murder a murder, and I have to call the murderers the murderers." Mehrere Polizeigruppen drohten daraufhin, den Film und andere Tarantinofilme zu boykottieren – sie forderten ihre Mitglieder dazu auf, Events um den Film herum nicht mehr zu schützen.

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