Nach diesem Film blieben die Zuschauer der Pressevorführung stumm in den Sesseln sitzen. "The Florida Project" erzählt von Armut in Amerika. Eine alleinerziehende Mutter lebt mit ihrer Tochter in einem schrottigen Motel, von Tag zu Tag. Disneyworld ist gleich um die Ecke und doch unendlich weit weg.

Der neue Film von "Tangerine"-Regisseur Sean Baker kommt am 15. März in die deutschen Kinos. Die kleine Moonee (Brooklynn Kimberly Prince) wächst mit ihrer Mutter Halley (Bria Vinaite) vor den Toren von Disneyworld auf. Den Freizeitpark hat Moonee aber noch nie von innen gesehen. Mutter und Tochter leben in einem heruntergekommen Motel an der Autobahn, in das sich nur selten ein Tourist verirrt.

Hier wohnen Menschen, die sonst nirgendwo mehr hin können. 

Jeden Tag muss Halley irgendwie 38 Dollar für eine weitere Übernachtung zusammenkratzen, weil sie die Monatsmiete für ein normales Zuhause nicht aufbringen kann. Moonee macht das Beste draus: Für sie und ihre Freunde gibt es auf dem Motel-Gelände immer neue Abenteuer zu entdecken.

Bakers neues Werk wurde auf der ganzen Welt mit Preisen überhäuft. Auch das geachtete American Film Institute nahm "The Florida Project" in die Liste der zehn besten Filme des Jahres auf. Warum der Film bei den Oscars kaum eine Rolle spielte, bleibt ein Rätsel. Mit dem Fantasy-Drama "The Shape of Water" konnte sich im Rennen um den besten Film der richtige Kandidat durchsetzen. Eine Nominierung hätte "The Florida Project" aber allemal verdient.

Der Film ist auf vielen Ebenen großartig. 

Willem Dafoe als Hausmeister Bobby liefert die bewegendste Performance seiner langen Karriere ab. Wer hätte gedacht, dass der Typ, der sonst mit Vorliebe mordlustige Psychos spielt, als Ersatzvater für die Motel-Kinder so sympathisch rüberkommen könnte?

Noch beeindruckender ist die Direktheit, mit der "The Florida Project" Armut im reichsten Land der Welt zum Thema macht. Disneyworld, der qietschbunte Happiest Place on Earth, ist für die Familien im Motel allgegenwärtig und trotzdem unerreichbar. Um an einem heißen Sommertag an ein Eis zu kommen, müssen Moonee und ihre Freunde sich erstmal Kleingeld bei Touristen erbetteln. Einen Spielplatz, auf dem Kinder toben könnten, gibt es nicht – stattdessen spielen sie in einem nahe gelegenen Abrisshaus.

Moonees Geschichte macht nachdenklich. Und das ist gut so. Denn auch wenn Florida und Disneyworld für uns weit weg sind, gibt es ganz in unserer Nähe eine echte Moonee, über die wir ohne diesen Film nie nachgedacht hätten. Schon allein deshalb hätte "The Florida Project" ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bei den Oscars verdient gehabt.

Baker zeigt, wie dramatisch der Alltag von Armen und Reichen sich unterscheidet – ungeschönt, aber auch unaufgeregt. Das war ihm wichtig. Baker über seinen Film:

"Kurz vor Drehstart sah ich eine Mutter mit ihrer Tochter, die genauso aussahen und sich genauso benahmen, wie (Co-Autor) Chris und ich Halley und Moonee vorgestellt hatten. Alles, was sie mir über ihr Leben erzählten, entsprach hundertprozentig dem, was Chris und ich uns für den Film ausgedacht hatten. Das war schockierend." 
Und trotzdem: Mit dem moralischen Zeigefinger wedelt in "The Florida Project" keiner. 

Die Kinder, aus deren Sicht der Film erzählt wird, kennen kein anderes Leben. Dabei zuzusehen, wie selbstverständlich sie mit Armut und Perspektivlosigkeit umgehen, ist rührend und erschreckend zugleich. Denn wir wissen: In dieser Geschichte kann es kein billiges Happy End geben.


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