Bild: FX Network

Jedes Jahr küren die Emmys die besten Serien (bento). Doch der Markt explodiert vor hervorragenden Produktionen – und jedes Jahr gibt es jene, die den Award mehr als verdient hätten, es aber nicht bis an die Spitze des Treppchens schafften.

Wir stellen "The Americans" vor, die mit ihrer vierten Staffel fünf Nominierungen absahnte – aber am Sonntag nur die Auszeichnung für die beste Gastrolle nach Hause tragen durfte. Warum hätte es Emmys regnen müssen?

1. Weil das Drehbuch einen neuen Fokus setzt

Es sind die Achtzigerjahre, Kalter Krieg, Ronald Reagan verteufelt die Kommunisten auf allen Fernsehsendern. Elizabeth und Philip Jennings wirken wie Durchschnittsamerikaner: Sie leiten ein kleines Reisebüro als Familienunternehmen und haben zwei Kinder, Paige und Henry.

Morgens werden in der Küche Lunchpakete ausgehändigt, abends schlürft man zusammen Spaghetti.

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Nachts aber setzen die Eltern Perücken auf und leben ihr wahres Leben: Sie sind KGB-Spione, denen die Liebe zur Sowjetunion über alles geht.

Jede Freundschaft, die sie schließen, jede der zahlreichen Affären, die sie führen, hat einzig ein Ziel: Informationen zu beschaffen im Kampf gegen den Kapitalismus, gegen den Staat, in dem sie seit mehr als 15 Jahren leben.

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Serienmacher Joe Weisberg, der selbst eine Zeitlang bei der CIA gearbeitet hat, setzt den Fokus dabei stark auf die psychische Komplexität des Doppellebens und seine Folgen für das Privatleben in der Familie. Wie bleibt man einer Heimat gegenüber loyal – loyal bis zum Tod – in die man nie wieder reisen darf?

Kann eine Ehe glücklich sein, die vom Staat gestiftet wurde und deren Basis ein unruhiges Meer von Lügen ist? Und wenn dieser Staat plötzlich die eigene Tochter rekrutieren will? Was ist dann wichtiger: Familienliebe oder Staatstreue?

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Auf diese Fragen finden Elizabeth und Philip unterschiedliche Antworten. Ihre Ehe entwickelt sich und durchläuft in den vier Staffeln extreme Stadien: Sie misstrauen und verraten sich, sie werden gefoltert und foltern selbst, sie brechen gemeinsam Gelenke von Toten, um sie in Koffern zu verstauen und versorgen nach einem missglückten Einsatz zärtlich ihre Wunden.

Allein sind sie mit ihrem Schicksal nie. Und doch ist das Jenning'sche Ehebett in vielen Nächten der einsamste Ort der Welt.

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2. Weil die Achtzigerjahre perfekt transportiert werden

Münztelefone, handgeschriebene Notizen und riesige Kassettenrekorder – von der Hightech-Spionage-Welt, die wir "James Bond" oder "Mission Impossible" kennen, sind "The Americans" Lichtjahre entfernt.

Das entschleunigt die Handlung und macht die Arbeit der Spione umso interessanter: Statt Hacking- und IT-Knowhow sind Menschenkenntnis und Schauspielkunst gefragt. Quellen müssen über Monate, Jahre und Staffeln hinweg bearbeitet und beeinflusst werden, bis sie wirklich fruchtbar sind.

"The Americans"

  • Läuft seit 2013
  • Es gibt vier Staffeln und 52 Folgen à 44 Minuten
  • Die Pilotfolge ist etwas länger: 70 Minuten
  • In den USA wird die Serie auf FX ausgestrahlt
  • Auf Netflix gibt es die ersten beiden Staffeln
  • Auf Amazon und Maxdome sind alle vier Staffeln zu sehen

Im Gegensatz zu den Siebzigerjahren leuchten die Achtziger nicht. Sie kennen keine Stil-Ikonen. Es ist ein graues Jahrzehnt, auch in der Mode bestimmt von Pragmatismus. Die Suche nach Requisiten war deswegen ungleich schwerer für die Designer: Wer hebt schon den Achtzigerjahre-Schrank auf?

Am Set ist das nicht zu bemerken, jedes Stück passt perfekt und öffnet ein Wurmloch in die Vergangenheit. Highlight: die Perücken. Perfekt drapiert mit Haarklammern verwandeln Toupets, Bobs und Langhaarmähnen die Jennings in völlig andere Persönlichkeiten.

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3. Weil die Schauspieler optimal harmonieren

Keri Russell und Matthew Rhys, die auch im wahren Leben ein Paar sind und seit Kurzem ein Kind haben, spielen das ideologiegetriebene Ehepaar.

Das ist in zweifacher Hinsicht ein äußerst körperlicher Job: Einerseits müssen sie sich regelmäßig Auswege aus scheinbar ausweglosen Situationen mit blanker Gewalt erkämpfen.

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Andererseits ist Sex die ultimative Bindung zu jedem ihrer ahnungslosen Informanten. Dabei kommt es immer wieder zu Differenzen zwischen dem Spion und dem Menschen: Gewissensbisse plagen Philip vor allem, wenn das Ziel seiner Avancen eine Minderjährige ist, kaum älter als die eigene Tochter.

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Wirklich überzeugend aber sind die Szenen, in denen die Jennings gemeinsam auftreten. In der Öffentlichkeit, sogar in ihrem eigenen Zuhause, sind sie zurückgeworfen auf wortlose Kommunikation.

Blicke müssen dann genügen, um sich zu verständigen. Russell und Rhys spielen diese Szenen des stummen Einverständnisses so überzeugend, als könnten sie tatsächlich die Gedanken des anderen lesen.

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