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Handball-Trainer Stefan Kretzschmar gegen Klaas Heufer-Umlauf

Stefan Raab schwitzte, kämpfte und blutete in "Schlag den Raab" – und holte damit an Samstagabenden Traumquoten. Spätestens seit der zweiten Folge "Teamwork" am Samstag ist klar: Ein neuer Anwärter auf die Thronfolge ist da, der sogar das Nachfolge-Modell "Schlag den Star" übertrumpfen könnte. Wir haben den Test gemacht: Wie haben sich Joko und Klaas, Stefan Kretzschmar und Lena Gercke im Vergleich zu Raab geschlagen?

Die Basis: Promi-Schach für Normalos

Bei "Teanwork" kämpfen vier Promis für vier Fans in elf Spielen um einen Koffer voll Geld, moderiert von Jeannine Michaelsen. Trotz des Titels ist dabei wenig Teamwork angesagt: Die Fans entscheiden in den meisten Fällen bequem von der Couch aus, ob sie ihren Promi in die nächste Runde schicken und dafür bereits erspieltes Geld riskieren.

Den No-Names verleiht das eine süße Machtposition – und macht schnell klar, wer seinem Star wirkliches Können zutraut. Bei Lena Gerckes Kandidatin herrschen beispielsweise oft Verlustängste vor, bei Joko Winterscheidts Polizist Tobias am Ende reine Resignation. Mit Vielfalt und Raum für Zwischenmenschliches kann "Teamwork" das Spielkonzept "Raab gegen den Rest der Welt" sogar übertrumpfen – wenn denn die Auswahl der Promis interessant genug ist.

Die Fallhöhe: Schadenfreude statt Staunen

Selbst wenn er mal verlor – Raab fiel nie tief. Seinem Wahnsinn in den abendfüllenden Duellen musste man einfach Tribut zollen. Unvergessen: Der Beißer wollte selbst dann nicht aufgeben, als er sich bei einem Sturz vom Mountainbike eine Gehirnerschütterung zuzog und sich das Jochbein brach.

"Teamwork" hingegen lebt stärker von der Schadenfreude: Wirklich Spaß macht hier, wenn Stars versagen. Bisher waren in beiden Folgen die Quoten-Anker Joko und Klaas dabei. Während Klaas abräumt und nebenbei auch noch den schwächelnden Moderatoren mit Zoten und Buddy-Sprüchen aushilft, nahm Joko chamäleongleich nach einem Wissenstest die Farbe besagter Ledercouch an: Er war unter anderem fest davon überzeugt, dass eine Billiarde 27 Nullen hat. Das kostete seinen Kandidaten dank Selbstüberschätzung ein paar Tausend Euro.

Aber auch die Zugaben Lena Gercke und Stefan Kretzschmar bewährten sich am Samstag: Das Model als permanenter Unsicherheitsfaktor, der Handballer als Kämpfer („Heute ist Krieg!“) mit exzellentem Filmgeschmack und solidem Allgemeinwissen.

Die Kandidaten: Teamwork erwünscht
(Bild: ProSieben / Willi Weber)

Wer Terminator Raab demontierte, wurde zum Helden und häufig auch zum Millionär – auch wenn das Schweiß und nicht selten ein paar Tropfen Blut kostete. In "Teamwork" spielen die Normalos eine Nebenrolle und harmonieren im besten Fall in freundschaftlicher Eintracht mit ihrem Star, so wie Shampoo-Verkäufer Björn mit dem gelernten Friseur Heufer-Umlauf. Negativ auffallen können sie dennoch: Wie Annette, für die Kretzsche mit durchgehend überzeugender Leistung den Gesamtsieg von 119.000 Euro einfährt. Anstatt Kretzsche umarmt sie aber lieber ihren Geldkoffer und jubelt alleine.

Master of Talk: "Mein lieber Schwan!"

Moderatorin Jeannine Michaelsen steht auf Penis-Witze bei Zentimeter-Messungen und verwendet ihr rhetorisches Geschick vor allem auf Überleitungen in die Werbung ("Von Joko zu Joghurt"). Sie wird besser, je länger die Show dauert. Nur sind dann leider immer weniger Zuschauer Zeuge.

Auch Sportkommentator Wolff-Christoph Fuss, der den absurden Spielen aus dem Off den Anstrich von Professionalität verleihen soll, kommt nicht über Plattitüden hinaus. Mit dem "Schlag den Raab"-Dreiklang aus Steven Gätjen, Elton und Frank "Buschi" Buschmann können die beiden (noch) lange nicht mithalten.

Die Spiele: Kopf-Kino dank Cunnilingus-Jenga

Wie auch von Raabs Show gewohnt, ist die Mischung für eine Samstag-Abend-Show kreativ und gerade flach genug. Es gibt Albernheiten, aufwendige Parcours, Unnützes- und Allgemein-Wissens-Test. Dazu Oh-Momente, wenn Grundschüler berühmte Filmzitate vorlesen oder der kleine Klaas auf ein Höckerchen steigen muss.

Mit der Absurdität treiben es die Spielemacher im Finale auf die Spitze: Kretzsche und Klaas sollen Jenga ohne Hände spielen. Das cunnilingulare Türmchenbauen hat zwar das Potential, unter die ertragbare Lächerlichkeits-Grenze zu sinken, wird aber vom Kampfgeist der beiden Duellanten gerettet: Die hieven mit viel Zungenspitzengefühl ein Klötzchen nach dem anderen auf die Spitze und bereiten ihren Fans ein seltsam erotisches Kopfkino.

"Ladies first": Immerhin, eine Frau ist dabei
(Bild: ProSieben / Willi Weber)

Raabs Show war von einer offensichtlichen Gender-Kluft geprägt: Von 54 Kandidaten, die das Publikum auswählte, um gegen den Showmaster anzutreten, waren nur zehn Frauen. Eine davon gewann. In "Teamwork" entscheidet die Redaktion. Immerhin: in der zweiten Folge ist mit Model Lena Gercke eine Frau vertreten. Dafür klopfen sich die Macher in Form von Moderatoren-Ansagen auch kräftig auf die Schulter.

Die mitleidigen Blicke der Mitspieler schwenken ab Hälfte der Folge von Lena zu Joko, die gönnerhaften "Ladies first"-Ansagen nehmen ab.

Der Live-Faktor: Juckende Fehlstelle

Raab war live und sendete deswegen auch Folgen und Szenen, die ansonsten wohl dem Schnitt zum Opfer gefallen wären. "Teamwork" sollte sich das auch trauen, zumal hier die Verletzungsgefahr gleich Null ist. Die Ewigkeit von fünf Stunden ist dann auch eher zu rechtfertigen und besser zu ertragen.

Die Quoten: Tiefstapler

Am Ende zählen Zahlen. "Teamwork" konnte trotz charmantem Grundkonzept und strauchelnden Stars am Samstag nur wenige vom Durchhalten überzeugen. 10,8 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen – viele junge Zuschauer wollten lieber Dieter Bohlens Kandidatenqual "Take me out" sehen. "Teamwork" wackelt damit wie Kretzsches Jengaturm. Nur wenn Joko die Erfolgsberechnung macht, dürfte eine Fortsetzung zu 1000 Prozent sicher sein.

ProSieben wiederholt die komplette Sendung am Sonntag ab 14.20 Uhr.

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