Bild: Warner Bros.

Spoiler-Warnstufe orange

Wir verraten hier etwas über die Serie oder den Film. Nicht das komplette Ende. Nicht die Mörder-Überraschung. Falls du dich aber ärgerst, wenn wir hier gleich Ereignisse vorwegnehmen: Lieber erst anschauen und dann hierher zurückkommen.

Es wird laut, bunt, böse und derbe witzig – am Donnerstag kommt "Suicide Squad" in die Kinos, der nächste Superhelden-Streifen von DC Comics. Im Vorfeld versprachen die Trailer eine fröhlich-chaotische Comic-Verfilmung.

Aber die Kritiken sind alles andere als gut:

  • "The lamest villain ever" ("New York Post")
  • "leans too heavily on fan-service" (Collider)
  • "feels like it’s taken far too many sleeping pills" ("The Hollywood Reporter")
  • Und das "Time"-Magazine befand: "Suicide Squad moves fast, so fast that the characters barely have time to hate one another, let alone bond."

Und bei Rotten Tomatoes bekam der Film nur undankbare 27 Prozent.

Aufgebläht, langweilig, verkopft – Echt jetzt? Ist "Suicide Squad" so schlecht?

Die ehrliche Antwort: Es hätte besser sein können. Das versöhnende Aber: Einiges ist trotzdem richtig gut gelungen. Zum Beispiel:

1. Die Charaktere sind perfekt besetzt.

In den Comic-Heften gelingt es immer prima, mehrere Helden abzubilden. Die zugehörigen Sammelfilme wirken hingegen schnell mal überladen. Wenn Marvel seine Figuren auf die Leinwand bringt (siehe "Guardians of the Galaxy" oder "Captain America: Civil War"), dann bekommt jeder seine Screentime. Mit Leichtigkeit. Was läuft also falsch bei DC?

Das passiert in "Suicide Squad"

Seit Superman weiß die Welt, dass es Menschen mit Superkräften gibt. Die US-Regierung will daher eine Eingreiftruppe vorbereiten: Auftragsmörder, Psychopathen und Tunichtgute, die Jagd auf alles Übernatürliche machen sollen. Damit sich keiner aus der "Task Force X" genannten Gruppe widersetzt, bekommt jeder einen Sprengsatz implantiert. Bei Flucht Explosion – so entsteht der Spitzname "Suicide Squad".

Bei "Suicide Squad" erhält nicht jeder Charakter die gleiche Bedeutung. Trotzdem schaffen es die Darsteller, auch in wenigen Minuten ihren Figuren Tiefe zu verleihen:

  • Deadshot (Will Smith) kommt mit großer Wut rüber – aber auch mit einem abgeklärten Zynismus, der die Figur auch in einer Nicht-Comic-Welt glaubhaft macht. Darüber hinaus ist Will Smith hier auch so willsmithig wie lange nicht mehr – ein gutes Zeichen.
  • Harley Quinn (Margot Robbie) ist das Highlight des Films: schizophren, durchgeknallt, dead serious. Im ersten Filmdrittel hat sie viele gute Momente – ihre Gefängnisdialoge sind großartig. Später wird sie leider mehr und mehr zu Eye Candy. Die Figur verdient (wortreichere) Auftritte in weiteren DC-Filmen, zum Beispiel beim kommenden "Batman"-Solofilm.
  • Der Joker (Jared Leto) ist neu und anders. Leto spielt ihn als eine Art Bling-Bling-Mafia-Punk – vom düsteren, gestörten Clown à la Heath Ledger ist wenig übrig. Trotzdem funktioniert die Rolle, vielleicht gerade, weil sie so schrill ist.

Auch die zweite Reihe Antihelden – Killer Croc, Katana und Captain Boomerang – funktioniert. Überraschend emotional: El Diablo (Jay Hernandez), der seine Kraft, Feuer zu erschaffen, als zweifelhaften Fluch darstellt.

In der Fotostrecke – Die wichtigsten Figuren aus "Suicide Squad":
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2. Der Film hat Humor.

Bei Comic-Verfilmungen setzte Marvel lange Zeit den Maßstab: Möglichst leichtfüßig sollen die Adaptionen daherkommen. DC hat sich hingegen entschieden, seine Comic-Welt als Film Noir zu begreifen. In Gotham regnet es, über Metropolis hängen Wolken. Ist nun mal so, die Sonne scheint drüben bei Marvel.

Bis jetzt. Captain Boomerang spielt mit einem rosa Plüschtier, Killer Croc witzelt über sein Aussehen und Harley Quinn lässt das Publikum, die anderen Squad-Mitglieder (und wohl auch sich selbst) in ständiger Unklarheit über ihren Geisteszustand. Witzig zu sein, fiel den Machern nicht leicht: Angeblich soll DC mehrere Millionen Dollar für einen Nachdreh ausgegeben haben, um den Film witziger zu machen (Screenrant).

Der Nachdreh dürfte eine kleine Verneigung vor den sehr entspannten Antihelden in "Guardians of the Galaxy" sein, von denen keiner sich in irgendeiner Filmminute ernst nimmt.

3. Der Soundtrack funktioniert prima.

Ebenfalls ein Highlight der "Guardians": gut eingesetzte Musik. DC hat es nachgemacht und feuert Rockballaden und HipHop-Songs wie Leuchtraketen ab – von "Bohemian Rhapsody" von Queen bis "Without Me" von Eminem.

Beste Untermahlung: "Sympathy for the Devil" beim ersten Auftritt von Amanda Waller (Viola Davis). Sie ist der Mastermind hinter der "Suicide Squad" und als Regierungsbeamte eigentlich die Gute. Tatsächlich ist Waller die Skrupelloseste von allen – und der Soundtrack wird ihr gerecht.

Was wirklich stört:

Der Schnitt und die Action sind leider an mehreren Stellen vergurkt. Der Film hat allein drei Anfänge: einen für Deadshot, einen für Harley Quinn und dann noch mal einen richtigen (in dem wiederum Deadshot und Harley Quinn vorgestellt werden).

Und das Finale wirkt seltsam hölzern – was hier wohl vor allem dem Antagonisten geschuldet ist. So viel sei verraten: Der Joker ist nicht der Bösewicht, das hebt sich DC – hoffentlich – für die kommenden Filme auf. Umso öder ist es allerdings, mit anzusehen, wie sich das wirklich angenehm bekloppte "Suicide Squad" mit einem sehr blutleeren Gegner rumschlagen muss. Der finale Kampf wirkt dann auch in etwa so, als habe ihn ein Siebenjähriger mit seinem Spielfiguren choreografiert.

Fazit:

Wie schon bei "Batman v Superman" wirkt auch "Suicide Squad" an einigen Stellen ungelenk. Man merkt, dass DC Konkurrent Marvel im Kino gleichzeitig nacheifern und trotzdem etwas komplett Anderes entgegenstellen will. Und den Fans ist das zum Glück egal: Viele mögen den Film, trotz schlechter Bewertungen ("The Atlantic"). Am Startwochenende brach der Film in den USA Verkaufsrekorde und brachte 135 Millionen Dollar ein.

Bei den gut designten Charakteren der "Suicide Squad" bleibt also die Hoffnung: In diesem Universum werden bald viele gute Filme folgen!

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