Bild: Netflix

Die dritte Staffel "Stranger Things" ist seit Donnerstag auf Netflix verfügbar und wird von Millionen Menschen abgerufen. Wir haben wieder das tolle Achtzigerjahre-Szenario, dieses Mal sogar im Sommer, die Achtziger-Musik, die Achtziger-Filme, die bunte Mode und ja – auch das Product Placement.

Und offensichtlich auch ein veraltetes Männerbild: Was bitte ist mit Hopper los!?

Die Schauspielerin Evan Rachel Wood löste die Diskussion aus, indem sie auf Twitter schrieb:

"Du solltest niemals einen Typen wie den Polizisten aus "Stranger Things" daten. Extreme Eifersucht und Gewalttätigkeit sind nicht schmeichelhaft oder sexy, wie es dich das Fernsehen glauben macht. Das ist alles."

Jim Hopper, Polizist und Ziehvater von Eleven, wurde schon immer eher griesgrämig dargestellt, hat (aus Gründen) Probleme damit, Gefühle zu zeigen oder Menschen an sich heran zu lassen. 

Doch in der dritten Staffel "Stranger Things" erleben wir Hopper eifersüchtig und sogar gewalttätig und übergriffig.

Spoiler-Warnstufe orange

Wir verraten hier etwas über die Serie oder den Film. Nicht das komplette Ende. Nicht die Mörder-Überraschung. Falls du dich aber ärgerst, wenn wir hier gleich Ereignisse vorwegnehmen: Lieber erst anschauen und dann hierher zurückkommen.

Abgesehen davon, dass er viel zu früh und unnötig Gewalt anwendet – zum Beispiel wenn er Bürgermeister Larry Kline oder den – ihm körperlich total unterlegenen – russischen Wissenschaftler Alexei verhört. Sein Verhalten Joyce und Eleven gegenüber ist zum Teil schon beängstigend, wird aber harmlos, fast schon liebenswert verkauft. Um nur einige Beispiele zu nennen: 

  • Zuerst Eleven: Sie und Mike sind inzwischen fest zusammen. Hopper hat nur die Regel, dass die Tür zu Elfies Zimmer immer zehn Zentimeter auf bleiben muss – was er allerdings mit viel Gebrüll durchsetzt. Liebender Vater, der ganz witzig unbeholfen ist, weil seine Tochter erwachsen wird? Vielleicht, aber seine Art das zu zeigen, ist unnötig bedrohlich.
  • Und Joyce: Sie trauert. In der zweiten Staffel sieht Joyce, wie ihr Partner Bob von Demogorgons getötet wird. Dass sie das auch nach 18 Monaten beschäftigt, sehen wir an Rückblenden, die zeigen, dass sie immer noch an die Situation denkt, oder auch an einem Bild von Bob, das am Kühlschränk hängt. Wir sehen es auch daran, dass Joyce eine Verabredung mit Hopper ablehnt, um alleine zu Hause beim Essen "Cheers" zu gucken – so wie sie es zuvor immer mit Bob getan hat.
  • Hopper lässt sich von der Absage aber nicht unterkriegen, er versucht es wieder. Denn wie so oft in Filmen und Serien werden Männer, die um eine Frau kämpfen, selbst wenn sie schon nein gesagt hat, als besonders liebenswert dargestellt – selbst wenn sie dabei Grenzen überschreiten.
  • Er versucht durch Tricks, an sie ran zu kommen: Behauptet, freundschaftlich mit ihr reden zu wollen, lädt sie aber in ein romantisches Restaurant mit Streichern ein. Es ist an der Situation einfach offensichtlich, dass das Treffen für Hopper als Date gemeint war, auch wenn er Joyce gegenüber etwas anderes behauptet hat. 
  • Als sie ihn versetzt, betrinkt er sich in dem feinen Restaurant, wankt nach Hause und in dem Glauben, dass Mike gerade bei Elfie ist, reißt er ihre Tür auf und will schon losbrüllen. Zum Glück ist nur ihre Freundin Max da. Was wohl geschehen wäre, wenn tatsächlich Mike da gewesen wäre? 
  • Als er Joyce mit dem geplatzten Abendessen konfrontiert, versucht sie, ihm zu erklären, dass wieder Übernatürliches in der Stadt vorgeht. Nach den Geschehnissen der letzten beiden Staffeln sollte man meinen, dass Hopper da empfänglich drauf reagiert. Stattdessen lässt er sich nur eifersüchtig darüber aus, dass sie für ihre Nachforschungen beim Physiklehrer der Jungs war.

Das sind nur einige Beispiele aus den ersten Folgen der neuen Staffel: Immer wieder zeigt sich Hopper rücksichtslos, geht nicht auf Joyce und ihre emotionale Situation ein, sondern macht ihr sogar Vorwürfe, ist eifersüchtig und aufbrausend.

Aber: "Stranger Things" ist doch nur eine Fernsehshow und spielt in den Achtzigerjahren, oder?

Ein Argument, dem auch Evan Rachel Wood nach ihrem Tweet begegnet. Hoppers Verhalten macht das aber nicht besser. 

Trotzdem handelt es sich bei der Serie um eine Produktion aus dem Jahr 2019. Da sollte ein Verhalten wie das von Hopper nicht als liebenswert dargestellt werden. Man soll ihm seine Attitüde verzeihen, weil man ja eigentlich weiß, dass er einen weichen Kern hat. Er ist halt doch ein Lieber unter dieser rauen Schale? Dann sollte er an sich arbeiten. 

Im realen Leben würden wir unsere Freundinnen vor einem Typen wie Hopper warnen. 

Er nimmt keine Rücksicht auf deine Bedürfnisse? Er rastet schnell aus, ist eifersüchtig, brüllt und verprügelt Menschen? Lass die Finger von ihm!

Egal, ob 80er, 00er oder im Jahr 2019. 


Future

Das Jobtrio erklärt: Wie kann ich offen queer sein, ohne ständig darauf reduziert zu werden?

Heterosexuelle Kolleginnen und Kollegen erzählen bei der Arbeit wie selbstverständlich von ihren missratenen Dates, romantischen Ausflügen zu zweit oder dem bevorstehenden Pärchen-Urlaub. Queere Menschen zögern oft: Oute ich mich am Arbeitsplatz? Oder lasse ich es lieber sein?

Tatsächlich verschweigen viele queere Menschen bis heute ihre Identität im Job: In einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von 2017 waren es etwa ein Drittel der befragten Lesben und Schwulen und mehr als die Hälfte der trans- und bisexuellen Befragten. Kein Wunder: 

Drei von vier Teilnehmenden der Studie gaben an, im Job bereits Diskriminierung erlebt zu haben. Offen queer bei der Arbeit? Das ist noch immer eine Grundsatzentscheidung.

Wer im Büro oder der Werkstatt mit der eigenen Identität offen umgeht, muss leider immer noch mit unangenehmen Nachfragen und Kommentaren rechnen.

  • "Wer ist bei euch denn die Frau?"
  • "Schminkst du dich als Lesbe eigentlich?"
  • "Triffst du dich privat eigentlich nur mit Leuten, die auch so sind?"

Oft ist es vielleicht nicht einmal böse gemeint, überschreitet aber dennoch eine persönliche Grenze. Wie kann man damit umgehen? Das Jobtrio sucht Antworten.