Trennung ohne Trennungsschmerz, wie soll das gehen?

Leere, weite Wüste, mittendrin Rey, ohne Ausrüstung, nur ein Lichtschwert an ihrem Gürtel. Aus der Ferne kreischt ein Tie-Fighter immer näher heran. Rey greift sich ihr Schwert und beginnt zu Laufen. So beginnt der erste Teaser zu "Star Wars: The Rise of Skywalker", der mitten ins "Game of Thrones"-Fieber platzt.

Im Dezember kommt der 9. und "letzte Teil" der Saga in die Kinos. "Every generation has a legend", jede Generation hat ihre Legende, heißt es zu den Bildern von Rey. Unsere Eltern hatten Luke Skywalker, zwischendrin ging es um Anakin Skywalker, jetzt sind wir dran.

Wer den Tie Fighter steuert? Wir sehen nur Handschuhe. Es könnte Kylo Ren sein, der im 8. Teil von Rey im Lichtschwert-Kampf vermöbelt wurde. Der taucht schließlich auch danach auf, in einer kurzen Szene in einem Wald, zusammen mit Stormtroopern irgendwelche Nebenfiguren wegmetzeln.

Dann, nächste Mini-Szene, schweißt jemand an der Maske herum, die Kylo in "Star Wars: The Last Jedi" wütend kaputt gemacht hat. So weit, so böse. 

Zeit für die Lichtgestalten: In den verbleibenden 40 Sekunden tauchen Finn und Poe Dameron auf, Kugelroboter BB-8 und ein neuer kleiner Gefährte, Lando fliegt im Millennium Falcon mit Chewbacca, Finn und Poe zusammen mit C-3PO.

Schließlich befühlt General Leia eine der Medaillien, die sie einst Luke und Han verliehen hat (es wird doch nichts passiert sein?) und umarmt Rey, die eine einzelne Träne weint. "No one is really ever gone", niemand ist wirklich für immer weg, sagt die Stimme von Luke Skywalker. "We'll always be with you", wir werden immer bei dir sein.

Ist das nun Trost oder Drohung?

Das ist ein Trost für alle, die schon jetzt den übernächsten "Star Wars"-Film kaum erwarten können. Oder eine Drohung für die andere Hälfte der Menschheit, der Hollywoods Obsession mit endlosen Neuauflagen und Fortsetzungen einst netter Ideen langsam gehörig zusetzt. Schon jetzt ist klar: "Star Wars" geht auch nach "The Rise of Skywalker" mit neuen Filmen weiter.

Es ist ja nicht nur die 42 Jahre alte Weltraum-Saga. Auch das Ende von "Game of Thrones" und das Ende von Marvels "Avengers" sind jeweils nur ein halber Abschied. Es geht immer weiter. Noch ein Spin-off, noch eine Fortsetzung. Bei den Superhelden-Filmen wird das in den kommenden Jahren noch extremer. Aber auch "Game of Thrones" bekommt ein Prequel.

Selbst wenn im neuen "Star Wars"-Film irgendjemand sterben sollte, lebt die Figur für immer weiter. Weil sie auf mehr oder weniger magische Art und Weise wieder zum Leben erweckt wird. Oder weil in einem anderen Film einfach eine Vorgeschichte nochmal erzählt wird. Hollywood versucht, die Trennung ohne Trennungsschmerz zu perfektonieren.

Mit dramatischen Geigenteppichen und Bildern in Zeitlupe werden gigantische Schicksalsschläge verarbeitet, die Gefühle maximal aufgedreht, tropfende Tränen. Nur damit ein paar Zeitreisen, Zaubertricks und Filme später alle wieder da sein. Niemand ist wirklich für immer weg.


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