In Wahrheit ruinieren sie nicht mal die Serien.

"Game of Thrones" ist zurück. Und damit auch der größte natürliche Feind der Game of Throne-Fans: der Spoiler.

Vor Kurzem veröffentlichte mein Kollege Basti an dieser Stelle einen Text, in dem er schrieb, Menschen, die Fakten über den Fortgang dieser TV-Serie verrieten, gehörten, Zitat, "ins Drachenfeuer". Ihm und allen anderen, die im Internet, im Büro oder im Bus die Hände auf die Ohren schlagen, sobald jemand das Gespräch auf seine geliebte Serie bringt, möchte ich höflich, aber bestimmt, antworten: Regt euch ab!

Denn Spoiler sind wirklich nicht so schlimm, wie manche Menschen meinen.

Ja, okay – neunmalkluge Menschen, die anderen absichtlich den Spaß an etwas verderben wollen, kann niemand leiden. Doch abgesehen davon spricht eigentlich alles gegen die Spoiler-Panik.

Zu wissen, wie eine Geschichte ausgeht, ist nur ein winziger Bruchteil dessen, was eine Serie oder einen Film gut macht.

Titanic haben damals doch auch alle geschaut, obwohl sie wussten, dass das Schiff irgendwann untergeht.

Natürlich erzeugt es Spannung, wenn man das Ende einer Geschichte nicht voraussehen und auf die Auflösung hinfiebern kann. Aber noch interessanter ist doch eigentlich der Weg dorthin. Bei einer Serie oder einem Film sind es gute Dialoge, mitreißende Schauspieler, schöne Kamerafahrten oder ein bewegender Soundtrack, die aus einer simplen Geschichte ein Erlebnis machen. Bei einem Buch freut man sich über geschliffene Sätze, lebendige Charaktere und treffende Beschreibungen. So großen Wert auf Spoilerfreiheit zu legen, ignoriert völlig die anderen Qualitäten eines Werks.

Und umgekehrt gesagt: Wenn das einzig Interessante an einer Serie ist, dass irgendetwas Unvorhergesehenes passiert, dann ist es vielleicht einfach keine besonders gute Serie. Genauso, wie ein Horrorfilm, der nur auf plumpe Schockmomente setzt, kein guter Horrorfilm ist.

Wie wenig die bloßen Fakten einer Handlung ausmachen, sieht man auch daran, dass aus einer guten Geschichte durchaus ein miserabler Film werden kann.

"The Great Gatsby", ein zeitloser, faszinierender Roman, wurde in der Verfilmung von Baz Luhrmann zum seelenlosen Effekt-Feuerwerk. Oder im Gegenteil: Aus einer sehr schlichten Handlung kann ein wirklich schöner Film werden, so wie bei "Lost in Translation": Zwei einsame Menschen sind in einem Hotel in Tokio, sie ziehen ein bisschen durch die Stadt, kurz haben sie ein bisschen Streit, aber dann ist es wieder okay. Eigentlich weiß man am Ende des Films nicht mal, wie er ausgeht. Trotzdem hatte man zwei sehr gute Stunden.

Ich finde sogar: Spoiler sind nicht nur nicht schlimm, sondern manchmal sogar hilfreich. 

Achtung, Spoiler!

Im nächsten Abschnitt geht es um das Ende von "How I Met Your Mother" – falls du das nicht wissen willst, bist du hiermit gewarnt.

Denn sie bewahren den Zuschauer auch davor, sich lange mit einer Serie zu beschäftigen, die dann irgendeine völlig bescheuerte Richtung einnimmt. So war ich zum Beispiel sehr froh, schon früh aus "How I Met Your Mother" ausgestiegen zu sein – und mir nicht neun Staffeln reinzuziehen, nur um zu sehen, dass die namensgebende "Mother" innerhalb von fünf Minuten abgemurkst wird, um Platz für die Frau zu machen, der Hauptfigur Ted SCHON IN DER ERSTEN FOLGE seine Liebe gestand.

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Manchmal spoilere ich mich deshalb schon nach ein paar Folgen einer Serie selbst – und lese die Zusammenfassung bei Wikipedia. Ich schaue, wie das Ganze ausgeht, ob es blöde Plottwists, Cliffhanger oder sonstige potenzielle Aufreger gibt. Eine Serie bedeutet immer ein Investment von Zeit. Und wie jeder smarte Investor möchte ich einfach wissen, ob sich das lohnen wird. 

Dass Spoiler halb so wild sind, sagt übrigens auch die Wissenschaft. 

US-amerikanische Psychologen untersuchten 2011 in einer Reihe von Experimenten, inwiefern sich Spoiler auf den Genuss von Geschichten auswirkten. Dazu wurden den Probanden die gleichen Geschichten vorgelegt, manche wurden gespoilert, andere nicht. Das Ergebnis: Obwohl die Versuchsteilnehmer generell der Meinung waren, dass Spoiler eine Geschichte verderben, hatten diejenigen, die das Ende schon kannten, sogar mehr Freude beim Lesen der Geschichten und bewerteten sie besser. (Psychological Science)

Doch davon mal ganz abgesehen: Am Ende ist es halt auch einfach nur eine verdammte Fernsehshow. 

Wer am Ende der finalen Staffel "Game of Thrones" den Eisernen Thron besteigt, hat nicht die geringsten Auswirkungen auf dein Leben. Also tut bitte nicht so, als wäre ein Spoiler ein Kapitalverbrechen.


Fühlen

Wie Instagram unser Datingverhalten verändert
Wie das Instagram-Profil heute Kontaktliste, Visitenkarte und Handynummer ersetzt

Swipe nach rechts, Match, Smalltalk. "Wie geht's dir? Was machst du?" Bei Tinder war neulich alles wie üblich. Chemie passt. Zeit für den nächsten Schritt: die Handynummer.

"Wir können unsere Instagram-Namen austauschen, wenn du magst", sagt das Date. Ich bin verwirrt. Instagram? Will er nicht per Messenger schreiben? Will er erst noch einen Blick auf meine Urlaubsfotos, mein Mittagessen oder aus meinem Büro werfen – bis er sicher ist, dass er sich weiter unterhalten will?

Aber er hat Recht – und ich bin der Zeit hinterher. Statt Handynummern tauschen wir heute Profilnamen. Und zwar nicht nur beim Dating, auch Freundinnen und Freunde oder Kolleginnen und Kollegen lernen wir über ihre Insta-Feeds besser kennen. Das hat gerade auch das US-Magazin The Atlantic festgestellt.

Instagram ersetzt die Kontaktliste, den Whatsapp-Chat und die Visitenkarte. Sind wir ehrlicher mit unserem Privatleben? Welches Kommunikationsverhalten steckt dahinter?

Eigentlich bedeutet die Frage nach dem Instagram-Profil so etwas wie: "Hey, ich möchte Fotos von deinem Privatleben sehen." Nur, dass das keiner seltsam findet. Wir müssen heute niemanden mehr heimlich stalken, sondern werden direkt dazu eingeladen. Hier bin ich, und das war letzten Sonntag mein Frühstück – bitteschön!

Ich schicke dem Date meine Instagram-Handle und folge ihm zurück. Da sind Surf-Bilder mit Kumpels, Fotos aus seiner Heimat Italien und viele Städtetrips. Dann noch ein Absolventenbild von der Uni. Aha! Er ist also gerne viel in der Welt unterwegs, auch beruflich. Dafür vermisst er die Sonne und das italienische Essen. Sport macht er am liebsten mit Freunden oder der Fußballmannschaft. Klingt gut.

Klar, denn Instagram ist eine perfekte Version von uns.

Aber es ist noch mehr. Bei meinen Freunden kenne ich mittlerweile die Insta-Namen auswendig – egal wie verrückt sie sind. Das ist wie früher, als man 12 Jahre alt war und die Festnetznummer der engsten Freundinnen im Kopf hatte.