Spoiler-Warnstufe orange

Wir verraten hier etwas über die Serie oder den Film. Nicht das komplette Ende. Nicht die Mörder-Überraschung. Falls du dich aber ärgerst, wenn wir hier gleich Ereignisse vorwegnehmen: Lieber erst anschauen und dann hierher zurückkommen.

Von wegen, alle wollen gerade "La La Land" sehen: An der Spitze der deutschen Kinocharts steht gerade der Horror-Thriller "Split", auch in den USA dominiert der Psycho-Streifen mit James McAvoy in der Hauptrolle. Warum eigentlich? Ein Kinobesuch.

Worum geht’s?

Drei junge Mädchen werden entführt und in einem Keller eingesperrt. Ihre Bestimmung ist bald klar: Sie sollen sterben.

Der Täter ist Kevin Wendell Crumb – der unter einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung leidet. 23 verschiedene Persönlichkeiten übernehmen abwechselnd die Kontrolle über seinen Körper. Nicht alle sind den Mädchen feindlich gesinnt. Doch jede von ihnen kündigt das Kommen "der Bestie" an, die die Gefangenen verschlingen soll. Ob diese Bestie ein weiterer Täter, die 24. Persönlichkeit von Crumb oder ein reines Hirngespinst ist? Das bleibt lange offen.

Hinter "Split" steckt der Regisseur M. Night Shyamalan, der schon mit Filmen wie "The Sixth Sense", "The Village" oder "The Visit" für düstere Überraschungsmomente sorgte.

Was ist das Gruselige daran?

Der Film kombiniert gekonnt klassische Horror-Motive: Die drei jungen, attraktiven Frauen werden während ihres Überlebenskampfes immer schutzloser – nach und nach bringt Crumb sie in der Kelleranlage getrennt voneinander unter und zwingt sie, Teile ihrer Kleidung abzulegen. Das "final girl", das die Folter in vielen Horrorfilmen übersteht, gibt es auch in "Split" – hier ist sie aber nicht besonders jungfräulich, sondern wie Crumb Opfer von Kindesmissbrauch geworden.

Die dissoziative Persönlichkeitsstörung, die Horror-Fans aus Filmen wie "Psycho", "Identität" oder "Shelter" kennen, wird hier um ein vielfaches gesteigert: Crumbs Körper wird ständig von den 23 unterdrückten Teilen seiner Persönlichkeit gekapert. Mal ist er Dennis, ein Reinlichkeitsfanatiker, der ein gestörtes Verhältnis zu Frauen hat. In der nächsten Minute wird er selbst zur Frau. Dann wieder übernimmt der neunjährige Hedwig die Kontrolle und sagt verschämt, nachdem er zum ersten Mal ein Mädchen geküsst hat: "Vielleicht bist du jetzt schwanger."

Auch das angekündigte, aber bis zum Schluss hinausgezögerte Auftreten der Bestie ist ein klassisches Stilelement: Am größten ist die Angst vor dem Unbestimmten; vor dem Monster, das man nicht sehen kann, von dem man aber weiß, dass es auf einen lauert.

Wer will das sehen?

Psycho- und Horrorfilme sind vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene interessant, sagt der Philosoph, Medienwissenschaftler und Pädagoge Matthias Rath, Professor an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Mit zunehmendem Alter ginge das Interesse an ihnen meist verloren, ab 50 schalte kaum noch jemand ein. Junge Menschen aber strömen mit Freund, Freundin oder der gesamten Clique ins Kino. Auch weil die Alten sie eben nicht gucken.

Für sie hat der Horror laut Rath zwei wichtige Nutzen: Erstens werden sie durch Gespräche über das Gesehene mit eigenen Ängsten fertig. Zweitens wirken diese Unterhaltungen wie sozialer Kitt innerhalb der peer group: Ältere Autoritätspersonen wie Eltern, Lehrer und Chefs sind als Gesprächspartner über diesen Nervenkitzel nämlich vollkommen ausgeschlossen.

Was überrascht an Split?

Die größte Überraschung ist, dass bis kurz vor Schluss jede Überraschung fehlt. Denn Regisseur Shyamalan ist bekannt für seine WTW-Enden, die seine Filme im Finale in vollkommen neuem Licht erscheinen lassen. Im Gegensatz zu geheimnisvollen Trailern wie zu "The Village" verrät der Teaser für "Split" aber schon alles Relevante: die multiple Persönlichkeit des Protagonisten und sogar "die Bestie" wurden im Voraus angekündigt.

Wie lässt sich dann der Erfolg erklären?

Regisseur Shyamalan hat seit "The Sixth Sense" Kultstatus, Hauptdarsteller James McAvoy spätestens seit seiner Zeit als Professor Xavier in den "X-Men"-Filmen eine große Fangemeinde. In "Split" springt er gekonnt von Rolle zu Rolle – und schafft es, auch ohne Kostüm immer klar als die Persönlichkeit erkennbar zu sein, die ihn gerade kontrolliert. Hinzu kommt ein passendes Release-Datum: Die Konkurrenz der neustartenden Filme war gering.

Die Story ist zwar nicht innovativ, aber stabil spannend. Gerade das Motiv der dissoziativen Persönlichkeit befriedigt außerdem eine fundamentale Unsicherheit, die wir alle in uns tragen, sagt der Germanist und Filmwissenschaftler Eckhard Pabst von der Uni Kiel: "Wir können nie wirklich sicher sein, dass die Welt so ist, wie sie uns erscheint." "Split" treibt diese Angst mit 23 Persönlichkeiten in einem Körper auf die Spitze.

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