Was er gesagt hat – und warum das unangebracht ist.

Der YouTuber Simon Unge will auf die Folgen von Massentierhaltung hinweisen – und bemüht einen Nazi-Vergleich. In einem seiner neusten Videos zieht er Parallelen zwischen der Tierhaltung und dem Holocaust, also dem systematischen Töten von Millionen von Menschen durch die Nationalsozialisten.

Nach erster Kritik durch andere YouTuber und auf Twitter ist das Video verschwunden.

Das Video wurde ursprünglich am Freitag hochgeladen. Unges Produktionsfirma "flow:fwd" bestätigte bento, dass es nun wieder gelöscht worden sei. Gründe nannte eine Sprecherin nicht, Unge selbst wollte sich nicht äußern. Ob es ein neues Video zum Thema geben werde, sei noch unklar.

Wer ist Simon Unge?

Unge, bürgerlich Simon Wiefels, wurde als YouTuber für "Let's Play"-Formate bekannt, in denen Computerspiele vorgeführt, ausprobiert und kommentiert werden. Er gehört zu den erfolgreichsten deutschen Webvideo-Produzenten, mit seinen Videos erreicht er bis zu dreieinhalb Millionen Menschen. Bis Dezember 2014 veröffentlichte er seine Videos auf dem Kanal "ungespielt", dann zerstritt er sich mit dem Netzwerk Mediakraft, bei dem er unter Vertrag stand. Unge trennte sich von Mediakraft und eröffnete zweitweise einen neuen Kanal. Später reaktivierte er "ungespielt", auf dem er bis heute publiziert.

Worum ging es im nun gelöschten Video?

Mittlerweile macht der 27-Jährige in seinem Videos vor allem seine vegane Ernährung zum Thema. So auch in dem Video mit dem Holocaust-Vergleich. Der YouTuber "HerrNewstime" hat es hier in Ausschnitten dokumentiert.

Das sagt Unge im Video:

"Hör zu, ich möchte die Ereignisse im Zweiten Weltkrieg oder Adolf Hitler auf keinen Fall kleinreden. Das war absoluter Horror. Es wurden systematisch Millionen von Menschen getötet, anders denkende Menschen, Menschen, die nicht in das Weltbild reinpassten. [...] Nazis: Systematisches Töten von Millionen von Menschen. Massentierhaltung: Systematisches Töten von Tieren. Mehr will ich dazu gar nicht sagen."

Außerdem schlägt er vor, "Fleischesser hinter Gitter" zu stecken. 

Tatsächlich geht es bei dem Video nicht nur um vegane Ernährung – sondern auch um einen Streit mit einem YouTube-Kollegen. 

Das Video trug den Titel "LeFloid beleidigt mich als 'Vegannazi'", es war eine Antwort auf ein Video des ebenfalls bekannten YouTuber LeFloid. Dieser hatte ihn angegangen, nachdem Unge eine Kampagne gegen Milch gestartet hatte – "Milch ist Gift" – und dabei auch Fehlinformationen verbreitet hatte. Unter anderem hatte er behauptet, Kanada würde Milch aus seiner Ernährungspyramide streichen.

Warum ist der Vergleich unangebracht?

Massentierhaltung hat schlimme Folgen für den Klimawandel. Und Millionen Tiere werden unter fragwürdigen Bedingungen gehalten. Erst kürzlich wurden Berichte aus Schlachtereien bekannt, die McDonald's beliefern – und sich nicht an Tierschutzregeln halten. (bento)

Aber der Vergleich mit der Schoa, wie der Holocaust im Jüdischen genannt wird, ist aus Sicht vieler dennoch nicht angemessen. Der Verein Rias, der antisemitische Vorfälle dokumentiert, nennt Unge "geschichtsvergessen", sein Vergleich relativiere den Mord an Millionen von Menschen:

Auch wenn Unge also darstellen möchte, wie unmoralisch Massentierhaltung ist – vor allem Nachkommen und Angehörige von Holocaust-Opfern können sich durch den Vergleich beleidigt fühlen. Aus ihrer Sicht werden die Ermordeten so mit Tieren gleichgesetzt.

Wie geht es weiter?

Unge könnte eine Klage drohen – denn der Umgang mit dem Holocaust wird in Deutschland sensibel behandelt. 

Bereits 2004 musste die Tierschutzorganisation Peta eine Werbekampagne zurückziehen, bei der sie Bilder von Schlachttieren mit Fotos von in Konzentrationslagern Getöteten kombiniert hatte. Der Zentralrat der Juden hatte gegen die Darstellung geklagt und vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof Recht bekommen. (Der Tagesspiegel)

Auch wenn sich Unge nicht zum Holocaust-Vergleich äußert – beim Thema Veganismus hat er mittlerweile nachgelegt: In einem seiner neusten Videos bezeichnet er Olivenöl als "Gift".


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