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Auf ein Tatort-freies Weihnachtsfest!

Weihnachten ist das Fest der Traditionen: das gleiche Essen, die gleichen Sprüche, das gleiche Fernsehprogramm, alle Jahre wieder. Aber während man auf Essen und Sprüche oft nur bedingt Einfluss hat, ist beim Fernsehprogramm einiges drin – wenn man es denn schafft, die Verwandschaft langsam aber sicher in Richtung komplexer Handlungsstränge zu locken. 

Das Beste: Wenn man eine Serie gefunden hat, auf die sich alle halbwegs einigen können, spart man sich die Frage "Was wollen wir heute gucken".

Wir haben neun Serien gefunden, mit denen ihr eure Eltern und Großeltern vielleicht überzeugen könnt:

1. "The Crown" statt "Sissi"  (Netflix)

Ja, ja, Sissi ist eine Institution. Aber ganz ehrlich: Wir haben die Handlung nun doch verstanden. Und es gibt auch andere Würdenträgerinnen in Not. "The Crown" erzählt die Geschichte der jungen Queen Elizabeth II – wie sie unerwartet zur Monarchin wurde und wie schwer es für sie war, sich in die Rolle einzufinden. Wie sie Tutoren anheuerte, damit sie mit den Staatschefs mitreden kann. Wie ihre Ehe und die Beziehung zu ihrer Schwester unter dem Amt und seinen Regeln litt. Der Stoff ist bekannt und doch überrascht die Serie immer wieder, weil sie die heute ikonische Queen als junge, unsichere, fehlerhafte, aber auch mutige Frau zeigt.

"The Crown" ist gut gemacht, spannend erzählt, historisch ordentlich, mit schönen Sets und Kostümen und tollen Schauspielern. Aber nicht zu aufregend, nicht zu experimentell. 

So was mögen nicht nur Eltern, das ist sogar Großeltern-tauglich. Jackpot! 

2. "Bad Banks" statt "Tatort" (Netflix oder Amazon Prime)

Ja, "Bad Banks" ist wirklich so gut, wie alle sagen. Diese Serie kann mit jeder US-Produktion mithalten. Und mit den üblichen Krimis sowieso. Genauso spannend, weniger vorhersehbar strukturiert. Statt dem obligatorischen Toten in Minute sieben sehen wir zu Beginn Frankfurt in Panik nach dem Kollaps einer großen Bank. "Bad Banks" erzählt, wie es dazu kommen konnte

Es geht um die Branche im Ganzen – die man trotzdem nicht versteht, aber plötzlich sehr nah fühlt. Es geht aber vor allem auch um um Jana Liekam, eine junge, kluge und talentierte Investmentbankerin, für deren Darstellung Paula Beer zu Recht mehrere Preise bekommen hat. Es geht nicht um Moral, Klischees und Bildungsauftrag, und dadurch behält die Serie ihr Tempo, ihren Sog. Absolutes Qualitätsfernsehen.

Für Eltern, die den Tatort schätzen und bei James Bond nicht abschalten.

3. "Grace & Frankie" statt "Golden Girls" (Netflix)

Wieso haben Sender für Menschen über 60 eigentlich nur Vorabend-Schnarch vorgesehen? Unsere Eltern haben Smartphones, gehen auf Rockkonzerte, waren früher ständig demonstrieren und haben mehr gekifft als wir. Wer hat entschieden, dass die plötzlich langweilig sind? Gut, dass es Jane Fonda gibt. Ihr haben wir nicht nur Fitnessvideos, sondern auch Grace & Frankie zu verdanken. Und das ist die beste Sitcom über Frauen und Freundschaft im Rentenalter seit Golden Girls. 

Grace (Jane Fonda) ist die stets perfekt gestylte Gründerin eines Kosmetik-Imperiums. Frankie (Lily Tomlin) ist eine zerstreute Hippie-Künstlerin. Als ihre Ehemänner gestehen, dass sie eigentlich in einander verliebt sind und nicht in die Frauen, landen die beiden im gemeinsamen Strandhaus. Ab da stehen die ungleichen Freundinnen ihre Scheidungen, den Ruhestand und ihre besorgten Kinder gemeinsam durch. Und statt artig alt und langweilig zu werden, entwickeln sie lieber einen seniorinnenfreundlichen Vibrator. Urkomisch, warmherzig und realistisch. 

An Eltern getestet, von Eltern geliebt. 

4. "Queer Eye" statt "Shopping Queen" (Netflix)

Wenn Antoni, Tan, Karmo, Bobby und Jonathan das Leben total netter aber unsicherer Männer umkrempeln gibt es die seltene Kombination "Stil mit Herz". Statt einem gehetztem Sprint durch die Einkaufsstraße und gemeinen Kommentaren von Guido-Maria Kretschmer stellen bei "Queer Eye" fünf homosexuelle Männer das Leben eines anderen Mannes komplett auf den Kopf – in einer Woche. 

Antoni bringt ihm Kochen bei – und wie er besser für sich und andere sorgt. Tan (Mode) und Jonathan (Pflege) verpassen ihm einen neuen Look und ein besseres Selbstwertgefühl. Karmo (Leben) ist für die großen Meilensteine da: Outing bei Mama vorbereiten, die große Liebe zum Date einladen, so was. Und Bobby (Innendesign) renoviert nebenbei mal eben die komplette Wohnung. Am Ende haben sich alle unheimlich lieb. Der Mann der Woche ist am Ende jeder Folge inspiriert, schick angezogen und versucht zu kochen – und wir Zuschauer sind zumindest inspiriert und ab und zu zu Tränen gerührt. 

Für Eltern mit Freude an den schönen Dingen des Lebens.

5. "This is Us" statt "Rote Rosen" (Amazon Prime , Maxdome, Videoload, iTunes)

Andere Shows haben Spezialeffekte und Cliffhanger, "This is Us“ hat fantastische Schauspieler und tolle Skripte. Hier geht es nicht um Superhelden, Nazis, Drogenkartelle und Drachen. Hier geht es einfach nur um Familie und das Leben und die kleinen und großen Dramen, die viele durchmachen: Todesfälle, Arbeitslosigkeit, Sinnkrisen, Diäten, Liebeskummer, Schwangerschaften, Einsamkeit, Streit. Mit Zeitsprüngen und Flashbacks verfolgen wir das Leben der Familie Pearson. Die Eltern: Rebecca (Mandy Moore) und Jack (Milo Ventimiglia) erwarten Drillinge. Sie wollte eigentlich Sängerin werden, er kämpft mit seinen Erinnerungen an den Vietnam-Krieg. Es ist eine große Liebe, doch ein Happy End gibt es nicht.

36 Jahre später ist Tochter Kate (Chrissy Metz) in einem ständigen Kampf mit sich selbst und ihrem Übergewicht. Sohn Randall (Sterling K. Brown) ist Familienvater und extrem erfolgreich - bis ihm plötzlich alles zu viel wird. Und auch der dritte Sohn Kevin (Dustin Hartley), mittlerweile Schauspieler, ist unglücklich. In einem großartigen Wutanfall schmeißt er seine Hauptrolle in einer Sitcom hin. "This is Us“ ist so emotional wie kaum eine Serie derzeit.  Jeder Charakter ist vielschichtig, kompliziert und liebenswert und könnte alleine eine ganze Serie tragen. Die Familiendynamiken sind realistisch, nicht weichgespült. Da fliegen die Fetzen, da gibt es Schmerz, aber auch ganz viel Liebe. Wer hier nicht weint, ist aus Stein.


6. "Salt, Fat, Acid, Heat" statt "Kitchen Impossible" (Netflix)

Statt Profis dabei zuzusehen, wie sie sich in Edelstahlküchen gegenseitig überbieten reist man mit  Nasrat Samin um die Welt – und kriegt richtig Lust aufs Ausprobieren. Die persisch-amerikanische Köchin glaubt, dass jeder kochen kann - wenn man Salz, Fett, Säure und Hitze richtig einsetzt. Ihre Doku-Show bei Netflix widmet jedem Element eine Folge: In Japan lernen wir, wie mit Algen Meersalz gewonnen wird und Sojasauce in Fässern reift. In Italien besuchen wir Olivenhaine und Metzger, in Mexiko gibt es Salsa und Zitrusfrüchte und in Kalifornien wird gebrutzelt. Überall treibt Samin charmante Einheimische auf, die ihre Geheimnisse teilen.

Erfrischend: Wie leidenschaftlich, neugierig und authentisch Samin dabei ist. Hier steht keine glattgebügelte selbstverliebte TV-Persönlichkeit, sondern ein echter Mensch mit einer ansteckenden Freude an gutem Essen.

Für Eltern, die entweder Dokus oder Kochshows lieben – im besten Fall beides.

7. "Orange is the New Black“ statt "Hinter Gittern - der Frauenknast"  (Netflix)

Ok, "Orange is the New Black" haben viele sicher schon gesehen. Aber was ist mit den Eltern? Die Prämisse ist leicht erklärt - wie Frauenknast, nur besser. Die Charaktere sind spannend. Es gibt die in deutschen Wohnzimmern viel geliebte Gesellschaftskritik (siehe Tatort). Und man kann eigentlich nach der ersten Staffel aufhören - das passt für einen Feiertags-Binge.

OITNB ist eine praktische Mischung: Frustrierend und politisch genug, um anspruchsvollen Gesprächsstoff zu liefern Rassismus, Sexismus, Klassizismus und das ausweglose amerikanische Gefängnissystem, dabei aber auch immer wieder witzig und unterhaltsam. 

Und wenn es richtig gut läuft, hat man die Eltern relativ sanft auf den Seriengeschmack gebracht – wir wollen sie schließlich nicht direkt mit "Handmaids Tale“ oder "Game of Thrones“ schocken. Aber Achtung: Auch bei OITNB müsst ein paar recht explizite Sexszenen mit ihnen aushalten. 

8. "The World´s Most Extraordinary Homes" statt "Zuhause im Glück" (BBC / Netflix)

Wandtattoos mit inspirierenden Sprüchen, bunte Wände und neue Ikea-Möbel sind ja ganz schön. Aber wirklich ambitionierte Bauprojekte gibt es in der britischen Dokuserie "The World´s Most Extraordinary Homes".

Architekt Piers Taylor und Schauspielerin Caroline Quentin besuchen außergewöhnliche Häuser und Villen auf der ganzen Welt: einen modernen Palast in der Wüste, einen unterirdischer Hobbitbau in den Schweizer Alpen, ein luxuriöses Baumhaus und zeltähnliche Häuschen in Japan.
Sie erkunden die Gebäude, zeigen und erklären was sie so außergewöhnlich  macht und haben dabei ziemlich viel Spaß. Tolle Bilder, tolle Aussichten, ausnahmslos gutes Design. Das ist gute Unterhaltung für Architekturfans und Häuslebauer, die auch mal nebenbei laufen kann. Wer es einrichtungstechnisch lieber verrückt mag, kann auch „Amazing Interiors“ ausprobieren.

9. "Downton Abbey" statt Rosamunde Pilcher (Amazon Prime, iTunes) 

Klar, "Downton Abbey" ist mittlerweile selbst ein Klassiker unter den Historien-Serien: Schöne Menschen, schöne Landschaften, Großbritannien, eine gewisse Noblesse. Verkaufsargument für die Pilcher-Fans: "Sooo schöne Bilder! Und alles historisch akkurat! Und die Liebesgeschichten… so romantisch!" 

Verkaufsargument für Euch: Hier stecken die Schauspieler zwar in historischen Kostümen, aber in den Dialogen steckt auch trockener Humor (auch wenn er leider mit jeder weiteren Staffel abnimmt). Außerdem spielen sich hier Maggie Smith (aka Prof. McGonagall in "Harry Potter") und Rose Leslie (aka Ygritte aka "You know nothing Jon Snow" in "Game of Thrones") gegenseitig an die Wand. Und tatsächlich weiß man bei „Downton Abbey“ am Anfang noch nicht, wer am Ende mit wem am Ende ins Abendrot fährt… 

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