Bild: Netflix
Keine Partys, kein Urlaub – dafür viel Zeit zum Streamen.

Wegen des Coronavirus bleibt man zur Zeit am besten zu Hause, wenn man kann. So verbringen viele Menschen mehr Zeit vor dem Bildschirm als auf Partys oder im Fitnessstudio. Aber welche Serien soll man sehen, wenn man das Gefühl bekommt, alle schon zu kennen?

Wir haben fünf Shows gesammelt, die wir richtig gut finden – die aber noch nicht jeder gesehen hat.

Hier sind fünf unterschätzte Serien, die du jetzt schauen kannst:

"Sense8"

Für Phu ist die Serie mehr als bloß Science-Fiction-Drama – sie ist vorgelebte Utopie.

Worum geht es?
Acht Menschen unterschiedlicher geografischer und sozialer Herkunft, mit unterschiedlichen sexuellen Identitäten und Orientierungen finden heraus, dass sie mental und emotional miteinander verbunden sind. Diese Telepathie nutzen sie aus, um sich gegenseitig zu unterstützen: Im Kampf gegen Slum-Gangs, Drogenbosse, gewaltbereite Gefängniswärter oder transfeindliche Familienmitglieder. 

Warum lohnt sich die Serie?

Bei "Sense8" gibt es das, was sich viele von uns gerade sehnlichst herbeiwünschen: globale Menschlichkeit und Zusammenhalt. Individuen, die abseits von Gendervorstellungen, Milieus und Hautfarben friedlich koexistieren. Dass die Serie es schafft, Schubladendenken zu überwinden, kommt nicht von ungefähr: Regie und Idee stammen von den Matrix-Schöpferinnen Lana und Lilly Wachowski, beide Transgender-Frauen.

Für Fans von:
"Perfect Sense" oder "Cloudatlas"

Wo kann ich es gucken? 

Auf Netflix. Wegen der hohen Produktionskosten gibt es leider nur zwei Staffeln – aber dank Fan-Protesten noch ein zweistündiges Sonderfinale.

"My Name is Earl"

Marc bastelt in Zeiten der inneren Einkehr an seinem Karma.

Worum geht es?
Um einen miesen Verräter namens Zufall. Oder Karma. Oder Schicksal. Und dazwischen um die Frage, was es heißt, ein guter Mensch zu sein.
Earl Hockey ist ein Kleinkrimineller und nicht besonders sympathisch. Dann gewinnt er im Lotto – verliert aber sein Los direkt wieder. Earl kommt ins Grübeln: War das Karma? Er erstellt eine Liste mit allen Menschen, denen er jemals Unrecht getan hat. Und will alles wiedergutmachen. 

Warum lohnt sich die Serie?
Obwohl Earls Weg zur Wiedergutmachung der rote Faden der Serie ist, ist "My Name is Earl" nicht so moral-geschwängert, wie es klingen mag. Die Serie zeigt ihn und seine schrägen Freunde im White-Trash-Milieu, ohne sich über die Protagonisten lustig zu machen.
Einziges Manko: Nach vier Staffeln stellte der Sender NBC die Serie abrupt ein. Der Humor  ist bis zum Ende derbe und schwarz, die Auflösung eher nicht.

Für Fans von: 
"Scrubs", "Lovesick" oder "Californication"

Wo kann ich es gucken?
Auf Amazon oder iTunes.

"The Boys"

Leni hat genug von Standard-Superhelden.

Worum geht es?
Um die "Seven", eine Gruppe von Superhelden, die sich vom Rest der Welt verehren lassen – in Wahrheit aber skrupellose Egomanen sind, die von einem Großunternehmen durchvermarktet werden. Die Handlung setzt ein, als sich ein mysteriöser Ex-Agent und ein Durchschnittstyp, dessen Freundin von einem Superhelden getötet wurde, zusammentun. Ihr Ziel: der Welt zeigen, was hinter der Fassade der glorreichen "Seven" steckt.

Warum lohnt sich die Serie?
Dass Superhelden auch ihre dunklen Seiten haben, wissen wir aus den üblichen Marvel- und DC-Filmen. Doch während Batman und Konsorten dabei immer noch ehrenhaft bleiben, sind die "Seven" lupenreine Soziopathen. Das ist eine willkommene Abwechslung zum Superhelden-Overkill der vergangenen Jahre – und sehr, sehr unterhaltsam.

Für Fans von: 
Marvel- und DC-Produktionen, die davon aber eigentlich langsam genug haben.

Wo kann ich es gucken?
"The Boys" ist eine Amazon-Produktion und bei Prime Video zu sehen.

"Community"

Bastis Herz schlägt für ein außergewöhnliches "College".

Worum geht es?

Eine Gruppe von Losern, die an einem abgerockten Community College, einer besseren Volkshochschule, eine Lerngruppe bilden. Der Anwalt Jeff, der seinen Bachelor nachholen muss. Der Ex-Footballstar Troy, der in einen Konflikt zwischen Klempnern und Klimaanlagentechnikern gezogen wird. Aktivistin Britta, die mit ihrer eigenen Spießigkeit hadert. Und der x-fach geschiedene (und extrem rassistische) Millionenerbe Pierce (Chevy Chase!), der trotz seines hohen Alters nicht allein zu Hause sein möchte.

Warum lohnt sich die Serie?

Jede Folge ist wie ein kleiner Film, mit Meta-Anspielungen auf andere Filme und Serien, mit eigenem Stil und jeder Menge Wahnsinn. In der vielleicht schlechtesten Bildungseinrichtung der Welt ist alles möglich. Außer, dass man etwas lernt. Besonders machen "Community" die liebevoll entwickelten Charaktere – vom crossdressenden Schuldirektor (gespielt von Oscar-Gewinner Jim Rash) bis zur heimlichen Hauptfigur Abed. Der hat als einziger verstanden, dass er in einer Fernsehserie lebt. Seine Kommentare zum Geschehen machen aus der Show nicht bloß eine Sitcom, sondern ein Meta-Meisterwerk. 

Wer kann, schaut es auf Englisch, die Übersetzung kriegt den Wortwitz leider nicht so gut hin.

Für Fans von: 

"Scrubs", "Rick&Morty", "Hangover", Medienwissenschaften, Childish Gambino, LSD

Wo kann ich es gucken?

Seit dem 32. März auf Netflix. Wer diesen Insiderwitz nicht versteht: Bei Amazon kosten die Staffeln jeweils 10 Euro, bei Maxdome und iTunes etwa 20. 

"Milcheinschuss"

Susan schaut einer jungen Mutter dabei zu, wie die sich durch ihren neuen Alltag schlägt.

Worum geht es?

Um Audrey, die gerade Mutter geworden ist. Zwischen Schlafentzug und der verzweifelten Suche nach einem Babysitter vergleicht sie sich mit anderen Mamas in ihrer Elterngruppe und ärgert sich mit ihrer eigenen Mutter herum. 

Warum lohnt sich die Serie?

"Milcheinschuss" steckt voller liebenswürdiger Charaktere und großer Emotionen. Alison Bell, die nicht nur die Idee zur Serie hatte und eine der Autorinnen ist, spielt die Hauptrolle selbst – und wirkt dabei absolut authentisch. Trotz allen Dramas macht das Zusehen viel Spaß. Zum Beispiel, wenn Audrey gleich zu Beginn versucht, einen Dealer zu bestechen, damit der ihr im Auto schlafendes Baby nicht aufweckt. Oder, wenn sie einen Kuchen für einen Kindergeburtstag backt, der weniger wie ein Elefant, sondern mehr wie ein Penis aussieht. 

Für Fans von:

"Working Moms", "The Marvelous Mrs. Maisel" und "Fleabag" 

Wo kann ich es gucken?

Auf Netflix (im Original mit Untertiteln).


Gerechtigkeit

Virale Propaganda: Wie junge Rechtsradikale Buzzfeed kopieren wollen
Die Macher haben enge Verbindungen zu AfD-Politikern und ins rechtsextreme Milieu

"Fritzfeed" verspricht "Unterhaltung ohne Gendersternchen". Zumindest sprachlich scheint die Seite dieses Versprechen bislang zu erfüllen. Das Portal gibt sich harmlos, ist aber ein weiterer Ansatz, rechtsradikale Inhalte jugendtauglich als Lifestyle zu verkaufen.

Erst seit wenigen Tagen ist die Seite online. Mit ihren Artikeln in Listenform und Quizzen wirkt sie wie der Versuch einer rechten "Buzzfeed"-Kopie. Statt um Disneyfilme und Urlaubsziele geht es hier jedoch um Trump-Zitate, kriminelle Ausländer und Skepsis am Klimawandel, ergänzt durch bunte Grafiken, die direkt auf Instagram und Facebook landen.

Recherchen von bento und netzpolitik.org zeigen, dass der Gründer der Seite seit Jahren in der rechten Szene aktiv ist. Er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben nicht nur enge Verbindungen zu AfD-Politikern und der Jungen Alternative (JA), sondern auch ins rechtsextreme Milieu rund um die Identitäre Bewegung (IB) und zu anderen Medien, die teils vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

Die bunte Aufmachung der Seite kann nicht lange darüber hinwegtäuschen, dass die Seite rassistische und rechtsradikale Botschaften transportiert. So heißt es auf "Fritzfeed" etwa, Vergewaltigungen seien "in der südafrikanischen Lebensweise tief verwurzelt". Gleich mehrere Artikel beschäftigten sich obsessiv mit Muslimen. An anderer Stelle kokettiert die Seite mit rechten Geschichtsbildern. Der Film "Stalingrad" wird unter anderem empfohlen, weil er "ohne blindes Wehrmacht-Bashing" auskomme, der Untergang des Römischen Reichs wird mit "überhöhtem Ausländeranteil" und "Dekadenz" begründet und mit der Gegenwart verglichen.

Neue Strategie der rechten Szene

Aus Sicht von Miro Dittrich, Referent der Amadeu-Antonio-Stiftung, soll die Seite gezielt an bekannte Angebote erinnern: "Fritzfeed ist der offensichtliche Versuch, ein sehr niedrigschwelliges, witziges Portal zu schaffen. Die Strategie ist, über ein sehr simples Angebot Leute zu erreichen, die noch nicht in der Szene sind, und die eigenen Anhänger zu unterhalten."

Eine Woche nach Start lässt sich der Erfolg der Seite schwer einschätzen, doch rechte Aktivisten werben in sozialen Medien seit Tagen für "Fritzfeed". "Ein neues, freches patriotisches Portal", twitterte etwa Max Otte, Mitglied der ultrakonservativen CDU-Gruppierung WerteUnion.

Über die "Fritzfeed"-Macher war bislang kaum etwas bekannt. Kein einziger Artikel wurde unter Klarnamen verfasst. Auf Profilen sind Nachnamen gekürzt, ein Großteil der Beiträge erscheint anonym. Im Impressum steht ein Name: Christian Schäler.

Bereits seit Jahren in der Planung

Der heute 27-Jährige meldete "Fritzfeed e.K." bereits im November 2018 als Firma an. Auf Nachfrage bezeichnet er sich als "Inhaber und Chefredakteur". Die Inhalte der Seite stammten von "aktuell zwölf Personen".

Welche Strukturen stecken hinter dem aufwändigen Projekt? Und wer könnte davon profitieren?

Die im Handelsregister hinterlegte Adresse von Schälers Unternehmens führt nicht zu seinem Wohnort, sondern an den Hohenzollernring in Köln. Offiziell hatte das Unternehmen dort seinen Gründungssitz – am selben Ort, an dem damals auch die Kanzlei des Rechtsanwalts Roger Beckamp war. Dieser sitzt seit 2017 für die AfD im Düsseldorfer Landtag. Dort ist der baupolitische Sprecher vor allem für seinen YouTube-Kanal mit 31.000 Abonnenten bekannt.

AfD-Abgeordneter bestätigt Unterstützung

Beckamp verbreitete als einer der ersten die Inhalte von "Fritzfeed". Auf Twitter bezeichnete er die Seite als "kleines Licht in dunkler Zeit". "Ich bin nicht an dem Projekt beteiligt, ich bin lediglich in Einzelfragen rechtlich als Anwalt tätig", teilt er schriftlich mit. Er betreue den Betreiber der Seite juristisch.

Im Impressum von "Fritzfeed" taucht inzwischen eine weitere Adresse Beckamps auf, ein Wohnhaus im Westen von Köln. Auf dem Klingelschild dort ist wenig von einer Kanzlei zu sehen, nicht einmal Beckamps Name steht dort. Ein Blick ins Wahlregister zeigt, dass der Anwalt die Adresse bereits 2014 als Hauptwohnsitz angab, als er für den Kölner Stadtrat kandidierte. Beckamp teilt mit, er stelle die Adresse bei Bedarf "auch Mandanten zur Verfügung, dies ist bei Anwälten üblich".

Mehr Kontakt als eingeräumt

Beckamps Kontakt zum "Fritzfeed"-Gründer ist allerdings deutlich umfangreicher als er ihn in seiner E-Mail darstellt. bento und netzpolitik.org liegen Fotos vor, die belegen, dass Schäler Beckamp seit Jahren wiederholt bei seiner politischen Arbeit unterstützte.

Immer wieder begleitete der heutige "Fritzfeed"-Gründer den AfD-Politiker demnach als Kameramann für seinen YouTube-Kanal. Im April 2019 drehte das Duo bei gleich zwei Demonstrationen in Köln.