Es gibt Serien, die kennt jeder. Game of Thrones zum Beispiel oder Breaking BadThe Walking Dead oder die Gilmore Girls. Diese Serien haben mindestens durch ihre große Bekanntheit eine Daseinsberechtigung. Doch was ist mit den Serien, die mindestens genauso gut sind, aber die niemand kennt? Die bento-Redakteure verraten ihre liebsten – aber leider total unbekannten – Serien und erzählen, warum du sie unbedingt anschauen solltest.

Baha empfiehlt: "Black Sails"

Black Sails räumt mit dem Klischee des lustigen Piraten (danke Disney, danke Jack Sparrow) auf und zeigt stattdessen: politische Komplotte, blutige Schlachten und zornige, blutrünstige, gewalttätige, aber gleichzeitig auch liebenswürdige Piraten. Ich kam auf die Serie, als sie ihre Premiere auf ProSieben hatte. Zu den Zeiten, als da mehr als "The Big Bang Theory" lief.

Worum es in Black Sails geht:

1715, Captain Flint (Toby Stephens), der gefürchtetste aller Piraten, segelt durch die Karibik, auf der Suche nach dem spanischen Kriegsschiff "Urca de Lima", das einen wertvollen Goldschatz an Bord hat. Flint braucht das Gold, um seinen eigenen Feldzug gegen die britische Krone zu führen und sich selbst zum König der Piraten zu ernennen.

Doch auch andere Mitspieler der Pirateninsel Nassau beanspruchen den Schatz für sich, wie der feige aber gewitzte John Silver (Luke Arnold), die strenge Chefin der Insel, Eleanor Guthrie (Hannah New), oder auch andere Piraten-Crews.

"Black Sails" ist die Vorgeschichte zu Robert Louis Stevensons Roman "Die Schatzinsel" und integriert auch echte historische Ereignisse und Personen.

Die Serie des amerikanisches Kabelsenders "Starz" lief leider nur vier Staffeln lang, weil ihr Erfolg hinter den Erwartungen zurückblieb – vermutlich, weil die Menschen genug von Piraten hatten (danke Disney, danke Jack Sparrow). Und das, obwohl Michael Bay ausführender Produzent war. Auch in Deutschland lief nur die erste Staffel auf ProSieben und wurde dann schnell auf ProSieben Maxx abgeschoben.

Deswegen liebe ich Black Sails:

Was in den ersten Folgen noch wie die klassische "Pirat sucht Gold zum Verbuddeln"-Geschichte wirkt, entpuppt sich schnell als so viel mehr. Auch, wenn sich der Schatz als Roter Faden durch alle Staffeln zieht, ist das Wichtige die Handlung drumherum: der Kampf um die Freiheit, gegen das Establishment und ja, auch für die Liebe.

Die Charaktere sind dreidimensional geschrieben und gespielt. Jeder Schauspieler verkörpert die Motivation seiner Rolle perfekt, allen voran Toby Stephens. Die Handlung und die Nebenhandlungen werden fast nie langweilig und ein Plot-Twist jagt den nächsten. Man lernt Charaktere mit der Zeit zu lieben, die man vorher gehasst hat und wächst mit ihnen.

Vor allem erzählt "Black Sails" eine tragische Geschichte von gebrochenen Menschen, die nicht mehr unter den Regeln der Gesellschaft leben wollen und dafür alles riskieren.

This is how they survive (...) They paint the world full of shadows and then tell their children to stay close to the light. Their light. Their reasons, their judgements. Because in the darkness there'd be dragons. But it isn’t true. We can proof that it isn’t true. In the dark there is discovery, there is possibility, there is freedom.
Captain Flint

"Black Sails" ist offiziell auf YouTube und dem "Starz Channel" von Amazon Prime zu sehen.

Selma empfiehlt: "Wynonna Earp"

Diese Serie lässt sich eigentlich mit einem Wort beschreiben: BADASS. Von ihr habe ich ganz zufällig auf Instagram erfahren, als mir einige Szenen in den Feed gespült wurden.

Worum es in Wynonna Earp geht:

Wynonna, die Urenkelin von Wyatt Earp, jagt Dämonen, die ihr Urgroßvater vor langer Zeit ins Jenseits befördert hat. Hilfe bekommt sie dabei von ihrer Schwester Waverly, der Polizistin Nicole, Doc Holliday und dem Geheimagenten Xavier Dolls.

Hierzulande könnte die Serie vermutlich so unbekannt sein, weil es sich um eine amerikanisch-kanadische Produktion handelt und die Darstellerinnen und Darsteller größtenteils unbekannt sind. Das macht die Serie aber nicht weniger gut. 

Warum ich Wynonna Earp liebe:

Die Serie bietet so viele unglaublich starke Charaktere, eine mit sehr viel Feingefühl geschriebene Story und Frauenpower. Mit den Figuren Waverly Earp, Nicole Haught und Jeremy Chetri gibt es auch drei queere Charaktere in der Serie.

Obwohl Übernatürliches und Western nicht so mein Ding sind, muss ich zugeben, dass die zwei Genres in dieser Serie grandios kombiniert werden und ich bereits nach der ersten Folge zum Fan geworden bin.

"Wynonna Earp" ist in den USA auf dem SyFy-Channel zu sehen und in Deutschland auf Netflix.

Korinna empfiehlt: "The Path"

Ich bin mir nicht sicher, ob die Serie wirklich so unbekannt ist – trotzdem gibt es in meinem Umfeld niemanden, mit dem ich über "The Path" reden kann. Ich habe angefangen, es zu gucken wegen Aaron Paul ("Breaking Bad"), Michelle Monaghan ("True Detective") und Hugh Dancy ("Hannibal").

Worum es in The Path geht:

In der Serie geht es um eine Familie, die in einer Sekte lebt: die Meyeristen-Bewegung. Die Familie folgt nicht nur dem Glauben der Sekte, sondern wohnt auch auf einem Anwesen der Meyeristen. Sie leben und arbeiten komplett in dieser Welt, auch ihre Jobs haben sie über oder bei den Meyeristen gefunden. Eddie (Aaron Paul) lebt seit Jahren in der Sekte, seine Ehefrau Sarah (Michelle Monaghan) ist in der Sekte sogar aufgewachsen.

Der Sohn der Familie kommt als Teenager in das Alter, in dem er sich zu der Sekte bekennen müsste. Das bedeutet: von der Highschool abgehen und sich ganz der Sekte widmen. Doch da er sich gerade in eine Mitschülerin verliebt, wachsen in ihm Zweifel.

Im Zentrum steht aber Familienvater Eddie, in dem ebenfalls Zweifel heranwachsen. Doch wie verabschiedet man sich aus einer Sekte, in der man schon so tief verwurzelt und von der man komplett abhängig ist? Die einen natürlich nicht so leicht gehen lässt. Wenn die Menschen, die man liebt, den Glauben nicht verloren haben, ja, sogar damit aufgewachsen sind, gar nichts anderes kennen, und die "Außenwelt" ablehnen?

Darum liebe ich The Path:

Es wird nie deutlich benannt, aber natürlich spielt die Serie auf Scientology an. Viele erwähnte Geschehnisse und Handlungsstränge innerhalb der Serie kennt man aus den Erzählungen von echten Aussteigern.

Was ich besonders an der Serie mag, ist, dass es kein überdeutliches Richtig oder Falsch gibt. Eddie ist nicht der Held, der seine Familie aus den Fängen der bösen Sekte befreit. Seine immer noch gläubige Frau wird nicht als dumm dargestellt. Es geht um Glaube, innere Zerrissenheit und wie man damit in einer Beziehung zurecht kommt.

Aaron Paul ist in seiner Rolle außerdem einfach so gut, denn genau diese innere Zerrissenheit konnte er schon als Jesse Pinkman in "Breaking Bad" perfekt rüberbringen.

Es gibt bislang drei Staffeln von "The Path" auf Amazon Prime.

Ole-Jonathan empfiehlt: "El Chapo"

Ich habe eine Schwäche für True-Crime-Geschichten. Von Narcos begeistert, aber nicht vollends befriedigt, habe ich mich auf die Suche nach weiteren in Südamerika spielenden Serien gemacht. Als ich dann beim Stöbern "El Chapo" fand, war ich sofort begeistert.

Worum es in El Chapo geht:

Die Serie handelt vom größten Drogenboss der Welt: Joaquin "El Chapo" Guzman. Chapo war der Chef des berüchtigten Sinaloa Kartells, brach mehrmals aus dem Gefängnis aus, hat mehrere tausend Menschenleben auf dem Gewissen, war der meistgesuchte Mann in Mexiko, Staatsfeind der USA und ein Lebemann mit mehreren Ehen. Kurz: guter Stoff für eine spannende Serie. Zeitlich deckt die Serie sowohl die Jugend, den Aufstieg, als auch die Verhaftungen Guzmans ab. 

Der international unbekannte Marco de la O spielt den mexikanischen Drogenboss extrem authentisch und sorgt dafür, dass man als Zuschauer immer eine Mischung aus Sympathie und Ekel gegenüber seiner Figur empfindet. Zusätzliche Spannung erhält die Serie durch die Einflechtung von Originalaufnahmen Guzmans.

Doch El Chapos Geschichte ist nicht die einzige in der Serie. Schauspieler Humberto Busto spielt einen homosexuellen (fiktiven) Parteifunktionär, der im konservativen Mexiko ganz nach oben will und dabei Chapo immer wieder begegnet. Die Parallelen von Aufstieg und Fall der Hauptfiguren sind szenisch klug inszeniert und sorgen für reichlich Abwechslung. Die zwei extrem spannenden Handlungsstränge machen die Serie zum Binge-Garanten. Praktisch dafür: Es gibt bereits drei Staffeln.

"El Chapo" ist im Vergleich zu "Narcos" wahrscheinlich untergegangen, da Guzman medial keine so schillernde Persönlichkeit wie Escobar war: Er hatte schließlich keinen Privat-Zoo und hat sich nicht so stark inszeniert. 

Warum ich El Chapo liebe:

"El Chapo" ist kein "Narcos 2.0", wie manche Kritiker meinen. Die Schnittbilder und Kameraführung sind eines Hollywood-Action-Thrillers würdig und die Kulisse wirkt wesentlich authentischer als bei "Narcos".

Wenn man die Serie in der spanischen Originalfassung schaut, wird man durch die Hektik und Lautstärke direkt ins Geschehen hineingezogen und fiebert mit den Protagonisten mit. Noch bei keiner anderen Serie, habe ich so intensiv Gefühle nachvollziehen können.

"El Chapo" läuft auf Netflix.

Fabian empfiehlt: "Veronica Mars"

Kristen Bell spielte von 2004 bis 2007 die jugendliche Privatdetektivin "Veronica Mars". Auf den ersten Blick könnte es sich dabei um eine typische High-School-Serie handeln, doch sie ist viel mehr als das. Die Serie beinhaltet Elemente des Film Noir und behandelt viele ernste Themen.

Worum es in Veronica Mars geht:

Zu Beginn der ersten Staffel hat Veronica jeden Grund, pessimistisch durch das Leben zu gehen: Ihre Mutter hat sie verlassen, ihr Vater hat seinen Job als angesehener Sheriff der Stadt verloren, ihre beste Freundin wurde ermordet – und auf einer Party wird Veronica betäubt und anschließend vergewaltigt.

Doch Veronica Mars lässt sich nicht unterkriegen: In der Schule hilft sie den Underdogs, sich gegen die reichen, einflussreichen High-School-Schüler zu wehren. Nebenbei versucht sie, den Mörder ihrer besten Freundin zu finden.

Von Kritikern wurde die Serie von Anfang an gefeiert, eingeschaltet haben aber nur wenige. Nach drei Staffeln wurde die Serie eingestellt. Eine treue Fangemeinde gibt es aber bis heute – und diese halten "Veronica Mars" noch immer am Leben: 2014 kam ein Film zur Serie in die Kinos, der an die Ereignisse der Serie anknüpfte. Der Kinofilm wurde komplett von den Fans mit einer Kickstarter-Kampagne finanziert: Mehr als fünf Millionen US-Dollar sammelten sie dafür.

Warum ich Veronica Mars liebe:

Die Serie ist nicht nur spannend, besonders gut sind die sehr sarkastischen, messerscharfen Dialoge und das geschickte Storytelling. Es macht einfach Spaß, Veronica zuzusehen, wie sie es jedem zeigt. Kristen Bell ist dafür die perfekte Besetzung.

Menschen wie ich freuen sich schon auf das Jahr 2019: Dann wird es tatsächlich eine neue Staffel "Veronica Mars" geben – erneut mit Kristen Bell in der Hauptrolle. Die Serie gibt es in Deutschland bei keinem Streaming-Anbieter, man kann sie aber beispielsweise bei Amazon Prime Video kaufen.


Gerechtigkeit

Hambach: Polizei setzt bento-Mitarbeiter 10 Stunden fest – hier erzählt er, was ihm passiert ist
Jannis Große musste sich komplett ausziehen, die Polizei nahm ihm die Kamera ab.

Tausende junge Aktivistinnen und Aktivisten haben am Wochende gegen den Braunkohleabbau von RWE am Hambacher Forst protestiert. Sie besetzten Gleise, blockierten Züge – und  forderten den sofortigen Kohleausstieg. Einige Aktivisten kletterten außerdem auf einen riesigen Braunkohlebagger.

Foto-Journalist Jannis Große, 21, war im Auftrag von bento vor Ort – er sollte Fotos machen und für uns berichten. Dass ihm das nicht gelang, lag an der Polizei. Sie setzte ihn mehr als zehn Stunden lang fest, nahm ihm Kamera und Speicherkarte ab. Obwohl er sich als Journalist auswies, mit dem bundeseinheitlichen Presseausweis. Im Interview erzählt er, was passiert ist – und wie er behandelt wurde.