Bild: imago / Collage: bento

Ich scrolle durch meinen Twitter-Feed. Game of Thrones scheint wohl wieder zurück zu sein. "Winter is here", lese ich überall. Aber nicht alle freuen sich darüber: "Boah, jetzt geht diese blöde Serie wieder los. Also ich habe ja bisher keine einzige Folge geschaut", schreibt einer meiner Follower. Ein anderer schließt sich ihm an und fügt hinzu: "Verstehe den Hype wirklich nicht."

Auch unter Kolleginnen oder an der Uni höre ich immer wieder solche Kommentare. Aber warum nur? Ich finde nichts überflüssiger als die Aufregung über Serien. Schon lange vor Staffelbeginn schwärmten meine Freundinnen und Freunde davon, einige von ihnen schmückten ihre Tweets und Instagram-Storys mit heulenden Emojis und Jon Snow-GIFs. Schön für sie, dachte ich mir, ein Grund zur Freude ist immer gut.

Eine Gruppe von Menschen würde mir aber nicht zustimmen: die Serien-Shamer.

Sie können der Serien-Freude der anderen nicht viel abgewinnen. Ihre Mission lautet daher: Freude killen. Aber wie gehen sie dabei vor? Ganz einfach. Sie kommentieren und torpedieren ungefragt mit Sätzen wie diesen:

  • "Also ICH finde die Serie überhaupt nicht gut. Ich weiß wirklich nicht, was daran so toll sein soll."
  • "Guckst du WIRKLICH diese Serie?" 
  • "Ich habe noch nie eine Folge gesehen und werde es auch nicht. Meine Zeit ist mir zu kostbar."
  • "Ist es dir nicht peinlich, diese Serie zu gucken?"
  • "Ist das nicht diese blöde Serie, in der [Spoiler]?"

Sie tauchen immer dann auf, wenn gerade ein neuer Trailer veröffentlicht und die ersten Tweets geschrieben wurden. 

Wie Zombies, die sich von der Freude anderer Menschen ernähren. Klar, manchmal findet man eine Serie einfach blöd. Das kann an der Story, aber auch an den Charakteren oder an den Darstellerinnen und Darstellern liegen. Während die Netflix-Serie "Sex Education" in meinem Freundeskreis sehr lange und sehr intensiv abgefeiert wurde, hatte ich meine Schwierigkeiten damit, mit ihr warm zu werden. 

Ich sah mir den Trailer an. Nicht mein Fall, dachte ich mir. Vielleicht musste ich mir einfach die erste Folge angucken. Das tat ich. Begeistert war ich nicht. Ich wartete die zweite und die dritte Folge ab. Die Serie gefiel mir nicht, sie sprach mich einfach nicht an. Ich brach nach drei Folgen ab. Natürlich hätte ich meiner Freundin gerne erzählt, dass ich die Serie, für die sie sich doch so begeisterte, irgendwie blöd fand. Ich tat es aber nicht. 

Klar, sich über die Qualität von Serien auszutauschen hat seinen Reiz. Was findet der andere an der Serie gut, was ich noch nicht entdeckt habe? Wie interpretiert er die Charaktere? Aber jemandem eine Serie einfach nur schlecht machen zu wollen, hat für mich keinen Mehrwert. 

Für viele ist das Gucken von Serien eine Art von Entspannung. Eine Folge ihrer Lieblingsserie hilft ihnen durch den Tag. Sie freuen sich tage-, wochen- oder sogar monatelang auf eine neue Folge oder auf eine neue Staffel. Warum sollten sie die Energie, die sie eigentlich in etwas Positives stecken sollten, verschwenden, indem sie sich dafür rechtfertigen, eine Serie zu gucken?

Also, liebe Serien-Shamer:

Macht es besser als die Spoiler-Menschen. Oder als die "Du guckst die Serie auf Deutsch? Peinlich!"-Menschen. Behaltet die Gedanken lieber einmal mehr für euch.

(Bild: Giphy )

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Streaming

Warum Beyoncés Netflix-Doku schon zu perfekt ist
Wer eine ehrliche Dokumentation erwartet hat, wird von "Homecoming" enttäuscht sein.

Wer schon mal ein Beyoncé-Konzert besucht hat, weiß: Hier läuft nichts schief. Gar nichts. Jeder einzelne Schritt wirkt wie vorher abgezählt, jeder Hüftschwung wie tausendmal geübt, selbst ein Lächeln von Queen Bey passt nur in die dafür vorgesehene Lücke.

Sie ist DIE Künstlerin unserer Zeit. Ihre Stimme, ihre Auftritte: mehr Perfektion gelingt gerade niemand anderem in der Musikszene.  

Die Netflix-Doku "Homecoming" zeigt beide ihrer Sets beim Coachella-Festival 2018 und ihren Weg dorthin. Beyoncé war die erste weibliche afroamerikanische Headlinerin des legendären Festivals in Kalifornien. Sämtliche US-Medien feiern die Dokumentation als einen der größten Konzert-Filme allerzeiten. Dabei fühlt man sich als Zuschauerin von 137 Minuten Präzision erschlagen.

Im Voiceover beschreibt Beyoncé was ihr der Auftritt bedeutet: "Mein College war Destiny´s Child", sagt sie. "Mein College reiste um die Welt und das Leben war mein Lehrer." Coachella sei das Homecoming – also der Ball für ehemalige Schüler, den sie nie hatte. Eines der zahlreichen Outfits sind deshalb auch glitzernde College-Pullover. Die 200 Tänzerinnen und Tänzer sind ihre Mitschüler, sie ist die Homecoming-Queen – das ergibt sich, als sie die Bühne als Cleopatra betritt.