Die Welt aus der Sicht von Vladimir Putin: Russland betreibt in Deutschland mit RT Deutsch einen eigenen Internet-Sender. Eine kleine Redaktion in Berlin zeigt einen ganz besonderen Blick auf das Weltgeschehen. Auf den ersten Blick sollen die Beiträge nach ganz normalen News aussehen.

Was RT Deutsch mit dem Geld aus Moskau tatsächlich macht, hat sich Martin Schlak genauer angesehen. Der junge Journalist hat sich als Praktikant bei dem Sender eingeschlichen und drei Wochen lang in der Online-Redaktion mitgearbeitet.

Sein Fazit zieht er in der aktuellen "Neon": Die journalistischen Grundregeln werden verletzt, RT Deutsch betreibt einseitige Propaganda. Wir haben mit Martin Schlak über seine Undercover-Recherche gesprochen:

Martin Schlak(Bild: Vivian Pasquet)
Was ist so schlimm an RT Deutsch, dass man sich da undercover einschleichen muss?

Wir wollten herausfinden, wie die arbeiten und ob die manipulieren und die Wahrheit verdrehen. Gerade jetzt mit Pegida und Lügenpresse-Vorwürfen wirkt RT Deutsch wie ein Resonanzboden für rechte Kräfte.

Wie arbeitet RT Deutsch?

Bei dem Bild von dem syrischen Jungen wurde zum Beispiel gezielt alles aufgegriffen, was die Glaubwürdigkeit des Fotografen anzweifelt oder die Situation. Die Online-Redaktion von RT Deutsch recherchiert häufig nicht selbst, die sind einfach nicht so gut besetzt. Die klauben sich dann von verschiedenen Internetseiten zusammen, was sie finden können, und zitieren das, was in ihr Weltbild passt.

Was für ein Weltbild verbreitet RT Deutsch?

Freundlich gegenüber Russland, feindlich zu Amerika. Im Grunde verläuft es entlang der Pole des Kalten Krieges. Russische Erfolge bei Militäreinsätzen in Syrien werden groß berichtet, ebenso politische Misserfolge der USA. Es wird gegen die Nato geschrieben und EU-Skeptik verbreitet. Es geht gegen deutsche Medien, es wird genüsslich aufgegriffen, wenn die Fehler machen.

Gab es Ansagen von oben, das bitte weglassen oder das unbedingt machen?

Nein. Es kommt morgens in der Konferenz nicht die Liste aus Moskau. Die Redakteure schlagen ihre eigenen Themen vor, wie in anderen Redaktionen auch. Aber der Chef, Ivan Rodionov, der selbst Russe ist, gibt Themen rein oder gibt die Stoßrichtung von Berichten vor.

Was Martin Schlak bei seinem Praktikum alles erlebt hat, lest ihr in der "Neon"
Wie sind die Mitarbeiter drauf?

Die sind von ihrer Sache überzeugt, die stehen eher links und sind sehr amerikakritisch. Das Putin-freundliche handelt man sich sozusagen mit ein, auch wenn man da vielleicht nicht völlig dahinter steht. Die Mitarbeiter nehmen das mit Humor und bezeichnen sich manchmal scherzhaft selbst als Propagandasender.

Nicht nur RT Deutsch berichtet einseitig. Wo ist der Unterschied?

Es ist etwas anderes, weil da ein anderer Staat dahinter steht, der etwas verbreiten möchte, in einem anderen Land.

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