Bild: 20th Century Fox
Sagt auch Wladimir Kaminer

Um Hilfe für ihre kranke Mutter zu bekommen, lässt die Russin Dominika, gespielt von Jennifer Lawrence, sich auf einen verhängnisvollen Deal ein. Im Auftrag des russischen Geheimdienstes soll sie einem zwielichtigen Oligarchen Informationen entlocken. Doch als die Zielperson vor Dominikas Augen von russischen Agenten ermordet wird, ist sie eine unliebsame Zeugin.

Um ihr Leben zu retten, bleibt Dominika nichts anderes übrig, als sich selbst in den Dienst der finsteren Regierungsschergen zu stellen.

Das ist nicht die Hintergrund-Geschichte zu Marvels "Black Widow", sondern die Handlung von "Red Sparrow". Der Spionage-Thriller mit Jennifer Lawrence und Joel Edgerton ist jetzt auf Blu-Ray und DVD erhältlich. Wer ihn im Kino verpasst hat, sollte spätestens jetzt einen Blick riskieren.

Die verwinkelte  Agenten-Geschichte ist nicht nur spannend bis zur letzten Minute, sie zeigt auch, wie Hollywood Putins Russland sieht. Das ist in "Red Sparrow" in vielen Punkten gar nicht soweit von der Realität entfernt. Das sagt zumindest Wladimir Kaminer. Der russisch-deutsche Schriftsteller ist in Moskau geboren und aufgewachsen.

Dass eine arglose Zivilistin wie Dominika mit dem russischen Spionage-Apparat in Berührung kommt, hält Kaminer für gut möglich. Er glaubt allerdings nicht, dass man Menschen erpressen müsste, um sie als Agenten zu gewinnen.

"Bei der letzten Umfrage in Russland hat mehr als die Hälfte der 14-16-Jährigen auf die Frage, 'Was willst du werden?', Spion gesagt", erklärt Kaminer.

Dafür gibt es gute Gründe. "Sie wissen: Diese Menschen haben ein cooles Leben, sie verdienen gutes Geld, sie haben Macht", meint Kaminer.

Das ist für viele jetzt ein super Job, gerade in so einem autokratischen Land. Ich glaube kein Land hat so viel Geheimpolizei wie Russland.

An die brutale Agenten-Schule, durch die Dominika im Film geht, glaubt der Schriftsteller allerdings nicht. 

Sein Urteil: Unnötig. 

"Die Frau ist zu gut für den Job", erläutert er. "Im Internet gibt es doch dieses Handbuch für Spione. Das sind 79 Seiten; das ist sehr einfach im Grunde genommen. Da muss man sich nicht so quälen wie diese arme Frau im Film."

Die Russen sind als Bösewichte wieder akzeptiert in Hollywood. Dafür sorgt natürlich auch die aktuelle politische Lage. Aber Angst ist nie ein guter Berater. Kaminer jedenfalls sieht keine knallharten Manipulatoren in der russischen Regierung.

"Putin ist von seiner Sozialisierung und seiner Qualifikation überhaupt nicht geschaffen für die Politik im 21. Jahrhundert", glaubt Kaminer.

Er hält den russischen Präsidenten für überschätzt:

"Das ist ein ehemaliger Oberst der Staatssicherheit, der nicht mal innerhalb dieses Dienstes richtig Karriere machen konnte. Im Grunde waren diese Offiziere schon damals die Loser, denn das einzige, wofür sie zuständig waren, haben sie nicht geschafft: Die Sicherheit des Staates zu gewährleisten, dem sie dienten." 

Heute werden aber diese Menschen als unglaublich fitte, geistig überlegene Bösewichte dargestellt. Diese Geschichte, dass der kleine Oberst aus Russland jetzt den amerikanischen Präsidenten stellt, um die ganze Welt in den Ruin zu treiben – wenn das so wäre, wäre unsere Welt spannender als jeder Hollywood-Film.

An die große Verschwörung hinter den Kulissen der politischen Bühne kann Kaminer nicht glauben. 

"Red Sparrow" hat er trotzdem gern gesehen. Und auch für alle anderen Freunde des Agenten-Kinos ist der Film auf jeden Fall einen Blick wert.


Grün

Deutschland ist Europameister in Verpackungsmüll
Fünf Fakten zum traurigen Titel

Die Deutschen knacken wieder Rekorde – im negativen Sinne: Laut des Umweltbundesamts fällt in keinem europäischen Land so viel Verpackungsmüll an, wie in Deutschland

So sehen die Zahlen konkret aus: