"Hanni und Nanni" trifft auf "Twin Peaks".

Durch "Game of Thrones" wurde die britische Schauspielerin Natalie Dormer auf der ganzen Welt berühmt. Als intrigante Nachwuchs-Königin Margaery Tyrell zog sie die Fans der sieben Königslande in ihren Bahn. Mit "Picnic At Hanging Rock" bekommt Dormer jetzt eine eigene Serie. Das australische Mystery-Drama startet am 10. Mai bei Entertain TV.

In "Picnic At Hanging Rock" trifft "Hanni und Nanni" auf "Twin Peaks".

Auch hier verkörpert Dormer wieder eine Frau mit großer Macht: Sie spielt Hester Appleyard, die strenge Leiterin eines Mädcheninternats im Jahr 1900. Als drei Schülerinnen und eine Lehrerin unter rätselhaften Umständen verschwinden, wird das geordnete Schulleben von jetzt auf gleich auf den Kopf gestellt. Und dabei treten zunehmend düstere Geheimnisse zutage.

Wer sich die 36-jährige Natalie Dormer nur schwer als Gouvernante vorstellen kann: Historisch gesehen haut das hin. "Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt eine unverheiratete Frau über 30 schon als alte Jungfer", erklärt die Schauspielerin im Interview. "Da blieb einem dann gar nicht viel anderes übrig, als Lehrerin zu werden."

Dormer war die erste und einzige Wahl für die Rolle der Schulleiterin. "Die Regisseurin, Larysa Kondracki, hat mir einen wunderschönen Brief geschrieben", erzählt Dormer. "Sie meinte, niemand könnte die Rolle so spielen wie ich. Sie wollte Hester Appleyard nicht als nur Schurkin darstellen, sondern als Menschen. Das fand ich spannend."

Sie hat gute Absichten, aber sie gibt die falschen Ratschläge.
Natalie Dormer über ihre Rolle

Und tatsächlich: Die strenge Schulleiterin fesselt vom ersten Augenblick an. Direkt in der ersten Folge der Serie bewahrt Hester eine Schülerin davor, vergewaltigt zu werden. Kaum ist der Täter außer Sichtweite, richtet ihre Wut sich jedoch gegen das Opfer: Hester unterstellt dem Mädchen, sich falsch verhalten zu haben und bestraft sie.

Diese Widersprüche machten die Figur für Dormer besonders interessant. "Hester Appleyard versucht eine mütterliche Rolle im Leben dieser Mädchen zu sein", erklärt sie. "Aber sie ist nicht gut darin. Hester selbst entstammt einer repressiven, altmodischen Kultur. Ihr Wertesystem ist veraltet. Sie hat gute Absichten, aber sie gibt die falschen Ratschläge. Sie will die Mädchen auf die Welt vorbereiten, doch in Wahrheit unterdrückt sie sie und untergräbt jede Aussicht auf Freiheit."

Eine Sympathieträgerin ist Hester tatsächlich nicht. Sie erniedrigt und misshandelt widerspenstige Schülerinnen und spielt selbst beste Freundinnen gegeneinander aus. Wir lernen aber auch eine ganz andere Hester kennen: Eine, die zweifelt, die Angst hat, die von immer wiederkehrenden Albträumen gequält wird. Sie ist die Gute und die Böse zugleich.

Gute Absichten, die Schaden anrichten – ich glaube, das ist gerade jetzt wieder ein Thema.

Wer einfache Antworten auf schwierige Fragen sucht, der ist bei "Picnic At Hanging Rock" an der falschen Adresse. Die Serie bezieht keine Position. Das überlässt sie dem Zuschauer. Das ist eine mutige Entscheidung. Und eine wichtige.

"Dafür, dass die Geschichte 120 Jahre in der Vergangenheit spielt, sind ihre Ideen sehr aktuell", findet Dormer. "Gute Absichten, die Schaden anrichten – ich glaube, das ist gerade jetzt wieder ein Thema, wenn es zum Beispiel um Gender Equality geht. Ich glaube, auch da gibt es veraltete Wertesysteme, die wir abschütteln müssen. Wir glauben vielleicht, sie bringen uns weiter. Aber in in Wirklichkeit halten sie uns zurück."


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