Bild: Imago
Oder aller, die Afrika immer noch für ein Land halten.

Die Oscars sind nicht mehr komplett weiß. Das ist wohl eine der Lehren der mittlerweile 91. Verleihung der Academy Awards. 

In der Nacht auf Montag wurden die Filmpreise in Los Angeles vergeben – und zwei Jahre nach "MeToo" und vielen Debatten über Gleichberechtigung und Vielfalt wurde deutlich: Hollywood bemüht sich wirklich, mehr Frauen und mehr Nichtweiße zu repräsentieren. Sowohl auf der Leinwand, wie auch auf der Oscar-Bühne.

Das heißt allerdings nicht, dass es nicht immer noch viel Ignoranz im Business gibt – oder schlichtweg Unkenntnis – wie nun ein Witz von Trevor Noah zu "Black Panther" zeigt.

Im Laufe der Oscar-Verleihung werden traditionell Stück für Stück die zehn Nominierten der Kategorie "Bester Film" vorgestellt. Eine Laudatorin oder ein Laudator kündigt den Film kurz an, dann wird ein Minitrailer gezeigt. Welcher Film dann gewinnt, wird erst ganz am Ende der Oscar-Nacht enthüllt.

Die Comic-Verfilmung "Black Panther" war mit als bester Film nominiert, Latenight-Talker Trevor Noah durfte die Laudatio halten. In der brachte er einen ziemlich offensichtlichen Witz unter – und einen versteckten. Letzterer offenbart, wie wenig viele von uns sich immer noch mit Afrika beschäftigen.

"Black Panther" spielt im fiktiven afrikanischen Staat Wakanda. Das Land ist sehr reich und fortschrittlich, kein Dritte-Welt-Land – sondern Industrienationen wie den USA und Deutschland weit überlegen. Es wird angeführt von T'Challa (Chadwick Boseman), der in die Superheldenidentität des "Black Panther" schlüpft.

Der Film veränderte für einige den Blick auf einen ganzen Kontinent. Für gewöhnlich werden in den Medien industrialisierter Länder afrikanische Staaten als Krisengebiete, von Bürgerkriegen zerstörte Orte oder als komplett verarmt dargestellt. 

Mit dem Comic-Hit "Black Panther" hatten Schwarze auf aller Welt plötzlich einen Film aus dem Herzen Afrikas, auf den sie stolz sein konnten.

Viele identifizieren sich nun mit dem fiktiven Land, der Gruß "Wakanda Forever" wird an Unis und in Sportstadien gerufen. Trevor Noah tat es in seiner Rede gleich – und tat so, als sei er gebürtig aus dem nicht existenten Wakanda:

Als ich als Junge in Wakanda aufwuchs, sah ich oft T'Challa über unser Dorf fliegen.

Er habe ihn dann immer an einen wichtigen Xhosa-Satz erinnert, sagt Trevor Noah weiter. Xhosa ist eine Sprache aus Südafrika, die auch für die fiktiven Dialekte im Film genutzt wurde. Noah zitiert den Satz: "Abelungu abazi ubu ndiyaxoka". 

Er bedeute, so Noah weiter:

In Zeiten wie diesen sind wir stärker, wenn wir gemeinsam kämpfen, als wenn wir einzeln kämpfen.

Die Sache ist nur: Das bedeutet der Xhosa-Satz gar nicht.

Auch wenn das Sprichwort schön ist und in Zeiten von Hate Speech für Einigkeit sorgt, hat Trevor Noah in seiner Wakanda-Fantasie einen Seitenhieb auf Weiße versteckt. Der Afrika-Dienst der BBC hat den Satz übersetzt. Er lautet:

Die Weißen wissen nicht, dass ich gerade lüge.

Klar, das ist ein bisschen fies. Xhosa ist keine Sprache, die jeder einfach so kann. Auch Nichtweiße im Saal dürften den Satz nicht verstanden haben. 

Aber gleichzeitig gibt es eben rund neun Millionen Menschen auf der Welt, die Xhosa sprechen – und für die der Satz bedeutet: Das ist hier keine nette Folklore, das ist unsere Identität. Und da unterscheidet sich dann Südafrika von Uganda wie Frankreich von der Schweiz; und Ghana von Somalia wie Polen von Spanien. 

Was Trevor Noah also mit seinem versteckten Witz meinen könnte: Sieh Afrika nicht als Einheitsbrei, sondern beginne lieber, dich für diesen Kontinent mit all seinen verschiedenen Kulturen zu interessieren.

Am Ende der Verleihung bekam "Black Panther" zwar nicht den Oscar für den besten Film, gehörte aber dennoch zu den größten Gewinnern des Abends. Von sieben Nominierungen holte der Marvel-Film drei Oscars, nur "Bohemian Rhapsody" holte einen Preis mehr.

Die Auszeichnungen gab es unter anderem für das besten Szenenbild und das beste Kostümdesign. Die Kreativen wurden dafür ausgezeichnet, eben kein Einheits-Afrika zu zeigen, sondern in einer Mischung aus Tradition und Moderne eine Art Afrofuturismus zu entwerfen. 

30 Jahre nach dem "Prinz aus Zamunda" wurde damit erstmals wieder eine afrikanische Königsfamilie in einer Hollywood-Produktion gezeigt. Trugen sie im ersten Film noch Löwenfelle, waren die Kostüme nun deutlich weiter.


Streaming

Die Netflix-Doku "Period. End of Sentence" hat das echte Leben in die Oscar-Verleihung gebracht

Die Oscar-Verleihung ist ein Abend voller großer Roben und großer Reden. Die Filme, die hier mit goldenen Trophäen ausgezeichnet werden, mögen manchmal über gesellschaftliche Probleme erzählen – aber sind letztlich immer millionenschwere Produkte einer milliardenschweren Industrie, die sich und ihre Welt bei diesem Ereignis selbst feiert. 

Deshalb war es umso erfrischender, dass die Netflix-Produktion "Period. End of Sentence" den Preis für den besten Dokumentar-Kurzfilm erhielt.

Der Film, der auf Deutsch leider den arg bürokratisch-abschreckend klingenden Titel "Stigma Monatsblutung" trägt, erzählt vom "Pad-Project", das Frauen im ländlichen Indien hilft, Binden selbst herzustellen – weil es in der Region kaum Hygieneartikel zu kaufen gibt, das Thema Menstruation noch immer ein großes gesellschaftliches Tabu ist und viele die Blutungen für eine Krankheit halten.

Gedreht hat ihn die 25-jährige US-Amerikanerin Rayka Zehtabchi, die bei der Dankesrede vor Freude und Überraschung in Tränen ausbrach (aber nicht, weil sie ihre Tage hatte, wie sie dem Publikum erklärte).