Bild: Warner Bros.
Man muss sie ja nicht alle gesehen haben.

Vor den Oscars kann der Durchschnitts-Kinogänger schnell den Eindruck bekommen, das gesamte Filmjahr irgendwie verschlafen zu haben - weil man so viele nominierte Filme noch nicht gesehen hat

Aber wenn wir ganz ehrlich sind: Nicht alle nominierten Filme sind auch sehenswert. Und manche kann man sich auch einfach sparen - außer man steht genau auf diese Art von Erzählung, Humor oder Genre. 

Wir haben vier für die Oscars 2019 nominierte Filme zusammen getragen, die man nicht unbedingt im Kino gesehen haben muss. 

1 "Green Book"

Der Film über den schwarzen Jazzpianisten Don Shirley und seinen weißen Fahrer Tony Lipp hat eigentlich alles, was ganz großes Kino braucht: 

  • brillante Schauspieler,
  • zwei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die viel Zeit auf der Straße mit einander verbringen müssen,
  • die Ungerechtigkeit der Rassentrennung in den Südstaaten der USA
  • und den Charme einer wahren Begebenheit.

Die Handlung: Der gefeierte und exzentrische Don Shirley ist auf dem Höhepunkt seines Erfolges - im Norden der USA. Im Süden hingegen herrscht Rassentrennung, Shirley (Mahershala Ali) kann als schwarzer Pianist zwar auftreten, aber niemals in den gleichen Restaurants essen wie die weißen Besucher seiner Konzerte. Und genau deshalb will Shirley dort auf Tour gehen. Weil er ahnt, dass es dabei zu Konflikten kommen wird, sucht er einen Fahrer mit dem Ruf, Ärger händeln zu können. Er findet Tony Lipp (Viggo Mortensen). Tony ist Amerikaner italienischer Herkunft und hat durchaus seine eigenen Vorurteile, was Schwarze angeht. Eine perfekte Ausgangslage für einen tollen Film.

Und trotzdem ist "Green Book" auf vielen Ebenen eine Enttäuschung. Denn warum nur hat sich Regisseur Peter Farrelly entschieden, sie so klassisch zu erzählen? Es beginnt damit, dass der weiße, heterosexuelle Fahrer im Zentrum des Filmes steht - nicht der schwarze, bisexuelle Jazzpianist. Jeden Witz spürt man schon Minuten vor der Pointe aufziehen - und jeden Tiefpunkt, so traurig die Geschichte der Rassentrennung ist, leider auch. Farrelly versucht sich an einer Mischung aus "Ziemlich beste Freunde" und ganz klassischem amerikanischem Erzählkino. Und heraus kommt dabei leider nur solide Unterhaltung. Die kann man sich jederzeit zu Hause mal anschauen. Aber man muss dafür wirklich nicht extra ins Kino gehen. 

2 "A Star is born"

Eine Frau (Lady Gaga) kann fantastisch singen – doch für das Show-Geschäft ist sie zu hässlich, redet man ihr ein. Irgendwann entdeckt sie ein berühmter Musiker (Bradley Cooper), verliebt sich in sie, und sie kommt endlich groß raus. Leider ist der Musiker nicht wirklich der Traumtyp, für den sie ihn hielt, sondern alkoholabhängig, eifersüchtig und oft auch ziemlich gemein. Trotzdem verzeiht sie ihm jeden Fehltritt, bleibt sie bei ihm, bis zum Schluss. 

Wahrscheinlich ist die Geschichte von von "A Star is Born” nicht einmal unrealistisch: Auf der Welt gibt es wohl tausende Paare, die zusammen bleiben, obwohl sie sich nicht gut tun, Menschen, die eigentlich professionelle Hilfe bräuchten, sich aber stattdessen an ihren Partner hängen, Beziehungen, die in Wahrheit Abhängigkeiten sind. Eines ist so eine Geschichte sicher nicht: romantisch. 

"A Star is Born" versucht aber, uns genau das zu verkaufen. Damit reiht er sich ein in die Vielzahl von Liebesfilmen, die problematische Beziehungen romantisieren. Und hinterlässt so – trotz mitreißenden musikalischen Performances und guten schauspielerischen Leistungen –  einen unangenehmen Nachgeschmack. 

3 "Blackkklansman"

Der Film trägt seine Pointe schon im Namen: “Blackkklansman” zeigt einen schwarzen Polizisten (John David Washington) der sich in den rassistischen Ku-Klux-Klan schmuggelt, um ihn auffliegen zu lassen. Die Geschichte soll wirklich so passiert sein - und wird doch so erzählt, dass praktisch ausgeschlossen ist, dass sie so passiert ist.

Die beiden Helden der Geschichte sind enorm coole Cops, die ständig Kaugummi kauen und Frauen unter der Seventies-Sonnenbrille lässig zuzwinkern. Rassismus gibt es auch, aber die Klan-Mitglieder so demonstrativ dumm, dass man sich nach kurzer Zeit daran gewöhnt. 'Meine Güte, was für Rednecks' kann man da denken und es sich im Kinosessel gemütlich machen.

Jetzt kann es natürlich sehr "empowering" sein, rassistische Idioten als solche vorzuführen. Aber die tumbe Ideologie des Klans wird von Regisseur Spike Lee leider nicht entlarvt. Und alle Parallelen, die sich zu den aktuellen Spannungen in den USA ziehen lassen, werden erst mit dem Abspann angedeutet: Da werden Bilder eines rassistsch motivierten Anschlages gezeigt und die gesamte Dramatik des Themas, die vorher mit Slapstick-Humor übertüncht wurde, wird einem beim Verlassen des Kinos noch einmal vor die Füße geworfen, ohne dass sich der Film ihrer vorher angenommen hätte.

Fast wirkt es, als wäre Spike Lee selbst unwohl gewesen bei der Leichtigkeit und den Überzeichnungen, für die er sich entschieden hat, und als wolle er dem Zuschauer noch mal schnell sagen "Nur lustig ist das alles aber nicht!" Danke, Lee, das wissen wir - und auch in einer Exploitation-Komödie hätte es durchaus die Möglichkeit gegeben, das zu erzählen. Nur ist an dieser Stelle der Popcorn-Eimer leider schon leer und der Film längst vorbei.

4 "Bohemian Rhapsody"

Dieser Film ist ein großes Missverständnis. Denn er heißt nicht “Queen”, sondern “Bohemian Rhapsody” – und erinnert damit an einen der unkonventionellsten Songs der Pop-Geschichte: Überlang, voller Anspielungen, lustvoll-dadaistisch und voller Kreativität. 

Der gleichnamige Film, einer der größten Kino-Erfolge der vergangenen Jahre, hat leider nichts davon (bento). Im Zehn-Minuten-Takt werden bekannte Superhits gezeigt, dazwischen stolpern die vier Hauptdarsteller immer weiter nach oben, foppen sich kumpelig hinter den Kulissen oder beschwören das Produktversprechen der Marke Queen: “Wir sind Außenseiter, die für andere Außenseiter spielen”. Was man halt so sagt, bevor man vor einem riesigen CGI-animierten Publikum im Wembley Stadion zu “We will rock you” auf den Boden stampft. 

Vom bewegten – und durchaus filmreifen – Leben Freddy Mercurys (Rami Malek) bleiben dagegen nur wechselnde Frisuren und einige familientaugliche Ausschnitte. Seine Begegnungen mit anderen Männern sehen meist aus, als finde gerade ein Raubüberfall statt. Dass sich der Liebhaber nach kurzer Zeit als diabolisches Arschloch herausstellt, wirkt wie eine Strafe dafür, dass Mercury Freundin Mary zuvor verlassen hat. Von seiner Solo-Zeit in München, wo er jahrelang lebte und seine sexuelle Identität zum ersten Mal ungestört ausleben konnte, bleiben nur einige namenlose Statisten in engen Lederhosen und die finale Diagnose, dass er sich mit HIV infiziert hat. 

Mehr Glück gibt es für ihn erst, als er sich wieder der Band anschließt und mit mir ihr noch einmal die Fans beim großen Live-Aid-Konzert glücklich macht. Sein restliches Leben verschwindet danach im Abspann, als schon der nächste Song läuft. Das sorgt zuverlässig für Ohrwürmer, hinterlässt aber keine neue bleibenden Bilder. Leider.


Today

Alec Baldwin spielt wieder Trump – so gut parodiert er die Notstands-Rede

Für die Satireshow "Saturday Night Live" ist Donald Trumps Präsidentschaft ein großer Gewinn. Regelmäßig macht sich das Format über den US-Präsidenten lustig, Trump wird dabei regelmäßig von Alec Baldwin gespielt. Mit geschürzter Lippe und falscher Haartolle mimt er ihn, seine Auftritte sind oft gruselig nah am echten Trump.

Nun hat Alec Baldwin in einer neuen Ausgabe von "Saturday Night Live" die jüngste Rede von Donald Trump parodiert – und sich gekonnt über die Ausrufung des Notstands lustig gemacht.

Um die Gelder für seine Grenzmauer locker zu machen, hatte Donald Trump am Freitag den Notstand erklärt. So kann er schnell und unbürokratisch Finanzen neu verteilen. Viele haben ihn für die Entscheidung kritisiert – denn, nun ja, ein Notstand ist eigentlich für Notfälle da. (bento)

"Saturday Night Live" wurde nur einen Tag später aufgezeichnet, für Alec Baldwin dennoch genug Zeit, die größten Trumpigkeiten in Sachen Notstand zu entlarven. Er tritt an ein Rednerpult im Weißen Haus, vor ihm versammelte Journalisten. Dann spielt er die wirre Pressekonferenz nach, die Trump nur einen Tag zuvor gab: