Eine junge Frau sitzt in einem abgedunkelten Raum neben einem Wasserbecken. Gedankenverloren kaut sie an ihrem Sandwich, während von einem Plattenspieler Musik läuft. Dann, plötzlich, taucht eine glitschige Klaue aus dem Wasser auf – und greift zielsicher das Ei, das auf dem Beckenrand wartet. Die junge Frau schaut sich verstohlen um und lächelt.

Es ist einer der bewegendsten Momente aus "The Shape of Water", einem Film über die Romanze zwischen einer Arbeiterin und einem Seemonster. Das Fantasy-Drama von Kult-Regisseur Guillermo del Toro ist dieses Jahr für den Oscar als bester Film nominiert. Sollte es gewinnen, wäre das eine kleine Sensation: Denn bei den Oscars gewinnen meinst Historienfilme oder schwere Dramen, Fantasy-Filme haben es hingegen schwer.

2004 wurde mit "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" schon mal ein Fantasy-Werk zum besten Film des Jahres gekürt, das war es aber schon wieder. Das Genre wird gern für Make-Up, Ausstattung oder Effekte ausgezeichnet, findet bei den großen Preisen aber selten Beachtung. 

"The Shape of Water" könnte diesem Trend jetzt ein Ende setzen.

Neben großartigen Effekten punktet der Film nämlich mit einer Geschichte, die aktueller ist denn je. Der Film ist ein Märchen für schwierige Zeiten.

Es ist die Geschichte der stummen Elisa (Sally Hawkins), die als Reinigungskraft in einer Forschungseinrichtung der US-Regierung arbeitet. Dort stößt sie eines Tages auf eine menschenähnliche Meereskreatur (Doug Jones), die in einem Wassertank festgehalten und grausamen Experimenten unterzogen wird.

Für den Rest der Belegschaft ist die Kreatur ein Monster. Für Elisa aber wird sie ein Freund.

Del Toro beschreibt seinen Film als Variante der Geschichte um die Schöne und das Biest – nur, dass das Biest sich hier nicht pünktlich zum Happy End in ein glattrasiertes Männer-Model verwandelt. Aber "The Shape of Water" ist noch viel mehr als das.

Das wahre Monster des Films ist nicht die Meereskreatur, sondern der brutale Regierungsscherge Strickland (Michael Shannon). Sein Lieblingsspielzeug ist ein elektrischer Viehtreiber, mit dem er die Kreatur ebenso genussvoll wie grundlos quält. Aber auch seine Untergebenen haben zu leiden: Täglich drangsaliert Strickland sie mit Wutausbrüchen, Drohgebärden und unerwünschten Anzüglichkeiten. Von der stummen Elisa will er wissen, ob sie denn wenigstens "quieken" könnte – er würde sie nämlich gern mal zum quieken bringen. 

Ein Mann, den die Gesellschaft mit so viel Macht ausgestattet hat, dass er sich scheinbar alles rausnehmen kann – dieses Bild dürfte nicht nur Kinobesuchern in den Trump-USA vorkommen. In Strickland steckt ein bisschen Harvey Weinstein, ein bisschen Erdogan und generell viel vom Typ der Durch-die-Wand-Politiker. Für ihn ist der Fischmann kein eigenständiges denkendes Wesen, sondern nur eine niedere Kreatur. Jeder von uns kennt einen Strickland.

"The Shape of Water" gibt sich aber nicht damit zufrieden, Strickland und das Seewesen einfach nur aufeinander loszulassen.

Stattdessen wird die Frau in den Mittelpunkt geholt. Als Strickland beschließt, die Meereskreatur töten zu lassen, zögert Elisa nicht: Sie plant die Befreiung ihres neuen Freundes. Hilfe bekommt sie dabei von Kollegin Zelda (Octavia Spencer) und Nachbar Giles (Richard Jenkins). Beide zögern anfangs – schließlich kennen sie die Kreatur nicht. Aber beide kennen und lieben Elisa. Für sie sind sie bereit, alles aufs Spiel zu setzen.

Noch mehr Kino:

Widerstand, Rassismus, Emanzipation – "The Shape of Water" hat nicht nur eine brandaktuelle Geschichte zu bieten. "The Shape of Water" bietet gleichzeitig auch noch etwas viel Wichtigeres an: Hoffnung.

Und Hoffnung hat im Jahr 2018 durchaus einen Oscar verdient.

Oscars 2018 – das sind die Nominierungen:
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