Bild: Netflix
Der bisher kompromissloseste Vertreter einer neuen Serien-Generation.

Als die 14-jährige Monse (Sierra Capri) nach einem Sommer im Ferienlager nach Hause zurückkommt, erwartet sie eine unangenehme Überraschung: Ihr Kumpel Cesar  (Diego Tinoco) hat sich der berüchtigten Santos-Gang angeschlossen. Obendrein hat er überall rumerzählt, dass er vor den Ferien was mit ihr hatte. Dennoch: Monse und ihre Freunde Ruby (Jason Genao) und Jamal (Brett Gray) sind fest entschlossen, Cesar aus den Fängen der Gang zu retten.

Bei Netflix lautet das Motto: Kinder an die Macht! Schon Serien wie "Tote Mädchen lügen nicht", "The End of the F***ing World" oder "Everything Sucks" rückten Jugendliche in den Vordergrund. In diesen Serien geht es nicht nur um Schulnoten, die erste Liebe oder den Abschlussball. Die Teenager hier sind echte Menschen, mit echten Problemen – Probleme, die in Serien für junge Erwachsene bisher so nicht vorkamen. "On My Block" ist der bisher kompromissloseste Vertreter dieser neuen Serien-Generation.

Neben klassischen Jugendthemen sind auch Kriminalität, Rassismus und Armut allgegenwärtig in "On My Block".

Vieles, was für den arglosen Zuschauer erschreckend wirkt, ist für die Monse, Cesar, Ruby und Jamal längst Alltag: Wenn irgendwer in der Nachbarschaft in Los Angeles eine Waffe abgefeuert, zucken sie nicht mal zusammen – sie machen sich einen Spaß daraus, das Kaliber zu raten. Und sie liegen oft richtig.

Und trotzdem sind sich die Freunde zu jeder Zeit bewusst, in welcher Gefahr sie täglich schweben. Sie haben gelernt, damit zu leben. Als Monse, Ruby und Jamal auf dem Schulweg zum Beispiel sehen, wie Gang-Mitglieder einen jungen Mann zusammenschlagen, wissen sie, was zu tun ist. Ruby bringt es auf den Punkt: "Guckt nicht hin, geht weiter!"

"On My Block" zeigt, wie Jugendliche auf eine Welt schauen, die wir sonst vor allem aus Gangster-Dramen kennen. Klingt dramatisch? Ist es auch. Zugleich ist die Serie super lustig

Die wahnwitzigen Abenteuer der vier Freunde erinnern stellenweise an Hit-Sitcoms wie "Malcolm Mittendrin" oder "Modern Family". 

Jamal etwa möchte die Beute aus einem legendären Raubzug auftreiben, um mit seinen Freunden ein neues Leben beginnen zu können. "Wir sind braun", bemerkt Monse trocken. "Nur weiße Kids finden 'nen Schatz." Jamal schreckt das natürlich nicht ab.

Die vier Freunde planen aber auch Riskanteres: In der zweiten Folge der Serie bereitet Ruby sich auf ein Treffen mit Cesars älterem Bruder Oscar (Julio Macias) vor. Das Ziel: Ex-Knacki Oscar soll Cesar aus der Gang lassen. "Er wird dich nicht umbringen", versucht Jamal den zunehmend panischen Ruby zu ermutigen. "Aber wenn, könnte er dich gut wegschaffen! Du passt bestimmt in seine Fluchttasche."

(Bild: Netflix)

In solchen Momenten kippt die komische Stimmung in "On My Block", oft ohne Vorwarnung. Nicht nur die Jugendlichen, auch die Zuschauer werden immer wieder überrascht, wie schnell scheinbar alltägliche Situationen hier eskalieren können.

Highschool-Humor trifft Gangster-Drama genau wegen dieser  Kombination macht "On My Block" in Rekordzeit süchtig. Die Netflix-Dramedy stellt das ausgelutschte Genre mit einer Geschichte auf den Kopf, an die sich bisher keine andere Serie herangetraut hat. Teenager wie Monse und ihre Freunde gibt es weder auf dem Disney Channel noch bei Nickelodeon zu sehen. 

Die Aufmerksamkeit der Serienjunkies dürfte ihnen nun sicher sein.


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