Bild: Netflix
Wir schauen gleich alle Folgen.

Ihr liebt Serien über kaputte Familien, die sich trotzdem liebhaben? Die meisten Superhelden sind euch zu glatt? Ihr mochtet Jessica Jones, konntet danach aber nicht schlafen? Dann ist "The Umbrella Academy" vielleicht was für euch. 

Die neue Netflix-Serie ist auf eine gute Art sehr seltsam und passt in kein einziges Genre: Es gibt actiongeladene Gewaltexzesse mit Tarantino-Anspielungen zu richtig cooler Musik. Es gibt sprechende Affen, Robotermütter und Zeitreisen. Es gibt Mordfälle, Mystery und Mary J. Blige. Aber vor allem geht es um eine Gruppe Menschen, die als Kinder von einem Billionär adoptiert wurden, weil sie besondere Fähigkeiten haben. Er wollte aus ihnen ein Team von Superhelden machen – doch am Ende wurden sie nur eine äußerst unglücklichen Familie.

Der Zuschauer trifft die Geschwister Jahre später, nach dem Tod ihre superreichen Ziehvaters. Sie sind keine Helden, sondern traumatisierte Menschen mit gescheiterten Existenzen. Bei der Trauerfeier sagt nach langer Stille irgendjemand: "Er war ein Monster."

Aber noch mal zurück: Sir Reginald Hargreaves hatte die Kinder adoptiert, von eins bis sieben durchnummeriert und mit emotionaler Kälte und äußerster Grausamkeit zu Superhelden trainiert – ob sie wollen oder nicht. 

Bei allen Geschwistern hat die eigenartige Erziehung Spuren hinterlassen. Sie sind wütend, enttäuscht, orientierungslos und wissen weder, wie sie mit ihren Kräften umgehen sollen, noch miteinander. 

  • Luthor (Number One) hat die letzten Jahre im Auftrag seines Vaters auf dem Mond verbracht und versucht seinen Tod aufzuklären. 
  • Diego (Number Two) ist aus der Polizeiakademie geflogen und klärt nur im Alleingang mehr oder weniger gut Verbrechen auf. 
  • Allison (Number Three) hat ihre Fähigkeit genutzt, um berühmt und erfolgreich zu werden – doch am Ende dabei ihre Familie verloren. 
  • Klaus (Number four) betäubt sich und seine Fähigkeit, Tote zu sehen, so gut er kann mit Alkohol und Drogen.
  • Number Five ist verschwunden
  • Ben (Number Six) ist verstorben (und wird allein von Klaus noch gesehen)
  • Vanya (Number Seven) hat als einzige keine besonderen Kräfte und leidet bis heute unter dem Schicksal, "gewöhnlich" zu sein. Auch als Erwachsene bleibt sie unscheinbar und farblos – übrigens wunderbar gespielt von Ellen Page. 

Richtig in Fahrt kommt die Handlung, als die verschwundene Nummber Five – innerlich galtert aber äußerlich immer noch 15 – aus der Zukunft zurückkehrt, um vor der Apokalypse zu warnen. 

Das ist natürlich ganz schön viel Stoff: Sieben Geschwister plus Bösewichte, Arbeitskollegen, Exfreundinnen, Roboter, Affen und Zeitreisen in die Apokalypse, da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Und leider bleiben einige Charaktere dadurch auch etwas flach. 

Die Geschwister-Dynamiken fühlen sich zwar echt an, die gemeinsame Geschichte lässt sich erahnen – aber gezeigt wird dem Zuschauer diese gemeinsame Vergangenheit nur kurz. 

Trotzdem lohnt sich die Serie. 

Denn wo sich in jeder anderen Superhelden-Show das Team schnell zusammenfinden würde, um die Welt zu retten, steht hier das Familiendrama im Vordergrund. Und das hat durchaus Charme. 

Es wird gestritten, geprügelt und getrauert. Denn das hier ist ein Familiendrama mit Superkräften. Hier hat niemand Lust, die Welt zu retten. Naja, fast niemand. Diese Figuren sind keine Helden, sie haben keinen Bock auf die anderen und müssen erst noch damit klarkommen, dass die Vergangenheit sich plötzlich wieder in ihr Leben gedrängt hat – da wird die Apokalypse schon mal zur Hintergrundhandlung. Das ist super, wenn man Familiendrama mag, aber auch eine erfrischende Abwechslung für Fans von Superhelden– und Mysteryserien, denen manchmal die emotionale Tiefe fehlt.

Wie geht es weiter?

Die erste Staffel endet mit einem gigantischen Cliffhanger. Und noch hat Netflix keine zweite Staffel bestellt. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, denn die Serie kommt gut an und seit Netflix die Partnerschaft mit Marvel beendet hat, fehlen dem Streamingdienst ein paar Superhelden. Genug Stoff könnte "The Umbrella Academy" bieten. Gerald Way, der Autor der Comics und – fun fact – Sänger der Band "My Chemical Romance" hat dem "Hollywood Reporter" gesagt, dass er die Handlung für insgesamt acht Bände der Graphic Novel schon vorgeplant und mit Serienproduzent Steve Blackman geteilt hat. (Hollywood-Reporter)

 


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