Während du auf der Suche nach einem passenden Film gedankenverloren Netflix durchstöberst, schaut dir das Unternehmen auf die Finger. Auf seinem Blog hat Netflix sein neues Projekt zur Zuschauerbindung vorgestellt. Dabei liegt der Schwerpunkt darauf, wie Nutzer auf die Titelbilder von Filmen und Serien reagieren.

In einem aktuellen Test versucht der Streamingdienst mit Hilfe verschiedener Titelbilder herauszufinden, was die Aufmerksamkeit seiner Zuschauer bei der Auswahl eines Films oder einer Serie besonders weckt. Wenn du Netflix nutzt, ist dir vielleicht aufgefallen, dass die Vorschaubilder von beliebten und angesagten Titeln häufig wechseln. Netflix möchte möglichst schnell deine Aufmerksamkeit gewinnen – genauer gesagt: in weniger als 90 Sekunden.

“Verschiedene Studien haben uns gezeigt, dass unsere Mitglieder sich zuerst das Titelbild ansehen und dann entscheiden, ob sie an weiteren Details interessiert sind”, schreibt Gopal Krishnan auf dem Netflix-Blog. “Also haben wir uns gefragt, ob wir die Klickrate bei diesem ersten Blick steigern können.”

Das Unternehmen führte Statistik, welches Titelbild für die Serie "Unbreakable Kimmy Schmidt" am wahrscheinlichsten zu einem Klick führte. Das mit einem grünen Pfeil markierte “Siegerbild” führte zu dem Schluss, dass “Gesichter mit komplexen Emotionen besser geeignet sind als stoische oder freundliche Gesichtsausdrücke – ein Spektrum von Emotionen zu sehen bringt Menschen tatsächlich eher dazu, sich auf eine Geschichte einzulassen.”

Außerdem verglichen Softwaretechniker die Wirkung von Titelbildern der Netflix-Eigenproduktion "Sense8" auf Zuschauer in verschiedenen Regionen der Welt miteinander.

“Die Untersuchung regionaler Unterschiede hat uns gezeigt, dass mitreißende Geschichten zwar Grenzen überwinden können. Dabei ist es aber wichtig zu verstehen, wie die Präsentation jeder dieser Geschichten in verschiedenen Ländern sich darauf auswirkt, wie schnell unsere Mitglieder auf der ganzen Welt tatsächlich durch die Titelbilder darauf aufmerksam werden”, schreibt Krishnan.

Es stellte sich außerdem heraus, dass ein Bösewicht auf dem Titelbild die Klickzahl in die Höhe treibt. Überhaupt werden Cover mit nur einem Charakter deutlich öfter geklickt als Titelbilder, auf denen die ganze Besetzung zu sehen ist, wie bei der ersten Staffel von "Orange Is The New Black".

Obwohl Netflix einige seiner neu gewonnenen Erkenntnisse als “regionale Nuancen” bezeichnet, muss man sich doch fragen, ob die “Region” hierbei nur ein Faktor unter mehreren ist.

So berichtet T.C. Sottek vom Technikportal "The Verge", dass er ein neues Vorschaubild mit Chris Pratt für die Serie "Parks and Recreation" bekommen habe, während seine Kollegin dort weiterhin Amy Poehler sehe. Als ich neulich Netflix besucht habe, waren auf dem Titelbild der zweiten Staffel von "Grace and Frankie" gleich vier Charaktere mit einer Vielzahl von komplexen Emotionen in ihrer Mimik zu sehen. Das Experiment ist offenbar also noch am Laufen.

Außerdem hat mir Netflix die übliche Weiße-Typen-Parade gezeigt, weswegen ich den Tab in weniger als 15 Sekunden wieder geschlossen habe. Ob dem Unternehmen dazu auch noch etwas einfällt?

Dierser Beitrag von Audra Schroeder ist zuerst auf The Daily Dot erschienen. Übersetzung: Johannes Korn


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