Bild: Netflix
Damit bleibt sie auch in Staffel 2 die einzige Superheldin, die wir wirklich brauchen.

Stell dir vor, du hättest kürzlich deinem gewalttätigen Ex-Freund mithilfe deiner Superkräfte das Genick gebrochen. Kein Problem, erst recht nicht für eine Superheldin? Na ja. Schon.

Jessica Jones (Kyrsten Ritter) stürzt in Staffel zwei – Netflix veröffentlicht sie pünktlich zum Weltfrauentag – immer tiefer in ihre Krise. Die letzte Begegnung mit Kilgrave (David Tennant), dem Ex-Freund und Peiniger, dem Mann, der Menschen und Gedanken kontrollieren kann, hat sie fertig gemacht: Waren ihre schlechten Entscheidungen in der Vergangenheit wirklich nur Folgen der Gehirnwäsche? Kann Jessica Jones ein guter Mensch sein?

Spoiler-Warnstufe grün

In diesem Beitrag verraten wir ein bisschen was über die Serie, das Spiel oder den Film — aber eigentlich nichts, was dir den Spaß verderben könnte.

Die Antiheldin schlingert ­– und bleibt Opfer und Täter zugleich. 

"Ich hab sein Genick gebrochen, ich hab das Knacken gehört. Und glaub mir, es war leicht. Ich habe getötet. Ergo bin ich eine Killerin", sagt sie – und versucht trotzdem, mit sich klar zu kommen. Naja, auf ihre Art.

Denn klar, Jessica Jones trinkt nicht nur, nein, sie säuft. Sie prügelt sich. Sie hat Sex, mit unterschiedlichen Partnern und aus unterschiedlichen Gründen – aber nie, weil sich das jetzt so gehört. Sie wird nie zum Objekt. 

Sie lenkt sich ab, sie sucht den Rausch und die Ekstase, sie schwankt zwischen Flucht und Konfrontation. Denn Jessica wird immer wieder von Flashbacks heimgesucht. Zum Beispiel von dem Unfall, bei dem ihr Bruder und die Eltern ums Leben kamen. Jones überlebte schwer verletzt und lag im Koma. Im Krankenhaus wurden Experimente an ihr gemacht.

Das wird erzählt mit großartig inszenierten Bildern, bei denen man aus jedem zweiten Still einen Screenshot machen will. 

Die ganz großen Fragen, sie werden verhandelt – was ist Schuld? Was ist Reue? Wer darf glücklich sein? 

Die besten Momente sind trotzdem oft die kleinen. 


Die, in denen Jessica Jones ganz nebensächlich ein paar Muster zwischen Männern und Frauen entlarvt und endlich ausspricht, was Frauen schon so lange sagen wollten – und was Männer hören müssen, entgegen aller alten, tradierten Hollywood-Erzählungen:

  • "Ich akzeptiere kein 'Nein' als Antwort“, sagt da ein neuer Kontrahent, der ihre Detektei übernehmen will. "Wie rapey von dir", antwortet Jones. 
  • "Ich komme gleich", sagt ein Typ, während sie Sex auf der Toilette in der Bar haben. "Naja, wenigstens einer von uns" sagt sie.
  • "Was habe ich dir eigentlich jemals getan, außer deinen Kühlschrank zu tragen?" fragt sie ihren genervten Nachbarn – und beantwortet die Frage selbst mit "Hah, ich weiß - deine Männlichkeit bedroht!" 

Deshalb ist Jessica Jones DIE Superheldin, die wir in Zeiten von #metoo und #timesup so dringend brauchen: Weil sie Frauen zeigt, wie man mit dem täglichen Struggle, als Frau durch die Welt zu gehen, klarkommt – ganz egal, ob sie Superkräfte hat oder nicht.


Gerechtigkeit

Warum 1111 Frauen der Uno einen offenen Brief geschrieben haben
Es geht um Syrien, Hilfsorganisationen und sexuelle Gewalt.

In Syrien sollen Entwicklungshelfer, die unter anderem für die Uno arbeiten, schutzsuchenden Frauen Hilfsgüter nur gegen sexuelle Gefälligkeiten ausgeteilt haben. Mitarbeiter von Oxfam, Ärzte ohne Grenzen und dem International Rescue Committee (IRC) mussten unlängst ähnliche Fälle offenlegen. (bentoBBC)

Dass Menschen andere missbrauchen und ausnutzen, ist schlimm genug. Dass die Täter diesen Menschen eigentlich helfen sollten, ist unfassbar. Dass die Organisationen, die dahinter stehen, das Ganze jedoch verschweigen und damit in gewisser Weise akzeptieren, ist an Perfidie nicht zu überbieten.

In einem offenen Brief fordern deswegen nun mehr als 1111 Frauen eine Reform des Hilfssektors.