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Warum mehr Streaming-Dienste nur mehr illegale Downloads bedeuten.

Kinox.to, Limewire oder The Pirate Bay: Lange Zeit galten illegale Internet-Angebote als große Bedrohung für Film- und Serien-Studios. 

Dass der Streamingdienst Netflix 2014 in Deutschland verfügbar wurde, bewirkte wohl mehr gegen die hiesige Internetpiraterie als alle Lizenzanwälte, CDU-Politiker und unangenehmen Kino-Werbungen zusammen.

Der Anteil junger Menschen, die bewusst illegale Streaming-Angebote und File-Sharing-Dienste nutzen, sinkt stetig (EU-Studie). Gleichzeitig nutzen immer mehr Streaming-Angebote – laut GfK bezahlten Ende 2018 58 Prozent der jungen Zielgruppe für mindestens einen Streaming-Dienst (GfK), Netflix ist nach wie vor Marktführer, gefolgt von Amazon Prime Video. 

Die Vorteile der legalen Streaming-Plattformen liegen dabei auf der Hand: Sie sind einfach zu bedienen und risikofrei. Als Nutzer riskiert man keine Abmahnungen, keine mit Viren verseuchten Fake-Videoplayer und keine Enttäuschung, wenn die top bewertete Datei nach 12 Stunden Download doch nur die spanische Tonspur und chinesische Untertitel bietet.

Bleibt Internet-Piraterie also ein Ding der Vergangenheit? Nein. 

Denn durch immer mehr neue Streamingdienste wie Disney+ oder Apple TV+ treiben die Streaming-Anbieter die Nutzerinnen und Nutzer selbst wieder in die Hände der Piraten. 

Rechteinhaber und Studios haben gemerkt, dass sich mit Streaming jede Menge Geld verdienen lässt. Also schaffen sie vermehrt eigene Portale mit limitierten Angeboten. Als "Streaming Wars" wird das im englischsprachigen Raum schon überspitzt bezeichnet (The Verge). 

Das Marktforschungsunternehmen Forrester orakelt in seinem Zukunftsreport, dass die "Streaming-Kriege" bei Endverbrauchern vor allem für eines sorgen werden: Ermüdung. Weil es zunehmend anstrengender wird, sich durch die ständig wechselnden Angebote dutzender Dienste zu klicken und den für sich richtigen Kanal zu finden. 

Dass diese Fragmentierung für die Anbieter zu einem Eigentor werden könnten, zeigt sich gerade am Beispiel Disney. Mitte November startete der Marktriese sein Portal Disney+ . Der Dienst vereint die beliebten Marvel-, Pixar-, Star Wars-, Fox- und Disney-Produktionen unter seiner Flagge und wirbt mit exklusiven, nur für den Dienst produzierten Formaten. Die erste Wasserstandsmeldung: Zehn Millionen Menschen sollen das Angebot an Tag eins abonniert haben. 

Doch neben dieser Erfolgsmeldung steht noch eine andere Zahl.

Denn eines der attraktivsten Angebote der Plattform, die Disney-exklusive Star-Wars-Serie "The Mandalorian", wurde kurz nach dem Start zum weltweit beliebtesten Tauschgegenstand auf File-Sharing-Plattformen. Ein großer Faktor dafür: In europäischen Ländern startet Disney+ erst im März 2020. Ein riskanter Schritt in einer vernetzten Welt, die große Serien-Ereignisse wie das "Game of Thrones"-Finale oder Kinostarts zeitgleich erleben will. Vor allem, da Rezensionen, Szenen, Bilder und Spoiler in sozialen Netzwerken sowieso herumgereicht werden. 

"Game of Thrones", bei Fans vor allem wegen unerwarteter Wendungen und krasser Ereignisse beliebt, stellte in dieser Hinsicht jahrelang den Negativrekord als meistkopierte Serie der Welt auf. (Washington Post)

Den Spaß an ihren Lieblingsserien wollen sich viele Nutzer nicht vermiesen lassen. 

Also finden sie Wege, um sie trotzdem zu bekommen. Sei es durch einen VPN-Service, der sie auf bestimmte Länder beschränkte Inhalte sehen lässt. Oder eben durch illegale Streams und Downloads.

Eine Umfrage der britischen Vergleichsseite BroadbandGenie kommt zum selben Ergebnis. Demnach könnten sich die Zahlen der Nutzer illegaler Angebote verdoppeln, wenn mehr exklusive Bezahldienste auf den Markt strömen. 

Man stelle sich das mal bei Musik vor: Um Röyksopp und die The White Stripes zu hören, müsste man ein Abo beim EMI-Dienst abschließen. Wer aber auch auf Johnny Cash oder London Grammar steht, braucht zusätzlich den Dienst von Warner. Bushido und Justin Bieber? Gibt's dann nur bei Universal. Und so weiter. Wer würde ernsthaft für alles zahlen – oder auf Lieblingskünstler verzichten? Genau.  

Eine ähnliche Situation gab es schon mal, als viele US-Kinos bis in die Vierzigerjahre nur Filme aus bestimmten Studios zeigten. Am Ende urteilte ein Gericht, dass sie damit ihr Monopol missbrauchten und verbot die Praktik (US-Kongressbibliothek). Heute ist es ironischerweise andersrum: Die Studios zerschlagen das Monopol von Netflix. Und verlieren dabei womöglich mehr, als sie gewinnen.

Denn der Eintritt in den umkämpften Markt ist, selbst mit viel Budget und guter Infrastruktur im Rücken, extrem schwer. Neben Amazon und Netflix steht im wichtigsten Markt USA bereits Hulu als etabliertes Angebot im Ring, Anime-Fans lieben zudem Crunchyroll. Selbst Internetgigant YouTube schaffte es gegen diese Konkurrenz nicht wirklich, seinen Premium-Service unter die Leute zu bringen. Nun wollen in kurzer Zeit auch noch Disney, Apple, Warner, CBS und NBC auf den Markt. 

Schon 2018 zeigte sich in den USA, dass mehr Konkurrenz auf dem Streaming-Markt zu gesteigerter Piraterie führte (Vice). In Deutschland droht jetzt das Gleiche: Hier kämpfen noch Sky, Maxdome, DAZN, Magenta TV, TV now von RTL und ProSiebens joyn um die Aufmerksamkeit, Zeit und Abo-Zahlungen der Schaulustigen. Kommt Disney+ dazu, wird es gerade für die kleineren Dienste nicht leicht werden, zahlende Kundinnen und Kunden zu finden. 

Die für Zuschauerinnen und Zuschauer beste Lösung wäre sicherlich ein "Superservice", der ähnlich wie Spotify, iTunes oder Deezer es für Musik tun, einen Großteil der verfügbaren Filme und Serien verschiedener Hollywoodstudios und Streamingdienste zum Aufpreis bei sich bündelt. 

Stattdessen wird wohl die Unzufriedenheit mit legalem Streaming steigen – und damit die Zahl der illegalen Downloads.

Wir würden ja für einen richtig guten Service zahlen – wenn wir denn dürften.


Fühlen

Katharina, ihr Freund und seine Mutter: "Sie denkt, ich wäre nicht gut genug für ihren Sohn"
Ihre Beziehung scheitert. Wie fühlt sich das für sie an?

Der schlimmste Moment war, als die 25-jährige Katharina herausfand, dass ihr Freund mit seiner Mutter heimlich nach einer neuen Wohnung gesucht hatte. Das Paar war gerade erst in München zusammengezogen. Katharina verstand sich nicht mit der Mutter ihres Freundes. Die Situation eskalierte ständig. Das war vor anderthalb Jahren. Damals zog er doch nicht aus, mittlerweile ist er es. Katharina weiß nicht, wie und ob es für die zwei als Paar weitergehen soll.  

Mit dem Problem ist sie nicht allein. Eifersucht, Missverständnisse oder unterschiedliche Vorstellungen vom Leben führen in dieser besonderen Konstellation häufig zu Spannungen: Mutter, Sohn – und Partnerin. Verlässliche Statistiken darüber, welchen Einfluss ein schlechtes Verhältnis zur Schwiegermutter tatsächlich auf Trennungen hat, gibt es kaum. Aber die britische Soziologin Terri Apter stellte bereits vor einigen Jahren in einer Untersuchung fest, dass etwa 60 Prozent aller Frauen angaben, unter ihrer Schwiegermutter zu leiden.

Schon das erste Treffen im Sommer 2017 verlief holprig, erinnert sich Katharina. "Ich hatte gleich das Gefühl, dass wir aus zwei völlig unterschiedlichen Welten kommen“, sagt sie. Die Familie ihres Freundes sei wohlhabend. Ihr habe es zu Hause zwar auch nie an etwas gefehlt, trotzdem sei es ihr wichtig gewesen, früh eigenes Geld zu verdienen. "Ich hatte immer den Eindruck, seine Mutter denkt, ich wäre nicht gut genug für ihren Sohn, und würde nur an sein Geld wollen."

Während ihr Verhältnis zum Vater und Bruder des Freundes eher kühl war, kam es zwischen Katharina und der Mutter nur wenige Monate nach der ersten Begegnung häufiger zu offen ausgetragenen Feindseligkeiten. Ihr Freund stand dann kommentarlos daneben. Katharina hatte das Gefühl, er wollte es seiner Familie recht machen. "Er bat mich, über den Dingen zu stehen, er wollte seine Mutter nicht zurechtweisen", erzählt sie. 

Nur wenige Wochen später eskalierte die Situation während der Absolventenfeier ihres Freundes. Katharina stritt sich mit der Mutter ihres Freundes darüber, wer das Zeugnis zuerst hätte anschauen dürfen. Der Abend endete damit, dass Katharina allein im Abendkleid im Zug nach Hause saß. Dann passierte, wovon die 25-Jährige zunächst nichts erfuhr: Ihr Freund suchte mit seiner Mutter eine neue Wohnung, zog aber nicht aus. Ein klärendes Gespräch über diese Situation habe nie stattgefunden, sagt sie. Sie sei seither auf keiner Familienfeier gewesen, ihr Freund verheimlichte ihr, wenn er zu seiner Familie gefahren sei oder Kontakt zu ihnen gehabt habe. Als Katharina einige Monate später länger im Krankenhaus lag wegen eines Skiunfalls, habe sie von ihrer Schwiegermutter nicht einmal Genesungswünsche bekommen.