Es ist unmöglich, Freunden gute Filme und Serien zu empfehlen.

Ah ja, meine Freundin hat also wieder "How I met your Mother" geschaut, als würde es beim dritten Mal lustiger. Und meine Schwester kommt nicht von "Lost" los. Nur meine Eltern verschmähen mein Weihnachtsgeschenk und haben schon lange keinen Stream mehr aufgerufen. Das alles weiß ich, weil ich es nachschauen kann: Seit wir alle uns einen Netflix-Account teilen, haben wir jederzeit Einblick in den Filmgeschmack der anderen.

Unser Netflix-Account für vier Leute kostet 11,99 Euro pro Monat, theoretisch können wir alle gleichzeitig streamen – ein fairer Deal, zumal jeder ein eigenes Profil hat, so dass wir uns nicht gegenseitig die Favoriten-Listen mit Quatsch vollspammen. Doch so praktisch die Profile sind, so lächerlich strikt sind sie getrennt.

Netflix hat zwar einen ganz guten Algorithmus für Empfehlungen. Wichtiger sind mir aber noch immer die Tipps von Freunden und für Freunde. Wieso also kann ich etwa Filmtipps nicht direkt von einem Nutzerprofil ans andere weitergeben? Stattdessen legt mir Netflix in seiner Mobil-App nahe, Links per Facebook zu teilen. Im Ernst?

Wieso soll ich meiner Freundin per Facebook schreiben, wenn ihr Profil wirklich nur zwei Klicks entfernt ist?​

Der Videodienst ist so eine bemerkenswert wenig soziale Erfahrung – gerade in seiner Desktop-Version, denn dort hat Netflix mittlerweile sogar das Facebook-Teilen deaktiviert. Profile existieren nebeneinander vor sich hin, anders als etwa bei Spotify, wo man anderen Nutzern folgen und so ihre Playlists nachhören kann.

Bitte echte Tipps statt "Derzeit beliebt"

Bei Netflix bingewatche ich mich durch meine eigene Blase, denn im Zweifel bekomme ich vom Dienst selbst vor allem Mehr vom Selben vorgeschlagen. Dazu kommen Empfehlungen der Marke "Derzeit beliebt" und "Populär auf Netflix", bei denen ich aber nicht einmal so recht weiß, wie sie zustande kommen.

Wieso gibt es keine scrollbare Liste (Netflix hat doch Dutzende davon, für jedes Pups-Genre), die mir direkt in der App zeigt, was meine Mitnutzer zuletzt gesehen haben? Und ob sie das gut fanden? Wieso kann ich an Filmen keine Anmerkungen hinterlassen, die andere Profile sehen können? Also etwa:

"Freundin, Finger weg! Den Film will ich mit dir zusammen gucken."

An noch mehr Interaktion, etwa die Möglichkeit, zu bestimmten Szenen Kommentare zu hinterlassen, will ich gar nicht erst denken.

Wer seine Daten für sich behalten will, sollte solche Funktionen natürlich ausstellen können – sinnvoll wäre auch jetzt schon ein Passwortschutz für Profile, so dass man eben nicht jederzeit seine Bekannten ausspionieren kann. Es gibt je Profil sogar eine Liste aller gesehenen Inhalte, die Netflix automatisch anlegt, solange man die Daten nicht hin und wieder löscht.

Mittlerweile gibt es für Netflix zumindest einige Plug-ins von Drittanbietern, die die Nutzung sozialer machen: Netflix Party etwa, eine App, die das gemeinsame Filmgucken in Fernbeziehungen ermöglicht, samt Livechat. Einen Nachteil haben die Zusatzprogramme aber meistens: Sie sind an bestimmte Systeme gebunden, so dass nicht wirklich jeder Netflix-Nutzer mit jedem anderen verbunden werden kann.

Selbst Netflix scheitert am Problem

Letztlich kann ich also nur hoffen, dass Netflix selbst noch einen Weg findet, ein paar Social-Funktionen anzubieten, und sei es nur innerhalb desselben Accounts. Dafür sieht es aber schlecht aus. Dem Magazin "Business Insider" gegenüber behauptete ein Netflix-Verantwortlicher kürzlich, die Nutzer hätten bisherige soziale Funktionen schlicht nicht angenommen. Man habe in der Vergangenheit drei große Versuche gestartet, aber es habe nicht funktioniert.

Immerhin findet der Netflix-Mann selbst das Fehlen der Funktionen schade: "Es ist unglücklich", sagt er, "denn meiner Meinung nach bringt es viel, die Vorschläge des Algorithmus mit persönlichen Empfehlungen zu ergänzen. Aber das ist nichts, was wir bisher gelöst bekommen haben."

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Gerechtigkeit

Worum es bei der Armenien-Resolution im Bundestag geht

Die deutsche Politik will der Türkei eine Geschichtsstunde verpassen. Am Donnerstag wird im Bundestag über eine Resolution zur sogenannten Armenierfrage abgestimmt (SPIEGEL ONLINE I). Darin geht es um die Frage, ob das Osmanische Reich – der Vorläufer der heutigen Türkei – einst einen Völkermord an den christlichen Armeniern begangen hat.

Fast alle im Bundestag sind sich einig: Hat sie! Das sorgt nun für neuen Streit in den derzeit schwierigen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei.

Der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus warnte den Bundestag bereits, Deutschland solle "vorsichtig sein" (Middle East Eye). Und der neue Ministerpräsident, Binali Yildirim nannte die anstehende Resolution in einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel "haltlos und ungerecht" (SPIEGEL ONLINE II). Die wichtigsten Antworten zur Debatte: