Bild: Netflix
Was würdest du für deine Freunde tun?

Netflix hat Kino und Fernsehen auf den Kopf gestellt. Genau deswegen steht die Branche dem Streaming-Riesen wohl auch skeptisch gegenüber. Als Verbreitungskanal ist er gern gesehen, nicht aber als Konkurrent. So wurde Netflix 2018 von den Internationalen Filmfestspielen von Cannes ausgeschlossen und ihm Jahr davor ausgebuht. (bento)

Dabei schafft der Streaming-Dienst mittlerweile am laufenden Band Film-Highlights. Das beste Beispiel hierfür ist die Eigenproduktion "Calibre". Beim Edinburgh International Film Festival wurde der Psycho-Thriller zum besten britischen Spielfilm des Jahres gekürt.

Spoiler-Warnstufe orange

Wir verraten hier etwas über die Serie oder den Film. Nicht das komplette Ende. Nicht die Mörder-Überraschung. Falls du dich aber ärgerst, wenn wir hier gleich Ereignisse vorwegnehmen: Lieber erst anschauen und dann hierher zurückkommen.

"Calibre" dreht sich um zwei ungleiche Freunde. Während der ruhige Vaughn die Geburt seines erstes Kindes erwartet, schlägt sein langjähriger Kumpel Marcus sich die Nächte mit Koks und Parties um die Ohren.

Bei einem Jagdausflug in den schottischen Highlands wollen die Freunde die gute alte Zeit noch einmal aufleben lassen.

In einem abgelegenen Dorf verbringen sie einen feucht-fröhlichen ersten Abend. Doch dann wird das Herren-Wochenende zum Albtraum: Statt einem Reh erschießt Vaughn im Wald versehentlich einen kleinen Jungen. In ihrer Panik beschließen die Männer, den Unfall zu vertuschen. Das ist – natürlich – leichter gesagt als getan. 

Der erfahrene Thriller-Fan rechnet jetzt mit dem Auftreten eines Ermittlers, der den Männern hartnäckig nachspürt. Doch das Erwartete bleibt aus. 

„Calibre“ kommt ohne das klassische Katz-und-Maus-Spiel aus, das viele Thriller-Geschichten bestimmt.

Stattdessen stellt der Film die Freundschaft von Vaughn und Marcus auf den Prüfstand. Um keinen Verdacht zu erregen, können sie nicht überstürzt aus dem Dorf abhauen – sie müssen weiter machen, als wäre nichts gewesen. So werden sie unweigerlich mit den Folgen des Unfalls konfrontiert. Und das ist gar nicht gut für Vaughns schlechtes Gewissen.

Das blutige Geheimnis lässt den werdenden Vater nicht los. Vom Rotwein in der Dorfkneipe bis zur dunkelroten Wandfarbe erinnert ihn alles an das Geschehene. Der kaltschnäuzige Marcus kommt mit der Situation wesentlich besser zurecht – und er hat rein gar keine Lust, für die Vertuschung des Unfalls belangt zu werden. So dauert es nicht lange, bis die Freunde sich in den Haaren haben.

Wie weit darf man gehen im Namen der Freundschaft? Wie viel ist eine alte Freundschaft wert, wenn gleichzeitig die eigene Zukunft auf dem Spiel steht?

Und wie lange dauert es, bis man sich in einer extremen Stresssituation genau diese Fragen offen zu stellen beginnt?

„Calibre“ geht diesen Gedanken bis zu ihrem schockierenden Ende nach. Eine Verschnaufpause gibt es dabei weder für Vaughn und Marcus, noch für die Zuschauer. Das Ergebnis ist ein Ausnahme-Thriller, der es mühelos mit jedem Klassiker des Genres aufnehmen kann – nicht schlecht für eine kleine Netflix-Produktion.


Gerechtigkeit

"Bis zum G20 habe ich immer geglaubt, ich könnte noch rechtzeitig abhauen"
Ein Jahr nach dem Gipfel – was bleibt?

Hamburg vor einem Jahr: Junge Menschen sitzen am Eingang zur Sternschanze auf der Straße, mit einem Bier in der Hand protestieren sie gegen den G20-Gipfel, blockieren die Straße.

Massencornern gegen die Globalisierung.

Die Polizei spritzt mit dem Wasserwerfer, versucht die Menschen zu vertreiben. Immer wieder setzen die sich einfach wieder auf die Kreuzung am Eingang der Sternschanze. 

Friedliche G20-Kritiker sehen zu, wie neben ihnen im kleinen Park immer mehr Leute schwarze Kapuzen aufziehen. "Haut ab", dröhnt es der Polizei entgegen. Schon damals liegt die Eskalation in der Luft.