Bild: Imago / dpa (bento-Montage)
Sie wissen, wie oft du "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" geguckt hast.

Du machst einen auf Programmkino-Connaisseur, aber ziehst dir zu Hause heimlich "Natürlich blond" rein? Kein Ding. Aber dein Guilty Pleasure wird beobachtet – und beurteilt. 

Die Netflix US hat am Montag einen Post abgesetzt, der zwar ziemlich witzig, aber auch etwas gruselig ist.

Was ist passiert? 

Es geht um diesen Tweet:

Offenbar haben 53 Nutzer in den USA in den vergangenen Wochen jeden einzelnen Tag die Weihnachts-Romanze "A Christmas Prince" geguckt. 

Jeden. Tag. 

Das ist an sich eine ziemlich lustige Beobachtung. Vor allem kombiniert mit der Frage, wer ihnen etwas angetan habe, um dieses Verhalten auszulösen. Entsprechend waren auch die Reaktionen.

Dieser User freut sich über die öffentliche Bloßstellung der Schnulzen-Fans:
Während sich diese Nutzerin fragt, ob ihre peinlichen Vorlieben auch bei Netflix analysiert werden:

Aber die Menschen waren nicht nur amüsiert. Schnell schwenkten die Reaktionen auf ein viel ernsteres Thema.

Was ist das Problem? 


Netflix analysiert natürlich, was seine Nutzer wann und wie oft gucken. Darauf basiert schließlich auch das Empfehlungssystem, das uns immer die passenden Serien und Filme anbietet. Doch damit einher geht auch die Nutzung unserer Daten. Klar entscheiden wir uns alle selbst dafür, uns bei Netflix anzumelden und wissen (hoffentlich) um die Erhebungen im Hintergrund. 

Aber der Tweet hat vielen offenbar vor Augen geführt, wie genau Netflix in die Daten guckt. Denn er zeigt: Wenn Netflix wollte, könnte es sehr detaillierte Aussagen darüber machen zu deinem Geschmack (was du guckst), deinem Tagesablauf (wann du guckst) und sogar zu deinen politischen Überzeugungen (welche Dokus du beispielsweise guckst) machen. 

Das finden viele Leute nicht so cool:

Die Datenschau bekommt vor allem deshalb einen unangenehmen Beigeschmack, weil Netflix seit Jahren darum kämpft, die Erhebungen zu seinen 109 Millionen Nutzern an andere Unternehmen weiterverkaufen zu können. Beispiel: 2013 schafften es Lobbyisten, ein Gesetz durchzubringen, wonach Netflix nun seine Nutzerdaten an Facebook und andere Firmen weitergeben darf. (Washington Post)

Gleichzeitig gibt Netflix selbst fast nie Zahlen heraus. So weiß man sehr selten, wie oft ein bestimmter Film bei Netflix aufgerufen wurde oder welche Serie die erfolgreichste des Jahres war. 

Daten ja, aber nur da, wo es Netflix nutzt. 

Das war eigentlich schon vor dem Tweet klar, aber jetzt ist es mal wieder etwas sichtbarer geworden. 


Gerechtigkeit

Abtreibungsparagraf 219a: Ärztin überreicht Petition an Abgeordente

Es geht um die Frage: Ist das Werbung oder sind das Informationen, die Frauen dringend benötigen? Die Gießener Ärztin Kristina Hänel setzt sich für die Abschaffung des Paragrafen 219a ein, der das offensive Anbieten von Schwangerschaftsabbrüchen untersagt. 

Am Dienstag übergab Hänel nun eine Petition mit 150.000 Unterzeichnern dem Bundestag. Sie alle fordern: Der Paragraf im Strafgesetzbuch muss abgeschafft werden. (Hessenschau)