Bild: Netflix
Was man von KonMari lernt.

Sie sei hier, um Ordnung und Freude in die Welt zu bringen, sagt Marie Kondo im Vorspann der neuen Netflix-Serie "Aufräumen mit Marie Kondo". Darin zeigt die 34-jährige Aufräumexpertin und Bestsellerautorin aus Japan Familien, wie sie ihr Haus mit der KonMari-Methode aufräumen. Und damit nicht nur ihr Zuhause – sondern auch ihr Leben verändern können. So zumindest die Theorie. 

Am ersten Januar bekamen viele Netflixnutzerinnen und -nutzer eine Push-Mitteilung, die sie über den Start der Aufräum-Serie informierte. Der Zeitpunkt war sicherlich nicht zufällig gewählt: Eine Serie, die den Weg in ein ordentlicheres und besseres Leben weisen will, passt gut zu einem Tag, an dem die Menschen noch verkatert, aber hochmotiviert auf dem Sofa liegen – schließlich ist das neue Jahr da, gute Vorsätze wollen erfüllt werden. Warum nicht endlich ausmisten?

Wer ist Marie Kondo?

In ihren Büchern schreibt Kondo, dass sie schon als Kind gerne für Ordnung gesorgt habe. Sie gründete während ihres Soziologiestudiums eine eigene Firma und begann, Unterricht im Aufräumen zu geben. Mit 27 Jahren schrieb sie den Bestseller "Magic Cleaning", der 2013 in Deutschland erschien. In dem erklärt sie, wie man es schafft, ein einziges Mal richtig aufzuräumen – und dann für immer Ordnung zu haben

Wie gesagt, so die Theorie.

Ich habe das Buch gelesen und vor einiger Zeit versucht, ihre Methode umzusetzen. Jetzt, da die Serie zum Buch auf Netflix läuft, nutze ich die Chance, zu rekapitulieren: Hat Marie Kondo mein Leben verändert? Oder zumindest meine Wohnung? Und: Würde ich es noch einmal machen?

So sieht das erst einmal aus, wenn man mit Marie Kondo aufräumt.

Wie funktioniert das Konzept, die KonMari-Methode? 

Die KonMari-Methode lässt sich ganz einfach zusammenfassen: Behalte das, was dich glücklich macht und Freude auslöst. Der Rest kommt weg. Der Aufräumprozess sollte nicht länger als ein halbes Jahr dauern, rät Kondo. Und er sollte einer bestimmten Reihenfolge folgen. 

  • Kleidung
  • Bücher
  • Papiere
  • Kleinkram
  • Erinnerungsstücke

Außerdem gibt es sechs Regeln, die man vor und während des Aufräumens befolgen soll.

  1. Verpflichte dich dazu, aufzuräumen.
  2. Stelle dir deinen idealen Lebensstil genau vor.
  3. Sortiere erst einmal alles aus, was du nicht behalten willst.
  4. Räume innerhalb verschiedener Kategorien auf, nicht innerhalb verschiedener Räume.
  5. Folge der richtigen Reihenfolge.
  6. Und frage dich, ob es dich glücklich macht. (KonMari)

In der Netflix-Serie erklärt Kondo der jungen Familie nach einem ersten Rundgang durch die Zimmer, dass sie nicht nur sie, sondern auch das Haus der Familie begrüßen wolle. Das macht sie in Gedanken – ebenfalls Teil ihrer Methode. Zudem gehört dazu, jeden Gegenstand, jedes Kleidungsstück und jedes Foto einmal anzufassen und in sich hineinzuspüren. 

Macht es mich glücklich, wenn ich den Gegenstand in die Hand nehme?
Marie Kondo

Lautet die Antwort "Ja", sucht man für den Gegenstand einen passenden Ort. Lautet die Antwort "Nein" bedankt man sich bei ihm – und wirft ihn weg

Was für Deutsche zunächst ungewöhnlich klingen mag, ist in einem Land wie Japan weniger abwegig. Dort gibt es den "Shintoismus", eine Religion, die auch Dingen eine Seele oder einen Geist zuspricht. So schreibt Marie, dass unsere Socken eine "Ruhephase" bräuchten, nachdem wir sie getragen und gewaschen hätten. Sie bittet darum, die Socken nicht zusammengewickelt in einer Schublade aufzubewahren, sondern sie sorgsam gefaltet übereinanderzulegen. 

Und das funktioniert?

Überraschenderweise: ja. Als ich das Buch zum ersten Mal las, war ich hin und weg von ihren Erzählungen darüber, wie sie es irgendwann schaffte, so aufzuräumen, dass nicht ständig wieder alles unordentlich wurde. Denn obwohl Marie als Teenagerin immer wieder aufräumte und wegwarf, wurden die Dinge, die sie und ihre Familie besaßen, einfach nicht weniger. 

Doch so viel ich auch ausmistete, weder das Haus noch mein Zimmer wurden leerer. Noch schlimmer, irgendwie nahm der Stress zu und ich verfiel wieder einmal dem Kaufrausch.

Von diesem Zeitpunkt an sei immer wieder die Frage ihre Rettung gewesen, ob sie eine Sache wirklich glücklich mache. Das wollte ich auch ausprobieren. 

Kleidung mit der KonMari-Methode aufräumen

Wie im Buch beschrieben, begann ich, nach Kategorien aufzuräumen. Ein Problem, so Kondo, sei nämlich, dass Dinge einer Kategorie selten gemeinsam aufbewahrt würden. Deshalb solle man beispielsweise erst einmal alle Kleider, die man besitze, auf einem Haufen sammeln.

Ich räumte meine Kommode im Schlafzimmer aus und legte alle Kleidungsstücke aufs Bett. Dann holte ich unter dem Bett eine Kiste mit Winterklamotten hervor und mehrere Schürzen aus der Küche. Die Wäschetonne aus dem Badezimmer leerte ich ebenfalls und holte noch eine Tüte aus dem Keller, in der ich Kleidungsstücke aufbewahrt hatte, die ich zwar schon aussortiert, aber noch nicht übers Herz gebracht hatte, sie tatsächlich wegzugeben. Zuletzt legte ich alle meine Jacken von der Gaderobe im Hausflur auf mein Bett.

Wenn man alle Kleidungsstücke auf einem einzigen großen Haufen sieht, wird einem erst so richtig bewusst, wie viel man eigentlich besitzt. Ich nahm – wie von Kondo beschrieben – jedes Teil einzeln in die Hand und merkte tatsächlich sofort, was sie meinte. Manche Kleidungsstücke machten mich kein bisschen glücklich, als ich sie berührte – andere schon. 

Kann das wirklich so einfach sein?, fragte ich mich, als ich drei große Mülltüten mit aussortierten Kleidern zum Altkleidercontainer brachte. 

Für die übriggebliebenen Kleidungsstücke ging es mit der KonMari-Methode weiter: Sie sollen nach einer einfachen Regel gefaltet und stehend – am besten in einer Kommode und in Schachteln – aufbewahrt werden. 

Ich faltete stundenlang alles, was ich besaß, in kleine Rechtecke und verstaute die Kleider wieder in meiner Kommode. Viel Arbeit, die sich lohnte: Alle Kleidungstücke waren gut zu sehen und ich konnte sie ordentlich aus der Schublade herausnehmen – anders als in einem Stapel. 

So sieht eine Schublade mit Kleidungsstücken aus, wenn man sie so faltet wie Marie Kondo:

Was ist mit anderen Sachen?

Auch die Papiere zu sortieren fiel mir leicht. Ich warf alte Uni-Unterlagen weg und Mitschriften aus Seminaren, die ich niemals mehr lesen würde. Dann kamen die Bücher dran und ich stieß das erste Mal an meine Grenzen. Dreißig Bücher besäße sie heute nur noch, schreibt Kondo. Das alles seien Lieblingsbücher. Ich schaffte es, von meinen etwa zweihundert Büchern gerade mal einen Schuhkarton auszusortieren und brachte ihn in ein Antiquariat. Sie machen mich eben glücklich, sagte ich mir. Aber irgendwie wusste ich auch, dass ich nicht ganz ehrlich zu mir war. Die meisten davon würde ich nicht noch einmal lesen – und den Platz könnte ich auch anders nutzen. Egal. Weiter. 

Beim Kleinkram kam ich ebenfalls nicht besonders schnell voran. Ich war unsicher, ob ich nicht etwas aufheben sollte, was ich irgendwann einmal brauchen könnte und nicht noch einmal neu kaufen wollte. Ich fand immer mehr Dinge, die ich mal von jemandem geschenkt bekommen hatte. Ich bewunderte Kondo für ihre, mir fast etwas kalt erscheinende, Art, mit solchen Geschenken umzugehen. 

Was ist die wichtigste Aufgabe eines Geschenks? Der Moment, in dem es vom Schenkenden überreicht und vom Beschenkten angenommen wird. Die Geste ist viel wichtiger als die Sache selbst. Deshalb dürfen sie solchen Ballast ruhigen Gewissens entsorgen.
Marie Kondo

Auch das schaffte ich nach einiger Überwindung. Als ich am Ende meinen Kleinkram und sogar Möbel sortiert hatte, begann ich damit, diese Dinge zu entsorgen. Viele Sachen konnte ich verkaufen, einige bot ich Freunden und meiner Familie an – aber nur unter der Voraussetzung, dass sie sie wirklich wollten und sie glücklich machen würden. Ich trug aber auch viele volle Müllsäcke aus meiner Wohnung, warf sie in die große Tonne vor dem Haus und dachte, "Danke", als ich den Deckel wieder schloss. 

Es war, als würde man sich von einer Last befreien. Und als würde ich mich in meiner Wohnung tatsächlich freier fühlen. Ich schaffte es sogar, ein paar Erinnerungsstücke auszusortieren.

Dann fiel es mir mit der Zeit plötzlich schwerer. Ich behielt einige Gegenstände, weil ich mir nicht sicher war, ob sie mich glücklich machten. Und manchmal schummelte ich und stellte eine Kiste voller Dinge einfach wieder in meinen Schrank. 

Als ich dann in eine andere Stadt umzog, hörte ich mit dem Aussortieren ganz auf und packte alles, was mir gehörte, einfach schnell zusammen. Trotzdem hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt bestimmt 15 Prozent meines Besitzes weggegeben, verkauft oder entsorgt

Und jetzt?

Obwohl ich die KonMari-Methode nie vollständig umgesetzt habe, hilft mir ihre Grundregel immer wieder. Wenn ich aufräume und mir nicht sicher bin, ob ich etwas behalten möchte, nehme ich es in die Hand und frage mich, ob es mich glücklich macht. Mir fällt es viel leichter, mich von Gegenständen zu trennen und Dinge zu entsorgen, die ich eigentlich nicht brauche. Ich kaufe auch weniger neue Sachen, weil ich mir bereits beim Kauf sicher sein will, ob mich diese Sache wirklich glücklich macht. Und ich habe kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich Dinge irgendwann in den Müll werfe, die mein Vater in schwäbischer Manier garantiert aufheben würde, weil man sie irgendwann einmal brauchen, reparieren oder verkaufen könnte.

Aber meine Kommode sieht ehrlicherweise wieder genauso aus wie vorher. Obwohl das Falten tatsächlich beruhigend ist und in der Kommode Ordnung herrscht, ist mir die Arbeit meistens einfach zu aufwändig. Und statt meine T-Shirts, Hosen und Socken ordentlich in kleine Rechtecke zu falten, mache ich lieber etwas, das mich wirklich glücklich macht. 

Die KonMari-Methode kann dein Leben verändern, wenn du eine Methode suchst, die dir dabei hilft, aufzuräumen und alle deine Dinge zu sortieren. In ihren Büchern gibt die Autorin dazu viele Tipps. 

Allerdings kostet dieses Projekt enorm viel Zeit und jede Menge Arbeit. Wenn du nicht alles aus der Methode befolgst, wirst du vielleicht kein so perfekt aufgeräumtes Zuhause haben wie Kondo, aber du lernst viel über dein Konsumverhalten und über die Dinge, die dich wirklich glücklich machen. 

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Today

Trump droht mit nationalem Notstand – um so seine Mauer zu bekommen
Tag 16 im Shutdown-Streit in den USA

Seit 16 Tagen sind Teile der US-Regierung stillgelegt – hunderttausende Bedienstete sind ohne Lohn im Zwangsurlaub, einige müssen ohne Bezahlung sogar weiter arbeiten. Der Grund dafür: Demokraten und Republikaner können sich nicht einigen im Streit um die Mauer an der Grenze zu Mexiko. Jetzt droht US-Präsident Trump mit einem nationalen Notstand, um seine Pläne durchsetzen zu können.

Wie kam es zum Shutdown?

Im Dezember musste die US-Regierung den Übergangshaushalt verabschieden, damit sämtliche Behörden auch weiterhin arbeiten können. Die von Trump geforderten fünf Milliarden Dollar für den Bau der Mauer waren in dem vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Haushalt allerdings nicht enthalten – weshalb der US-Präsident ihn nicht unterzeichnen wollte.

Seit dem 21. Dezember stehen Teile der Regierung deshalb still – und eine Einigung ist nicht in Sicht. Die Demokraten, welche die Mehrheit im Repräsentantenhaus haben, beharren auf ihrer Position, kein Geld für die Mauer stellen zu wollen. Für Trump aber war der Bau der Mauer eines seiner größten Wahlversprechen – er will es unbedingt durchbringen.

Wie will Trump jetzt vorgehen?

Am Sonntag drohte Trump, notfalls den nationalen Notstand auszurufen und so den Mauerbau gegen das Parlament durchzusetzen. "Es kann sein, dass ich den nationalen Notstand ausrufe, es kommt darauf an, was in den nächsten Tagen passiert", sagte der Präsident.

Tatsächlich ist Trump von seiner Forderung nach einer Grenzmauer etwas abgerückt und will stattdessen nun einen Stahlzaun errichten lassen. Dieser sei auch weniger auffällig als eine Betonmauer, gleichzeitig aber sogar noch stabiler. Trump will den Stahlzaun als Gewinn verkaufen – sein Stabschef Mick Mulvaney erklärte aber, das Abrücken vom Beton sei das Entgegenkommen Trumps an die Demokraten. 

Zuvor hatte Trump bereits mit einem "jahrelangen Shutdown" gedroht, sollten die Demokraten nicht dem Bau der Mauer zustimmen. 

Auf Twitter verkündete der US-Präsident am Sonntagabend, Vizepräsident Pence habe mit den Demokraten "produktive Gespräche" geführt und wies auf den geplanten Stahlzaun hin. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hatte mehrfach erklärt, man würde nicht dafür stimmen, Geld für den Bau einer Mauer im Haushalt bereitzustellen – und auch für einen Stahlzaun fanden sich bei den Demokraten keine Befürworter.