Bild: Netflix

Soldat oder Mörder? Terrorist oder Freiheitskämpfer? Bei den allermeisten Filmen und Serien über den Nahostkonflikt sind die Rollen klar verteilt – je nachdem, welche Seite die Geschichte erzählt.

Mal drangsaliert Israel als üble Besatzungsmacht die Palästinenser. Mal leidet der jüdische Staat ganz unverschuldet unter der Blutlust islamistischer Terroristen. Die subjektive Wahrheit in jeder Version: Böse ist immer nur der andere.

Aber es gibt Hoffnung. Der israelischen Serie "Fauda" (arabisch für "Chaos") gelingt nämlich, woran etliche andere Produktionen scheitern. Sie zeigt den Nahostkonflikt ausgewogen und differenziert – und spricht damit beide Parteien gleichermaßen an.

Statt den Konflikt mit Klischees zu befeuern, setzen die Macher von "Fauda" auf komplexe israelische und palästinensische Charaktere. Und das ist ziemlich schlau. Wenn der Feind ein Gesicht und eine Geschichte bekommt, kann man ihn schließlich nicht ganz so einfach hassen.

Im israelischen Fernsehen lief "Fauda" bereits Anfang 2015. Nun kann man die erste Staffel mit zwölf Episoden auch auf Netflix schauen.

(Bild: Netflix)
Worum geht's?

Hauptsächlich um Ego, Ehre und Rache. Aber auch um die Frage, wie dehnbar die Moral ist, wenn es den eigenen Interessen nützt. Der israelische Geheimagent Doron (Lior Raz) und sein Team sind darauf spezialisiert, den palästinensischen Widerstand zu infiltrieren und Anschläge zu verhindern. Als sie erfahren, dass der totgeglaubte Hamas-Kämpfer Abu-Ahmed (Hisham Suliman) doch noch am Leben ist, beginnt eine Jagd, die alle Beteiligten an ihre Grenzen bringt.

Hier seht ihr den Trailer in der Original-Sprache. Netflix zeigt "Fauda" aber auch auf Deutsch und Englisch:
Was macht "Fauda" denn nun besser, als andere Serien?
  • Obwohl die Serie in Israel produziert wurde, sprechen die Darsteller Hebräisch und Arabisch –und zwar zu gleichen Teilen. Die arabischen Szenen sind lediglich mit Untertiteln übersetzt. Warum das so wichtig ist? Nur wenn man beide Sprachen gleichwertig behandelt, redet man auf Augenhöhe. Auch, wenn man sich noch nicht viel Nettes zu sagen hat.
  • Bei "Fauda" steht nicht nur eine Person im Vordergrund. Im Laufe der Serie kommen immer mehr Details aus dem Leben von Doron und seinem Widersacher Abu-Ahmed zum Vorschein. So erfährt der Zuschauer, dass Abu-Ahmed alias "Der Panther" nicht nur den Tod von 116 Israelis anordnete, sondern ebenfalls viele eigene Familienmitglieder im Kampf verlor. Auch ein Hamas-Kämpfer trauert und sorgt sich um seine Kinder – das macht die Charaktere menschlich.
  • Die Serie zeigt: Unschuldig ist in diesem Konflikt niemand. Doron, der eigentlich Terroristen zur Strecke bringen will, schnallt plötzlich selbst einem Kind den Sprengstoffgürtel um. Und Abu-Ahmed, der sein ganzes Leben für die Freiheit der Palästinenser kämpft, schreckt nicht davor zurück, seine eigenen Leute zu opfern.

Und, wie gehst du mit Konflikten um?

Muss ich erst fünf Bücher über den Nahostkonflikt lesen, um den Plot zu begreifen?

Nein. Wer hin und wieder Nachrichten liest, ist ausreichend informiert. "Fauda" hält sich nicht lange mit der Geschichte des Konfliktes auf oder stellt gar die Schuldfrage, sondern versucht das aktuelle Chaos im Nahen Osten in seiner ganzen Sinnlosigkeit abzubilden.

Wie realistisch ist die Darstellung der israelischen Armee und der Hamas?

Ziemlich. Die Story basiert auf den persönlichen Erfahrungen des Serienschöpfers Lior Raz, der gleichzeitig auch die Hauptrolle spielt. Der 43-Jährige diente in einer Elite-Einheit der israelischen Armee und spricht fließend Arabisch. Auch Avi Issacharoff, Co-Schöpfer der Serie, kennt den Konflikt wie kaum ein anderer. Der Journalist und Nahost-Analyst lebte und arbeitete lange in den palästinensischen Gebieten.

Die Serie war ein Hit in Israel. Auch international bekam sie viel Lob:

Gibt es eine zweite Staffel?

Ja. Die Dreharbeiten haben in Israel schon begonnen und Netflix sicherte sich bereits die Rechte. Den Plot wollen die Serienmacher allerdings noch nicht verraten. So viel ist aber sicher: Die Handlung wird sich an aktuellen politischen Ereignissen orientieren. Und es sind sogar noch weitere Staffeln geplant. Denn: Chaos gibt es im Nahen Osten ja genug.


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