Nun wird die faszinierende und bittere Geschichte von Elizabeth Magie verfilmt

Zocke deine Geschwister und Eltern ab!

Zwinge sie, ihr letztes Geld in deinen überteuerten Häusern und Hotels zu verprassen.

Ergötze dich an ihrem Misserfolg, an ihrer Reise ins Gefängnis und ins Armenhaus.

Vergiss die Soziale Marktwirtschaft!

Werde ein Monopolist!

Monopoly hat den mitleidslosen Raubtierkapitalismus in Millionen Kinderzimmer weltweit gebracht. Man könnte hinter der Erfindung des populären Brettspiels die Gehirnwäsche eines US-Spielekonzerns vermuten, der die ganze Menschheit von klein auf zu gierigen Abzockern erziehen will.

Man läge vollkommen falsch damit.

Elizabeth Magie hat das "Landlord's Game" 1906 erfunden, später wurde es in "Monopoly" umbenannt. Magie war Feministin und glühende Antikapitalistin. Ihren eigenen 10-Dollar-pro-Woche-Job als Stenographin bezeichnete sie als "Sklaverei", einmal versteigerte sie in einer Zeitungsannonce ihre Dienste als "Young Woman American Slave".

Ihr Leben soll nun verfilmt werden. Wie das Filmnews-Portal Deadline meldet, will die Produktionsfirma Big Beach ("Little Miss Sunshine") eine kürzlich veröffentlichte Biografie über Magie auf die Leinwand bringen. Der Stoff taugt zur Tragödie.

Magie wollte mit ihrem "Vermieter-Spiel" natürlich keinen Grundschul-Kurs in Immobilienspekulation kreieren – im Gegenteil: Die Arbeiter in den USA sollten durch das Brettspiel lernen, welche katastrophalen Folgen ungleich verteilter Landbesitz auf die Bevölkerung hat. Immerhin hat am Ende des Spiels einer alles, und der Rest ist pleite.

Auf spielerische Weise wollte sie die arbeitenden Massen der USA gegen die Superreichen ihrer Zeit aufwiegeln: “In a short time, I hope a very short time, men and women will discover that they are poor because Carnegie and Rockefeller, maybe, have more than they know what to do with", sagte Magie einmal.


Das "Landlord's Game" von 1906 sollte Arbeiter gegen den Kapitalismus aufwiegeln(Bild: Cory Doctorow / Lizenz: CC BY-SA 2.0)
Das Spiel wurde zum Erfolg, pädagogisch war es aber ein Schuss in den Ofen: Dass Gewinnen Spaß macht, wissen Kinder wie Erwachsene. Und wer bei Monopoly gewinnen will, muss eben Kapital akkumulieren und investieren, bis selbst die schäbige Badstraße durchgentrifiziert ist. Kooperation und Empathie kommen im heutigen Monopoly nirgends vor, die proletarische Revolution steht auf keiner Ereigniskarte. Das von Magie erdachte Armenfürsorge-Feld wurde über die Jahre ebenso vom Spielbrett getilgt wie die Mahnung auf dem "Los"-Feld, dass "Harte Arbeit auf Mutter Erde" (und nicht Spekulation) Löhne schaffe.

Magie hatte die Pervertierung ihrer Idee befürchtet, war aber in der Zwickmühle: Einerseits wollte sie die Reinheit ihrer Botschaft bewahren, anderseits diese Botschaft möglichst weit verbreiten. Sie schuf zwei Versionen ihres Spiels: In einer wurde der erwirtschaftete Reichtum zwischen den Spielern umverteilt, im anderen spielte jeder für sich – die zweite Version begeisterte und setzte sich bei den Spielern durch.

Statt das kapitalistische System zu entlarven, wurde Magie selbst dessen Opfer: Als sie ihr Patent für das Spiel anmeldete, warnte der Sachbearbeiter davor, die Erfindung einer Frau zuzuschreiben. Das Spiel würde dann nicht ernst genommen.

Trotzdem verbreitete sich Magies Spiel rasant und wurde von anderen weiterentwickelt. Das Copyright auf eine spätere Version sicherte sich ein Mann: Charles Darrow lernte das Spiel erst 1932 kennen, benannte es in "Monopoly" um, erfand wohl auch den zylindertragenden Cartoon-Kapitalisten "Mr. Monopoly" und verkaufte die Rechte daran kurz darauf für 7000 Dollar an die Spielefirma Parker Brothers.

Ein Riesen-Monopoly in Saarbrücken – kaum ein Spiel hatte solch weltweiten Erfolg(Bild: dpa/picture-alliance)

Elizabeth Magie bekam für ihr Patent einmalig 500 Dollar. Von den Milliardeneinnahmen aus dem wohl erfolgreichsten Brettspiel aller Zeiten sah sie nie etwas.

Der neue Film soll der 1948 verstorbenen Erfinderin nun späte Gerechtigkeit bringen. Die Produzentin Diane Nabatoff hofft, dass kein Zuschauer "ein Monopoly-Spielbrett mit den gleichen Augen sehen wird wie bisher": Es dürfte ein Lehrstück über die Ungerechtigkeit des ungezügelten Kapitalismus werden – also das, was Elizabeth Magie immer wollte.

Mehr dazu:

Das Wall Street Journal hat eine umfangreiche Rezension der Magie-Biografie veröffentlicht

Auch der Guardian hat über die Monopoly-Erfinderin geschrieben